Rock Fossils: Saurier & Co. lassen’s im Grund krachen

05.07.18

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Ein Museumsbesuch kann durchaus rocken. Wer’s nicht glaubt, der sollte sich „Rock Fossils“ anschauen. Dort wird früheres Leben sogar lautstark inszeniert – und Rocker zu Sauriern.

Paläontologie, das ist die Wissenschaft von besagtem früheren Leben. Das klingt nach sehr verstaubt und eher totenstill – nach dem Gegenteil von Rock’n’Roll. Warum trägt dann ein Saurier den Namen des Dire Straits-Sängers Mark Knopfler, und andere Exponate den von Metal- bzw. Punk-Ikonen wie Lemmy Kilmister und Sid Vicious? „Paläontologen und Rockmusiker haben eine Gemeinsamkeit“, erklärt Ben Thuy. „Beide haben einen Hang zum Obskuren, sind auf die eine oder andere Art im Underground verankert.“ Da sei es logisch, dass viele seiner Berufskollegen ein Faible für harte Rock-Musik hätten, so der Kurator des Bereichs Paläontologie im Musée National d’Histoire Naturelle (mnhn.lu).

Erlebnis für Auge und Ohr

Ben Thuy macht da keine Ausnahme; er ist selbst Schlagzeuger in einer Metal-Band. So gab es also für ihn gleich zwei Gründe, Rock Fossils nach Luxemburg zu holen. Ausstellungsort ist die Abtei Neumünster; dort zu sehen sind die Fossilien mit Namen von Rockstars und Bands noch bis September. Das ist aber nicht alles. Jedes Fossil wird ergänzt um den passenden Sound: Besucher können sich die Musik anhören, die den jeweiligen Forscher zur entsprechenden Namensgebung animiert hat. Bei einigen ausgewählten Rock Fossilien kann man zusätzlich ein lebensechtes Modell des „Original-Lebewesens“ bestaunen und in manchen Fällen sogar ertasten.

Es wird also nicht nur was für den Kopf und fürs Auge geboten bei Rock Fossils, es gibt auch was auf die Ohren. Und genau diese Vielfalt ist es laut Ben Thuy, die Reiz und didaktischen Wert der Ausstellung ausmacht: „Die Ausstellung holt Wissenschaft ein Stück weit aus dem Elfenbeinturm. Sie baut Brücken zwischen der akademischen und der „echten“ Welt, ist bewusst laut und leidenschaftlich.“ Das kommt an beim Publikum. In Skandinavien, wo das Konzept vor fünf Jahren erdacht wurde, war Rock Fossils ebenso ein Publikumsmagnet wie in der Schweiz – und auch der Auftakt in Luxemburg war erfolgreich.

Namenssuche für ein Fossil

Das liegt neben der eigentlichen Ausstellung auch am Begleitprogramm (siehe unten), das von Konzerten über einen Science Slam bis hin zu Vorträgen reicht, die beide thematischen (Brücken)säulen – also Rock und „Fossils“ betreffen: Die diversifizierte soziologische Struktur der Metal-Szene wird dabei ebenso beleuchtet wie neueste Trends in der Tiefsee-Paläontologie. Überhaupt spielt die Tiefsee eine leitmotivische Rolle bei der Ausstellung - auch und vor allem bei einem kreativen Wettbewerb, der das Publikum mit einbezieht. Bei diesem geht es darum, einen Namen für ein Unterwasser-Fossil zu finden; Teilnehmer entrichten passend dazu eine Spende für ein nachhaltiges Tiefsee-Projekt.

Die Publikumseinbeziehung hat aber noch einen weiteren Mehrwert,: „Wir wollen zeigen, dass Wissenschaft zwar rocken kann und sehr viel mit Leidenschaft zu tun hat. Gleichzeitig wollen wir aber auch verdeutlichen, dass Forschung ein kontinuierlicher, konzertierter Prozess ist, der auf Fakten aufbaut“, erläutert Ben Thuy: „Die Veröffentlichung des gemeinsam gesuchten Namen für die neue Fossil-Art erfolgt nach allen Regeln der wissenschaftlichen Kunst. Das bedeutet konkret, dass wir nach Bekanntgabe des ausgewählten Namens laufend den Stand des Publikationsprozesses kommunizieren – und somit das Publikum live am transparenten, strukturierten Prozess des wissenschaftlichen Publizierens teilhaben lassen. Dieser Prozess wird auf diesem Wege ganz bewusst als Gegenkonzept zu emotionalen Schnellschüssen mit Fakenews-Potenzial vermittelt.“

Autor: Sven Hauser
Foto: MNHN

Crossover: Das Begleitprogramm zu Rock Fossils

Rock Fossils legt auch beim Begleitprogramm Wert auf einen ausgewogenen Crossover aus vielen Elementen. So steht bereits am 5. Juli ein Science Slam in deutscher Sprache an, gefolgt am 6. Juli bzw. am 10 Juli von zwei Heavy Metal-Konzerten. Ein weiteres Highlight ist am 15. Juli der Vortrag von Mark Benecke zu „Fäulnis vor der Fossilisation“, und im August lautet das Motto zweimal: „How to find a Rock Fossil“.

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