Lizzie & Nouga: Wasser! - Eine Chance für die Flussperlmuscheln

15.07.17

FNR
Natur & Emwelt
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Wissenschaftler züchten im Labor Flussperlmuscheln. Sie wollen sie in der Our wieder ansiedeln, doch die ist noch ganz schön schlammig und schmutzig.

Heute machen Lizzie und Nouga einen Ausflug. Es geht an die Kalborner Mühle, eine alte Mühle am Fluss Our. Dort wird schon lange kein Mehl mehr gemahlen. Heute passiert dort etwas viel Spannenderes. „In der Mühle arbeiten Wissenschaftler. Der alte Schweinestall neben der Mühle ist inzwischen ein modernes Labor“, erklärt Frankie Thielen. „Wir züchten hier Flussperlmuscheln.“ Thielen ist Biologe und arbeitet bei der Umweltschutz-Organisation natur & ëmwelt in Heinerscheid. Heute begleitet er die beiden auf ihrem Ausflug.

Noch vor etwa 100 Jahren waren Flussperlmuscheln in zahlreichen Flüssen Europas weit verbreitet. Auch in Luxemburg. Heute sind sie in vielen Regionen so gut wie ausgestorben. An der Our gibt es wohl derzeit überhaupt keine Flussperlmuscheln mehr. Darum gibt es die Aufzucht-Station. Die Wissenschaftler lassen hier junge Muscheln heranwachsen, um sie später in die Our oder in andere Flüsse auszusetzen. „Wie züchtet man denn Muscheln, das will ich sehen“, ruft Nouga. Die drei gehen in den alten Schweinestall.

Dort stehen jede Menge Wasserbecken und Aquarien. In einigen schwimmen Fische, in anderen sitzen kleine Muscheln. „Die Flussperlmuscheln brauchen Bachforellen für ihre Entwicklung“, erklärt Frankie Thielen. „Am Anfang ihres Lebens, wenn sie noch winzige Larven sind, setzen sie sich an den Kiemen der Fische fest.“ Im Laufe mehrerer Monate verwandeln sie sich dort in Mini-Muscheln und fallen schließlich ab. Dann sie sind immer noch kleiner als einen Millimeter!

In freier Natur sinken sie jetzt an den Grund des Flusses und vergraben sich im Kies. Bis zu fünf Jahre wachsen sie dort heran, bis sie schließlich zwischen den Steinchen hervorkommen und auf dem Kiesbett zu sehen sind. Dann dauert es weitere zehn bis 15 Jahre, bis die Muscheln sich vermehren können.

Schlamm macht Muscheln das Leben schwer

Heutzutage sind viele Flüsse leider nicht mehr sauber genug für die Flussperlmuscheln. Im Einzugsgebiet des Flusses gelangen zu viele Schadstoffe in das Wasser. „Ein großes Problem ist auch der viele Schlamm, der vor allem bei starkem Regen vom Ufer in die Flüsse gelangt. Er verstopft die Lücken im Kiesbett, die Muscheln ersticken“, sagt Thielen.

Damit es in unseren Flüssen eines Tages wieder Flussperlmuscheln gibt, braucht es also die Hilfe der Wissenschaft. Im Labor klappt ihre Vermehrung inzwischen auch ganz gut. Nur mit dem Aussetzen in die Our gibt es noch Probleme. Die Bedingungen im Fluss müssen erst verbessert werden, bevor die Muscheln dort überleben können. „Wir pflanzen zum Beispiel am Ufer Pflanzen an, die die Erde gut festhalten, sodass sie bei Regen nicht in den Fluss rutscht.“

Es muss aber noch mehr passieren: Zum Beispiel dürfen nicht mehr so viele Schadstoffe und Düngemittel aus der Landwirtschaft und den Haushalten in den Fluss gelangen. Damit das klappt, müssen möglichst viele Leute erfahren, wie so ein Fluss-System funktioniert. Und was jeder dazu beitragen kann, um den Fluss mit all seinen Lebewesen darin zu schützen. Deshalb gibt es auch regelmäßig Führungen an der Aufzucht-Station und der Our, auch für Schulklassen.

Internetlink: http://www.margaritifera.eu/

Autor: scienceRELATIONS
Illustrationen: Andy Genen

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Das Alter sieht man an der Schale

Viele Bäume haben Jahresringe, an denen man ihr Alter ablesen kann. Aber wusstest du, dass auch Flussperlmuscheln Jahresringe bilden? Das geht so: Die Muscheln wachsen vor allem in der warmen Jahreszeit, im Frühjahr und Sommer. Wird es draußen kalt, hören sie bis zum nächsten Frühjahr auf zu wachsen. Und jeder Wachstumsschub hinterlässt nun einen Streifen auf der Muschelschale. In der Our erreichen die Flussperlmuscheln ein Alter von etwa 60 bis 80 Jahren. In anderen Regionen können sie aber bis zu 140 Jahre alt werden, zum Beispiel in Nord-Skandinavien Das hängt vor allem mit der Temperatur der Gewässer zusammen, in denen die Tiere leben.

 


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