In Großbritannien sollen einem Gerichtsurteil zufolge Ärzte künftig darüber entscheiden können, ob Kinder unter 16 Jahren mit dem Wunsch einer Geschlechtsumwandlung pubertätsblockierende Medikamente erhalten dürfen. Sollten die Ärzte der Meinung sein, dass die Heranwachsenden zu einer solchen Behandlung in der Lage sind, dürften entsprechende Medikamente für diese Altersgruppe verabreicht werden, urteilte das Londoner Berufungsgericht am Freitag.

Damit hob das Gericht eine Entscheidung der Vorinstanz auf. In dem Urteil aus dem vergangenen Jahr war darauf verwiesen worden, dass es "äußerst unwahrscheinlich" sei, dass etwa ein Kind unter 13 Jahren in der Lage sei, der Verabreichung pubertätsblockierender Medikamente zuzustimmen. Es sei ebenfalls "äußerst zweifelhaft", dass ein Kind von 14 oder 15 Jahren die langfristigen Konsequenzen begreifen könne. Nach dem Urteil vom Freitag soll die Entscheidung nun den Ärzten überlassen werden, ob die Patienten zu einer Zustimmung in der Lage sind.

Befürworter der Maßnahme argumentieren, dass die künstliche Verschiebung der Pubertät jungen Menschen die Möglichkeit gebe, ihre Optionen abzuwägen, ohne bereits mit körperlichen Veränderungen konfrontiert zu sein. Mediziner fürchten dagegen langfristigere Folgen etwa für die Fruchtbarkeit oder die Knochendichte. Die Studien dazu sind bislang allerdings rar.