Makromolekulare Kristallografie: Das renommierte EMBL aus Heidelberg bietet Schülern Einblicke in die Molekularbiologie

03.11.17

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Wer die Prozesse des Lebens begreifen will, kommt um Molekularbiologie nicht herum. Die Vorlesungsreihe „Insight Lectures “ vermittelt dazu die Grundlage.

Um zu verstehen, was es mit „makromolekularer Kristallografie“ auf sich hat, kann es nicht schaden, die Bezeichnung zunächst in seine Bestandteile zu zerlegen: Als makromolekular bezeichnet man Moleküle dann, wenn sie selbst aus vielen Bausteinen bestehen und so eine hohe Molekularmasse erreichen. Dazu zählen beispielsweise biologische Makromolekulare wie Proteine oder DNA. Kristallografie wiederum ist die Wissenschaft, die sich mit der Entstehung, Struktur und Eigenschaften von Kristallen befasst. Beides zusammen ergibt die makromolekulare Kristallografie. Diese gilt bereits seit den 1950er Jahren als wichtigste Methode zur Betrachtung biologischer Moleküle.

Ein Experte auf diesem Gebiet ist Thomas R. Schneider. Der Molekularphysiker ist Leiter einer Forschungsgruppe des European Molecular Biology Laboratory (EMBL). Das EMBL mit Hauptsitz in Heidelberg und weiteren Standorten in Hamburg, Barcelona, Rom, Grenoble und Hinxton gilt als eine der weltweit führenden Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet der Biowissenschaften. Und von diesem Fachwissen profitieren können nun auch Schüler aus Luxemburg.

Vorlesung für Schüler: „Seeing is Believing – How Technology enables Structural Biology“

So veranstaltet das EMBL am 1. Dezember  im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Insight Lectures“ eine Vorlesung zu den Grundlagen der makromolekularen Kristallografie, die sich speziell an Schüler im Alter von 16 bis 19 Jahren richtet. „Seeing is Believing – How Technology enables Structural Biology“ lautet der Titel der englischsprachigen Veranstaltung mit Molekularphysiker Schneider.

Der Wissenschaftler will in seiner Vorlesung zeigen, wie die makromolekulare Kristallografie dabei helfen kann, grundlegende Prozesse des Lebens zu verstehen. Und wie der technische Fortschritt die Möglichkeiten dieser Wissenschaft kontinuierlich verbessert hat. Veranstaltungsort ist das Fortbildungszentrum am EMBL-Standort Heidelberg.

Teilnehmer kommen aus ganz Europa

Die diesjährige Vorlesung ist bereits die achte Veranstaltung der Insight Lectures. Und wie Agnes Szmolenszky, Leiterin der dafür zuständigen EMBL-Abteilung, erklärt, wird das Angebot sehr gut angenommen. „Im vergangenen Jahr hatten wir hier in unserem Auditorium 120 Teilnehmer und noch einmal gut 1000 Zuschauer, die die Vorlesung interaktiv von zu Hause aus verfolgt haben.“

Man muss also nicht zwingend bis nach Heidelberg fahren, um an der Veranstaltung teilzunehmen. Und wie Szmolenszky erklärt, können auch die interaktiven Teilnehmer im Anschluss an die Präsentation Fragen an den Wissenschaftler stellen – entweder per Skype oder über Twitter.

Langjährige Partnerschaft zwischen Forschungsministerium und EMBL

„Wir haben das Glück, dass wir ein vergleichsweise junges und dynamisches Team haben“, sagt sie, „und vor allem ein internationales.“ Die insgesamt 1600 Mitarbeiter der europäischen Forschungseinrichtung kämen aus insgesamt 80 Ländern, fügt die Biochemikerin hinzu. Und entsprechend international sei auch das Publikum bei den Insight Lectures. „Im vergangenen Jahr hatten wir Teilnehmer aus mindestens 14 verschiedenen Ländern“, so Szmolenszky.

Seit gut zehn Jahren gibt es zwischen dem European Molecular Biology Laboratory und dem luxemburgischen Ministerium für Hochschulbildung und Forschung eine Kooperation. Luxemburg ist eines von mehr als 20 europäischen Ländern, die sich (unter anderem auch finanziell) an der zwischenstaatlichen Organisation des EMBL beteiligen. Diese Mitgliedschaft ermöglicht Luxemburg den Zugang zu sämtlichen Programmen und Dienstleistungen der 1974 gegründeten Forschungseinrichtung.

Zusätzliche Fortbildungsangebote für Lehrer geplant

„Das EMBL steht im Bereich der Molekularbiologie ganz weit vorne“, sagt Josiane Entringer von luxemburgischen Forschungsministerium. „Und wenn man die Forschung in Luxemburg vorantreiben will, dann ist es wichtig, die Jugend möglichst früh dafür zu gewinnen“, fügt sie hinzu. Aus diesem Grund müsse man noch stärker in die Lehreraus- und -weiterbildung zu investieren. Woran nun auch gearbeitet werde.

So gab es auf Initiative des Ministeriums kürzlich erste Gespräche mit dem EMBL, um ein Fortbildungsangebot für Lehrer zu schaffen. Und zwar gemeinsam mit dem Scienteens Lab der Uni Luxemburg sowie dem Institut de Formation de l'Education Nationale (IFEN). Für Institutsleiter Camille Peping wäre das eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten: „Das EMBL verfügt über das Know-How, das Scienteens Lab über die Infrastruktur und wir als Weiterbildungseinrichtung könnten für den Zugang und die Organisation sorgen.“

Noch bis zum 7. November können sich Schüler (16 bis 19 Jahre) für die diesjährige Vorlesung am 1. Dezember anmelden. Die Vorlesung, die auch live im Web mitverfolgt werden kann, dauert von 10 bis 12.15 Uhr. Weitere Infos zur Veranstaltung und Registrierung gibt es auf der Anmeldungsseite.

Autor: Uwe Hentschel

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