Von Wasserraketen zu Nanodrähten: Wie Spaß und Leidenschaft eine Karriere leiteten

05.07.16

Université du LuxembourgDiesen Artikel drucken

„Das Fach Physik habe ich aus echtem Interesse gewählt - ohne zu wissen, was ich später damit anstellen wollte“, erinnert sich Thomas Schmidt, seit Februar 2015 Professor für Physik an der Universität Luxemburg.

Seine Strategie: weitermachen, so lange es Spaß macht – und das treibt ihn bis heute an. Über das prestigeträchtige ATTRACT-Programm des „Fonds National de la Recherche“ erhielt er eine der überaus begehrten Forscherstellen mit langfristiger Perspektive und eigener Forschergruppe an der Universität Luxemburg. Im Gegenzug brachte er ein neues Forschungsfeld mit an die Uni.

Über Freiburg, Yale und Basel nach Luxemburg

Seine Liebe zur Physik entdeckte der 36-jährige Deutsch-Schweizer in der Physik-AG seines Gymnasiums in der deutschen Grenzstadt Lörrach. „Damals haben wir zum Beispiel Raketen mit Wasserantrieb gebaut – das hat mich total fasziniert“, erzählt Schmidt. Deshalb habe er dann in Freiburg Physik studiert und promoviert.

Weil ihm auch die Doktorarbeit gefiel, bewarb er sich dann für einen Forschungsaufenthalt in Yale, eine der renommiertesten Universitäten der USA, und verbrachte dort mit seiner Frau, einer Biologin, drei intensive Jahre mit exzellenten Professoren und Studenten. „Wir hatten Glück, unsere Karrieren kombinieren zu können“, so Schmidt. „Das war bisher eine der größten Herausforderungen!“

Danach folgte er seiner Frau zurück in die Deutsch-Schweizer Grenzregion an die Uni Basel, bevor er die Stelle in Luxemburg annahm. „Zwar könnte ich wahrscheinlich auch in der Industrie glücklich werden, weil Physik überall spannend ist. Aber ich bin sehr froh, hier die Freiheit zu haben, meine eigenen Forschungsideen entwickeln und umsetzen zu können“, betont Prof. Schmidt. 

Zwischen klassischer Physik und Quantenphysik

Jeden Tag kommt er nun von Bettemburg mit der Bahn und radelt vom Bahnhof auf den Campus Limpertsberg, wo die Physiker derzeit noch residieren. „Das macht wach!“, so der Fahrradliebhaber. 

Schmidt forscht in einem neuen Feld, das weltweit stark im Rennen ist: die Analyse sogenannter mesoskopischer Systeme. Das sind Materialien, die nur wenige Mikrometer groß und für viele moderne Anwendungen in der Nanoelektronik wichtig sind: Nanodrähte zum Beispiel oder winzige Sensoren. Auf dieser Ebene zwischen klassischer Physik und Quantenphysik sei noch reichlich Potential für neue Entdeckungen, prophezeit der Forscher.

Allerdings wird man Prof. Schmidt in keinem Labor antreffen. Als Theoretiker sitzt er vor allem am Schreibtisch: „Meine Arbeit ist vor und nach den Experimenten wichtig: Ich interpretiere die Laborversuche von Kollegen und suche nach Strategien, um neue interessante Effekte zu erforschen“.

Nach einem oft langen Arbeitstag, dem er viel Energie und Herzblut widmet, warten zum Ausgleich dann das Rad, die Laufschuhe und der kleine Sohn - der sicherlich bald vom Vater lernen wird, wie man Wasserraketen baut.

Autor: Sophie Kolb 
Photo 
© Michel Brumat/Uni Luxemburg

 

Auch in dieser Rubrik

Wie trainieren Roboter für eine Fußball-Weltmeisterschaft?

20.03.17 Im Juli findet in Japan die RoboCup-WM statt. Dafür qualifiziert hat sich auch das Team Luxembourg United der Uni, bestehend aus 8 humanoiden NAO-Robotern. > Ganzen Artikel lesen

Universität Luxemburg erhält sehr gute Noten für die Forschung

27.02.17 Bei der dritten externen Evaluierung der Uni Luxemburg wurde erstmals die Forschung unter die Lupe genommen. > Ganzen Artikel lesen

Mehr als nur durchblicken: Piezoelektrische Anwendungen auf Glas

16.02.17 Entweder es ist durchsichtig oder es leitet Strom - beides geht nicht. Oder doch? Materialforscher am LIST arbeiten an der Antwort und ihrer Anwendung. > Ganzen Artikel lesen

Neue Standards in der Bioinformatik machen biologische Experimente nachvollziehbar – überall und jederzeit

15.02.17 Forscher der Uni Luxemburg haben das Werkzeug IMP entwickelt, mit dem sich die Auswertung biologischer und biomedizinischer Experimente wiederholen lässt. > Ganzen Artikel lesen

Neuer Algorithmus „Equihash“: Gleicher Zugang zu Digitalen Währungen für alle

09.02.17 Wissenschaftler der Universität Luxemburg haben einen für so genannte Kryptowährungen wichtigen Algorithmus entwickelt. Sein Name: Equihash. > Ganzen Artikel lesen

Infobox

Sie forschen an der Universität Luxemburg

Dieser Artikel erschien im Luxemburger Wort in einer Artikelserie "Sie forschen an der Universität Luxemburg".