“Die Schönheit der Wissenschaft”: Doktorand Hossam Elanzeery über sein Treffen mit 29 Nobelpreisträgern der Physik

29.08.16

Université du Luxembourg
FNR
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“Educate – inspire – connect” ist das Motto der Lindau Nobel Laureate Meetings, bei dem die Weltelite der Forschung mit talentierten Nachwuchswissenschaftlern zusammentrifft.

“Seit meiner Kindheit träume ich davon, eines Tages einen Nobelpreis zu gewinnen. Das Treffen hat mich diesem Traum einen Schritt näher gebracht“, antwortet Hossam Elanzeery auf unsere Frage was ihn dazu motiviert habe sich für das Lindau Nobel Laureate Meeting 2016 zu bewerben. Der sympathische junge Physiker aus Ägypten macht gerade seine Doktorarbeit über Solarzellen an der Uni Luxemburg. Er war der einzige Teilnehmer aus Luxemburg, der bei dem jährlichen Treffen mit Nobelpreisträgern in Lindau am Bodensee 5 Tage mit 29 Nobelpreisträgern und über 400 anderen jungen Wissenschaftlern aus 80 verschiedenen Ländern verbringen durfte. Er erzählt science.lu von seiner Erfahrung. 

Hossam, erzähl uns von deinen Erlebnissen in Lindau.

Ich habe diese unschätzbare Gelegenheit wirklich genossen. Während des Treffens konnte ich Wissen, Wissenschaft, Ideen, Erfahrungen und Kulturen mit Nobelpreisträgern, jungen Forschern und inspirierenden Partnern aus Akademie und Industrie teilen. Ich habe hier wirklich die Schönheit der Wissenschaft gesehen: Menschen, die Spass an dem haben was sie tun, die niemals aufgeben, und immer ihrem Traum folgen.

Was stand denn konkret auf dem Programm?

Es gab Vorlesungen und Diskussionsrunden, z.B. über Quantenphysik und Energie. Es gab "Science Breakfasts", bei denen Partner aus de Akademie und Industrie Vorträge hielten. Dann gab es Master Classes, bei denen Nachwuchswissenschaftler die Gelegenheit hatten, eine Dikussion unter Betreuung eines erfahrenen Wissenschaftlers zu leiten. Und schlussendlich gibt es auch einen Blog, für den ich auch einen Beitrag über ägyptische Entdeckungen und ihren Zusammenhang mit meiner Forschung über Solarenergie geschrieben habe.

Welchen Eindruck machten die Nobelpreisträger auf dich?

Es sind normale Menschen die sehr schlau mit dem umgehen, was in ihnen steckt. Sie wollen zum Wohle der Gesellschaft beitragen aber gleichzeitig Spass an ihrer Arbeit haben.  Ein Nobelpreisträger, William Phillips, war besonders beeindruckend – er war immer von mindestens 10 Studenten umrundet und hat seine gesamte Lebenserfahrung mit uns geteilt.

Was war das Interessanteste daran?

Am interessantesten fand ich den Teil über Misserfolge. Manche Nobelpreisträger haben 20 Jahre lang „versagt“. Das soll nicht heissen, dass sie während 20 Jahre nicht erfolgreich waren; sie haben immer Dinge parallel getan, die positive Ergebnisse geliefert und den Weg zum Erfolg vorbereitet haben. Viele haben während vielen Jahren einen Traum verfolgt – und niemals aufgegeben.

Welche Möglichkeiten und Inspirationen hat dir das Treffen gebracht?

Ich habe viele junge Wissenschaftler in meinem Gebiet kennengelernt und vielleicht werden wir un Zukunft zusammen arbeiten. Es gibt eine Initiative mit der Bosch Stiftung in Deutschland für ein gemeinsames Projekt zwischen den Solarenergie- und Automobilbranchen, eine Zusammenarbeit um Uni und Industrie zusammenzuführen.

Was Inspiration betrifft, so hat ein Nobelpreisträger, Hiroshi Amano, mir ziemlich lange zugehört und viele Ideen für meine Doktorarbeit geliefert. Aber die Inspiration des Treffens geht über mein Forschungsprojekt hinaus. Ich glaube, dass in jedem von uns ein Nobelpreisträger steckt. Jeder will gewisse Dinge im Leben erreichen und zur Gesellschaft beitragen. Der Schlüssel liegt darin, die Welt positiv zu betrachten, zu versuchen sich selber besser zu verstehen, all seine Fähigkeiten zu entdecken und sie dann zu nutzen um seinen Traum zu erfüllen und der Gesellschaft zu dienen.

Und wann können wir ein Bild von dir mit einer Nobelpreismedaille erwarten?

Ich habe bereits eins! Einer der Nobelpreisträger (Klaus von Klitzing, Physik 1995) begann seinen Vortrag so: „Wie bekommt man einen Nobelpreis? Nun, das ist ganz einfach, ich habe meine Medaille mitgebracht, ihr könnt sie gerne mal in der Hand halten!“

Interview: Michèle Weber (FNR)
Photos 
© Hossam Elanzeery & Lindau Nobel Laureate Meeting 

Das nächste Lindau Nobel Laureate Meeting findet im Sommer 2017 (25-30 Juni) statt und wird der Chemie gewidmet sein. Weiterhin findet 2017 auch die 6. Lindau Tagung der Wirtschaftswissenschaften (22-26 August) statt. Wie jedes Jahr unterstützt der Fonds National de la Recherche (FNR) die Teilnahme von 1-2 Kandidaten aus Luxemburg (Master oder PhD-Studenten, Postdoc) an diesen Treffen. Ein Aufruf für Bewerbungen wird im Herbst 2016 über die Internetseite des FNR gestartet.

 

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Infobox

Mehr zu Hossam und seiner Forschung

Hossam Elanzeery ist zur Zeit im 2. Jahr seiner Doktorarbeit in Prof. Susanne Siebentritt’s Photovoltaik Labor an der Uni Luxemburg. Er stellt Solarzellen her, die auf einem dünnen Film aus Kupfer, Indium, Gallium und Selenium basieren. Diese haben bereits höhere elektrische Wirkungsgrade und das Potenzial günstiger zu werden als herkömmliche Silkon-Solarzellen. Nach Studien in der Elektronik in Malaysia und Ägypten arbeitete Hossam zum ersten Mal während seines Masterstudiums an Solarzellen, und zwar am IMEC in Belgien. Dort brach er den Weltrekord im Wirkungsgrad der Solarzellen. Sein persönliches Ziel: diesen Rekord immer wieder brechen und so helfen den Gebrauch einer nachhaltigeren Energiequelle in der Gesellschaft zu verbreiten. Er ist bereits Autor und Co-author von 14 wissenschaftlichen Publikationen und 3 Patenten.

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