Mit Blick auf den aktuellen Sonderbericht des Weltklimarats IPCC rufen Umwelt- und Entwicklungsorganisationen zu größeren Anstrengungen beim Klimaschutz auf. Der Bericht zeige: "Es geht um jedes Zehntel, ja sogar jedes Hundertstel Grad vermiedene Erwärmung", erklärte der Politische Geschäftsführer von Germanwatch, Christoph Bals, am Montag in Bonn. Schon ab einer Erwärmung von 1,5 Grad könnten Prozesse angestoßen werden, die nicht mehr unumkehrbar seien, warnte Bals.

"Zugleich steigen die volkswirtschaftlichen Kosten der Folgen des Klimawandels bei einer Erwärmung über 1,5 Grad rapide", erklärte der Germanwatch-Geschäftsführer weiter. Die Präsidentin des evangelischen Entwicklungswerks Brot für die Welt, Cornelia Füllkrug-Weitzel, wies in der gemeinsamen Erklärung mit Germanwatch darauf hin, dass sich auch "klimabedingte Migration und Vertreibung bei einer Erwärmung von 1,5 Grad – und umso mehr bei 2 Grad Erwärmung - verstärken werden".

Beide Organisationen leiteten aus dem IPCC-Bericht die Verpflichtung für die Industrieländer ab, "dass der sozialverträgliche Ausstieg aus der Kohle bis ungefähr 2030 vollzogen werden muss, aus den übrigen fossilen Energieträgern wie Öl und Gas möglichst bis zirka 2040". Dies sei "dank der rapiden Entwicklung bei erneuerbaren Energien technisch möglich und auch ökonomisch sinnvoll", erklärte Bals dazu weiter.

Der Sonderbericht des Weltklimarats zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad verglichen mit dem vorindustriellen Niveau war am frühen Morgen im südkoreanischen Incheon veröffentlicht worden. Die Wissenschaftler fordern darin "schnelle, weitreichende und beispiellose Änderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen", um dieses im Pariser Klimaschutzabkommen festgelegte Ziel noch zu erreichen. Auch sie warnen andernfalls vor dramatischen Folgen für das Leben auf der Erde.