Baue eine Camera Obscura!

21.07.16

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Mit einem Karton und einem Spiegel kannst du den Vorläufer des Fotoapparates bauen.
Durchführung

Achtung: Experiment von einem Erwachsenen überwachen lassen! (siehe Abschnitt Gefahrenhinweis).

Um deine eigene Camera obscura zu bauen, brauchst du eine Pappschachtel. Gut geeignet ist zum Beispiel ein stabiler Schuhkarton. Male oder spritze ihn von innen mattschwarz an.

Lass dir im Baumarkt einen Spiegel so zurechtschneiden, dass du ihn schräg in das eine Ende der Schachtel klemmen oder mit Klebeband befestigen kannst. In die gegenüberliegende Seite machst du mit einem spitzen Bleistift ein kleines Loch. Hier tritt das Licht ein und wird vom Spiegel nach oben reflektiert.

Damit du ein Bild sehen kannst, musst du jetzt in die Oberseite des Kartons über dem Spiegel ein rechteckiges Loch schneiden. Darauf klebst du ein halbdurchsichtiges Papier, wie zum Beispiel Pauspapier. Du kannst es aber auch mit Butterbrotpapier oder Backfolie probieren.

Dichte die Ecken und Kanten des Kartons gut mit Klebeband gegen einfallendes Licht ab. Jetzt ist deine Camera obscura fertig!

Das Bild auf dem halbdurchsichtigen Papier ist aber nicht sehr hell. Um es gut erkennen zu können, kannst du dir entweder ein Stück dunklen Stoff über den Kopf legen oder aus Resten eines anderen Kartons einen Lichtschutz bauen, der das Umgebungslicht abhält. Im Video siehst du eine Möglichkeit, aber du kannst dir auch andere Bauweisen ausdenken und ausprobieren!

Prinzip

Das Licht der Szene, die du dir mit der Camera obscura ansiehst, fällt durch das kleine Loch in die Schachtel und wird vom Spiegel auf das halbdurchsichtige Papier reflektiert. Am besten versteht man das Prinzip der Camera obscura bei ihrer einfachsten Form, die ohne Spiegel auskommt. Dabei steht das Bild auf dem Kopf. Bei dem Modell mit Spiegel hat man den Vorteil, dass der Spiegel das Bild wieder richtig herum dreht. 

Das Prinzip der Camera obscura war schon vor über 2000 Jahren bekannt. Aufmerksame Beobachter hatten damals bemerkt, dass man in einem abgedunkelten Raum ein auf dem Kopf stehendes Bild der Außenwelt sehen kann, wenn zum Beispiel der Fensterladen ein kleines Loch hat. Daher kommt auch der Name, denn Camera obscura heißt nichts anderes als „dunkle Kammer“ „oder dunkles Zimmer“ auf lateinisch!

Da es aber nicht praktisch ist, ein Zimmer mit sich herumzutragen, wurden kleinere Modelle entwickelt, bei denen der Beobachter das Bild von außen sehen kann... Das erste Foto der Welt wurde 1826 mit einer umgebauten Camera obscura gemacht.  Der französische Erfinder Joseph Niépce tauschte dafür das halbdurchsichtige Glas oder Papier gegen eine Platte mit einer lichtempfindlichen Schicht aus.

Gefahrenhinweis

Lass dir die Kanten des Spiegels entschärfen und achte darauf, dich nicht mit dem scharfen Messer oder Cutter beim Zurechtschneiden des Kartons zu verletzen! Bastel die Camera obscura zusammen mit einem Erwachsenen.

Tipps

Das Loch ist sozusagen das Objektiv deiner Camera obscura. Wenn es klein ist, erhältst du ein scharfes Bild, aber es kommt nur wenig Licht durch, daher ist das Bild dunkel. Wenn du ein helleres Bild haben willst, kannst du das Loch vergrößern, dabei wird das Bild dann aber leider unschärfer. 

Fotofans kennen dieses Phänomen: die Öffnung, durch die im Fotoobjektiv das Licht fällt, nennt man „Blende“. Man kann ihre Größe verstellen. Und je weiter sie geöffnet ist, umso geringer ist die Schärfentiefe. Das ist der Entfernungsbereich, in dem abgebildete Objekte scharf erscheinen.

Um mit verschiedenen Lochgrößen zu experimentieren, kannst du das Loch in aufgeklebte Aluminiumfolie stechen, die du immer wieder ersetzen kannst.

Wenn du unter das Pauspapier eine Plexiglasscheibe legst, kannst du das Bild abzeichnen. So haben früher manche Maler gearbeitet, um naturgetreue Skizzen zu machen.

Autor: Ingo Knopf/scienceRELATIONS
Video: Ingo Knopf

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Infobox

Material

Schuhkarton oder anderer Karton ähnlicher Größe

passender Spiegel

mattschwarze Farbe

Klebeband

halbdurchsichtiges Papier

Cutter oder scharfes Messer

Lineal

Bleistift

Schwierigkeitsgrad

Zeit