Zur Führungskraft wird Forschern zufolge niemand geboren. Führungspersönlichkeiten wachsen vielmehr Stück für Stück in ihre neue Rolle hinein – und zwar schon lange bevor sie diese überhaupt antreten, wie die Humboldt-Universität Berlin am Freitag mitteilte. Psychologinnen werteten für ihre vergleichende Analyse Daten von knapp 2700 angehenden Führungskräften und 33.700 Berufstätigen ohne Führungsposition aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) aus, einer bevölkerungsrepräsentativen Langzeitstudie aus Deutschland.

Künftige Führungskräfte unterschieden sich demnach deutlich von Berufstätigen, die später keine führende Position übernahmen. Schon in den Jahren vor dem Sprung in die Chefetage waren sie extrovertierter, offener, emotional stabiler, gewissenhafter und eher bereit, Risiken einzugehen, fanden die Forscherinnen heraus. Außerdem glaubten sie stärker daran, das eigene Leben beeinflussen zu können, und sie schenkten anderen mehr Vertrauen.

Bereits in den fünf Jahren vor dem beruflichen Aufstieg begann sich die Persönlichkeit kontinuierlich zu wandeln und Charaktermerkmale wie Offenheit und Risikobereitschaft prägten sich aus. Nach dem Karrieresprung entwickelten sich der Studie zufolge diese Merkmale wieder zu ihrem Ausgangsniveau zurück, dafür nahm das Selbstwertgefühl langfristig zu.