Eine bei Bauarbeiten entdeckte historische Latrine aus dem 14. Jahrhundert soll in Berlin für die Öffentlichkeit erhalten bleiben. Das auf der zentral gelegenen Fischerinsel gefundene Bauwerk solle am Mittwoch mit einem Schwerlastkran vom Originalfundort abtransportiert werden, erklärte die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa am Montag. Die Latrine war im Jahr 2016 bei archäologischen Ausgrabungen entdeckt worden und soll künftig in einem nahen Park ausgestellt werden.

"Damit diese wichtigen Zeugnisse der Geschichte nicht ungesehen zerstört werden, müssen sie rechtzeitig vor Baubeginn sorgfältig dokumentiert und die Funde geborgen werden", erklärte der Berliner Landeskonservator Christoph Rauhut. "Dass ein ganzes Bauteil – in diesem Fall eine komplette Latrine – erhalten wird, ist eine Besonderheit." Vor der Umsetzung wurde das Bauwerk von Restauratoren vorbereitet. So wurden beispielsweise der Mörtel des Gemäuers gefestigt, Risse verfugt und die Latrine stabil verpackt.

Die archäologische Untersuchung im Jahr 2016 wurde im Vorfeld eines Großbauprojekts auf der historischen Fischerinsel vorgenommen. Dort sollen 210 Mietwohnungen, Gastronomie, Läden und eine Kita entstehen. Die Fischerinsel war eine der mittelalterlichen Keimzellen der Stadt Berlin. In knapp fünf Metern Tiefe wurden Fundamente, Keller von Gebäuden sowie Hof- und Wegbefestigungen gefunden. Die ältesten Spuren gehen bis in die Stadtgründungszeit um das Jahr 1200 zurück.