
Luxemburg – ein internationaler Forschungsstandort? Mit dem Max-Planck-Institut hat sich auf dem Kirchberg eine weltweit anerkannte Forschungseinrichtung niedergelassen. Juristen untersuchen hier moderne Tendenzen der Streitbeilegung aus der Perspektive des Völkerrechts, des europäischen und vergleichenden Zivilprozessrechts und der Regulierung.
Noch sind einige Räume des jüngsten Max-Planck-Instituts (MPI) leer, aber das wird sich bald ändern. Denn das rechtswissenschaftliche Forschungsinstitut verfolgt in Luxemburg große Ziele. Bereits rund 60 Mitarbeiter arbeiten für das hiesige MPI, und das gerade einmal knapp ein Jahr nach der Aufnahme der Arbeit im vergangenen Herbst.
Standort in der Justizhauptstadt Europas bewusst gewählt
Von den Büros auf dem Kirchberg haben die Juristen freien Blick auf den Europäischen Gerichtshof. Das ist kein Zufall, wie Clemens Feinäugle anmerkt. Clemens Feinäugle ist Senior Research Fellow und Kommunikationsbeauftragter beim MPI, und er ist begeistert – von seinem Job, von der Lage des Instituts, und von Luxemburg insgesamt.
„Die Nähe zum Europäischen Gerichtshof und zu weiteren europäischen Institutionen sowie zum internationalen Finanzplatz bieten die Möglichkeit vielfältiger Kooperationen und interessanter wissenschaftlicher Kontakte, was den Ausschlag gab, sich hier nieder zu lassen,“ so Clemens Feinäugle. Aber nicht nur deshalb fühlen er und seine Kollegen sich im Großherzogtum wohl: „Wir hatten von Anfang an das Gefühl, hier willkommen zu sein und als namhafter Forschungsakteur erfolgreich wirken zu können.“
Beitrag zum Wissenschaftsstandort
Und was kann das MPI zum Standort beitragen? „Sehr viel, denn unser Thema ist europäisches und internationales Verfahrens- und Prozessrecht“, so Clemens Feinäugle: „Luxemburg bietet uns die Möglichkeit, unsere wissenschaftlichen Aktivitäten fruchtbar mit der Praxis zu verbinden.“ Darüber hinaus ziehe das MPI neben Mitarbeitern aus zurzeit zwölf Nationen Gäste aus aller Welt an, die im Institut rechtliche Themen bearbeiten und diskutieren.
Bibliothek als Wissensherzstück
Auch dieser internationale Ansatz komme dem Wissenschaftsstandort Luxemburg zugute, so Clemens Feinäugle, der sich sicher ist, dass dies erst der Anfang ist: „Wir werden sicherlich noch internationaler, und das schon sehr bald.“ Zudem soll sich die Bibliothek, das „Wissensherzstück“ des MPI, schnell weiter füllen.
Diese Bibliothek lässt bereits heute Juristenherzen höher schlagen. Knapp 6 000 Bücher in acht europäischen Sprachen umfasst Sie zurzeit, hinzu kommen rund 70 Fachzeitschriftentitel. Der Lesesaal steht übrigens allen offen, die diesen zu Forschungszwecken nutzen möchten. Auch deshalb, so Clemens Feinäugle, sind die Tage der leeren Räume gezählt.
Autor: Sven Hauser
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