Durch die Corona-Lockdowns im vergangenen Jahr ist die Ozonmenge in der erdnäheren Atmosphäre der Nordhalbkugel deutlich gesunken. Der Rückgang in der sogenannten Troposphäre betrug im Frühjahr und Sommer 2020 im Schnitt sieben Prozent, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Mittwoch in Offenbach unter Verweis auf eine Studie unter eigener Federführung mitteilte. Dies war demnach eine Folge des geringeren Verkehrsaufkommens.

Das giftige Ozon bildet sich durch chemische Prozesse unter der Einwirkung von Sonnenlicht aus Stickoxiden. Diese entstehen bei Verbrennungsprozessen, Hauptquellen sind die Motoren von Autos und Flugzeugen. Die Studie bezieht sich dabei auf die Ozonmenge in der sogenannten freien Troposphäre bis zu einer Höhe von zehn Kilometern. Sie befasst sich weder mit dem Ozongehalt direkt am Boden noch mit der sogenannten Ozonschicht in der Stratosphäre.

In Ballungszentren mit ihrer stark verschmutzten Luft nahm die Ozonmenge während der Lockdowns 2020 dagegen weltweit zu, wie der DWD ergänzte. Denn in verunreinigter Luft nahe an den Quellen für die Emissionen zerstört Stickoxid zunächst Ozon, hat also den gegenteiligen Effekt. Weniger Verkehr führte daher zu mehr Ozon.

In die DWD-Analyse, die in der Fachzeitschrift "Geophysical Research Letters" erschien, flossen Messdaten von 45 Stationen weltweit ein. Ozon ist ein wichtiges sogenanntes Spurengas in der Atmosphäre. In der Troposphäre wirkt es als Treibhausgas, nahe am Boden kann es Atemwege von Lebenswesen sowie Pflanzen beschädigen.

In der Stratosphäre in Höhen von zehn bis 50 Kilometern wirkt Ozon dagegen als natürlicher Sonnenfilter, der lebensfeindliche UV-Strahlung von der Sonne fast vollständig reflektiert. Dort in der sogenannten Ozonschicht befinden sich 90 Prozent des Gases.