Erste Versuche von Gersts ISS-Mission bereits mit wissenschaftlichen Ergebnissen

17.08.18

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Köln (AFP) - Zwei Monate nach Ankunft des deutschen Astronauten Alexander Gerst auf der Internationalen Raumstation haben erste Experimente seiner Mission "Horizons" bereits wissenschaftliche Ergebnisse geliefert. So schickte das Fluoreszenzmikroskop "Flumias" Bilder von lebenden Zellen zur Erde, wie das Deutsche Raumfahrtzentrum DLR am Donnerstag mitteilte. Das Gerät wurde bei Gersts Mission erstmals in einer Demonstrationsversion auf der ISS eingesetzt.

Ziel des "Flumias"-Experiments war, erstmals Bilder lebender Zellen in hoher Auflösung und in Echtzeit auf der ISS zu erstellen. "Flumias" war laut DLR vom 3. Juli an zehn Tage auf der Raumstation in Betrieb. In dieser Zeit erzeugte die Anlage insgesamt 1,2 Terabyte Daten. Sie nahm sowohl Testbilder von fixierten Zellen auf als auch von lebenden Zellen, um den Einfluss der Schwerelosigkeit auf das Zellskelett zu erforschen.

"Während der Mission wurden täglich Überblicksbilder zur Erde geschickt", berichtete Catharina Carstens, die bei der DLR-Raumfahrtagentur für "Flumias" zuständig ist. "So konnte das Projektteam die Funktionsfähigkeit des Mikroskops überprüfen und war außerdem in der Lage, den Zustand der Zellen zu beurteilen und Experimenteinstellungen zu verändern."

Glück im Unglück hatten die Wissenschaftler laut DLR beim Planetensimulator "MagVector/MFX-2", der Wechselwirkungen des Erdmagnetfeldes untersucht: Bereits im Juni hatte die US-Astronautin Serena-Aunon Chancellor die Anlage auf der ISS um zwei neue Sensorboxen mit jeweils 16 Sensoren ergänzt. Am 2. Juli wurde die Anlage in Betrieb genommen und mit der Untersuchung der Proben begonnen, die vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof wissenschaftlich betreut werden.

Nach einem gelungenen Start der Experimentreihe gab es den Angaben zufolge eine Anomalie, bei der ein Teil der Sensordaten nicht mehr aufgezeichnet werden konnte. Durch den Austausch des Boot-Sticks und einen erfolgreichen Reparatur-Eingriff von Gerst konnte dieses Problem jedoch schnell gelöst werden.

Wie eine Reihe weiterer Experimente der "Horizons"-Mission befindet sich die Forschungsapparatur "CAL" (Cold Atoms Lab) der Nasa jetzt in der Phase der Inbetriebnahme. In der Anlage auf der ISS sollen ultrakalte Quantengase untersucht werden. Inzwischen konnten die Projektwissenschaftler bestätigen, dass im "CAL" ultrakalte Wolken aus Rubidiumatomen erzeugt werden können.

Diese sogenannten Bose-Einstein-Kondensate weisen Temperaturen von nur 100 Nanokelvin auf - also ein zehnmillionstel Kelvin über dem absoluten Temperaturnullpunkt, der umgerechnet bei minus 273,15 Grad Celsius liegt. Ab September soll der wissenschaftliche Betrieb des "Cal"-Minilabors starten, dessen Forschungsergebnisse unter anderem beim Messen von Gravitationswellen und beim Entwickeln von Quantencomputern hilfreich sein könnten.

Gerst war am 8. Juni zu seinem zweiten Langzeitaufenthalt auf der ISS eingetroffen. Auf dem Programm seiner Mission "Horizons" stehen zahlreiche Experimente, davon alleine 41 mit deutscher Beteiligung. Der als Astro-Alex populär gewordene Gerst wird bis Dezember auf der Raumstation bleiben und als erster Deutscher im Oktober das Kommando auf der ISS übernehmen.

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