Neuer Ansatz in der Krebsbehandlung: Auswertung von Gewebeproben dank Telepathologie in wenigen Minuten

19.07.17

LNS
Fondation Cancer
CHEM
CHL
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Schnelle Diagnosen bei Biopsien: Mit Hilfe der Telepathologie können Gewebeproben ohne lange Wege zum Labor noch während der Operation untersucht werden.

Längst nicht jedes Krankenhaus kann sich eine voll ausgestattete pathologische Abteilung leisten, die z.B. Gewebeproben von Krebspatienten untersucht, um unter die Bösartigkeit eines Tumors einzustufen. Aus diesem Grund werden Gewebeproben, die während einer Operation oder einer Biopsie entnommen werden, in ein externes Labor gebracht. In Luxemburg ist es das Laboratoire national de santé (LNS) in Düdelingen, das die Gewebeproben untersucht. Ist der Befund dringend, wird die Gewebeprobe vom Krankenhaus mit dem Taxi nach Düdelingen gebracht. So zumindest wurde es bisher gehandhabt. Dank Telepathologie jedoch kann auf diese komplizierte Prozedur verzichtet werden.

Telepathologie bedeutet, dass es zwischen dem Chirurgen im Operationssaal und dem Pathologen im LNS einen elektronischen Austausch gibt. Statt die Gewebeprobe auf die Reise zu schicken, werden noch während der Operation Bilder aus dem Krankenhaus an das Labor via Intranet übertragen. Auf Krankenhausebene besteht das Telepathologiesystem aus einem leistungsstarken Computer, einer Makrokamera und einem virtuellen Mikroskop, die alle aus der Distanz bedient werden können. Im LNS befinden sich ein zentrales Mikroskop und ein Informatiksystem, das mit der Klinikausstattung verbunden ist.  

Pathologe gibt via Intranet Anweisungen an den Techniker vor Ort

Im Centre Hospitalier Emile Mayrisch (CHEM) in Esch/Alzette, wo diese neue Technik seit Januar 2017 eingesetzt wird, sieht der Ablauf so aus, dass ein Techniker des LNS im Krankenhaus die Probe zunächst mit der Makrokamera erfasst und die Bilder dann an das LNS überträgt. Parallel dazu nimmt er Kontakt mit dem dort zuständigen Pathologen auf, der dem Techniker dann weitere Anweisungen gibt. Zum Beispiel wo und wie er die Gewebeprobe schneiden muss, damit sich der Pathologe auf seinem Bildschirm einen ersten Eindruck verschaffen kann.

Im nächsten Schritt wird die Probe im Schnellverfahren eingefroren und für die pathologische Untersuchung unter dem Mikroskop vorbereitet. Dank der Intranetverbindung kann der Pathologe die Probe aus der Ferne so untersuchen, als säße er selbst am Mikroskop. Innerhalb weniger Minuten ist er damit in der Lage, einen ersten Befund abzugeben.

Verfahren verkürzt die Narkosezeit des Patienten

Erst anhand dieser Analyse, auch Schnellschnittuntersuchung genannt, kann der Chirurg über den Umfang der Operation entscheiden. Diese Untersuchung ist in vielen Bereichen der Krebschirurgie notwendig, beispielsweise bei HNO-, Schilddrüsen-, Lungen-, Prostata-, Gehirn-, Bauchspeicheldrüsen-, Speiseröhren- und Lymphomkrebs.

Art und Intensität der Behandlung eines Krebspatienten werden entscheidend bestimmt durch den Grad der Bösartigkeit des jeweiligen Tumors. Dies erkennt der Pathologe an Hand der feingeweblichen Untersuchung von Tumormaterial des Patienten. Die Beurteilung erfolgt an Gewebeschnitten, die gefärbt und bearbeitet werden.

Die Telepathologie erlaubt eine Zeitersparnis, also eine kürzere Zeit für den Patienten unter Narkose. Und sie bedeutet eine unentbehrliche Effizienz dank einer sofortigen Analyse. Zudem sind durch die neue Prozedur keine weiteren Operationen mehr nötig. Die Umsetzung der Telepathologie hat auch eine Auswirkung auf die Forschung. Die an Patienten entnommen Proben werden eingefroren und gelagert. Sie können dazu dienen, die Diagnose bei Bedarf zu verfeinern. Ist die Diagnose gestellt, können die Gewebeproben für Forschungszwecke genutzt werden.

Flächendeckende Einführung der Telepathologie bis 2018

Die Spezialausstattung in den Krankenhäusern ist hauptsächlich von der Fondation Cancer finanziert worden. „Dank der 641.112 Euro von unseren Spendern ist die Telepathologie in Luxemburg Realität geworden. Das bedeutet mehr Komfort für Patienten, Chirurgen und Pathologen“, unterstreicht Dr. Carlo Bock, Präsident der Fondation Cancer, die Bedeutung der innovativen Technologie.

Das LNS hat alle nötigen Zusatzgeräte geliefert sowie die Techniker in Makroskopie ausgebildet. Die CNS finanziert die Dienstleistung zur Hälfte mit.

Seit Januar 2017 wird die Telepathologie in Esch eingesetzt. In den anderen Krankenhäusern des Landes wird die neue Technik im Laufe der Jahre 2017/2018 ebenfalls eingeführt - in vier Krankenhäusern (CHEM, CHL, HRS und CHdN) im Rahmen des Nationalen Krebsplanes. Am 26. April 2017 wurde dies bereits zwischen dem LNS und CHL mit der Unterzeichnung einer Vereinbarung formalisiert. 

Luxemburg ist damit das weltweit erste Land, in dem dieses Verfahren flächendeckend zum Einsatz kommt.

„Das Telepathologie-Programm ist ein hervorragendes Beispiel für den Nutzen, den elektronische Patientendatensysteme bringen können. Es hilft vor allem den Pathologen, ihre Arbeit schneller und noch sorgfältiger zu erbringen“, betonte Dr. Romain Nati, Generaldirektor des CHL. Laut Professor Friedrich Mühlschlegl, Direktor des LNS, entspricht dieses vom Ministerium für Gesundheit geförderte Projekt in jeder Hinsicht dem Wunsch des LNS, den besten Service für die Bevölkerung zu erbringen, vor allem bei der Verringerung des Zeitaufwandes bei der Analyse der Proben. 

Autor: Fondation Cancer & LNS
Editor: Uwe Hentschel, Michèle Weber (FNR)
Fotos: CHL

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