Gang-Freezing – Wenn Parkinson-Patienten wie versteinert sind

10.04.17

CHLDiesen Artikel drucken

Klinische Studie am CHL testet neue kombinierte Tiefe Hirnstimulation gegen Gehblockaden bei Parkinsonpatienten.

Neurowissenschaftlern ist es rezent gelungen eine neue „kombinierte Tiefen Hirnstimulation“ zu entwickeln, welche die bis dahin kaum zu kontrollierenden auftretenden Gehblockaden beim Parkinsonpatienten verbessern soll. Eine aktuell u.a. am CHL durchgeführte multizentrische Studie überprüft nun dieses neuartige Verfahren gegen das sogenannte "Gang-Freezing".

Gang-Freezing tritt typischerweise im fortgeschrittenen Stadium der Parkinson-Krankheit auf und betrifft zirka 60%-80% aller Patienten. Dieses Einfrieren war bisher weder mit den klassischen Medikamenten noch mit der typischen Hirnstimulation (THS) gut behandelbar und führt zu zunehmenden Einschränkung der Lebensqualität der Betroffenen mit gefährlichen Stürzen.

Eine neue Therapie gegen diese Blockaden ist für Betroffene daher von großer Bedeutung. Eine an der Universität Tübingen durchgeführte Pilot-Studie aus dem Jahr 2013 mit 12 Patienten konnte mit der neuen „kombinierten Hirnstimulation“ eine Besserung des Gang-Freezings um ca. 40% Prozent im Vergleich zur bisherigen bestmöglichen Therapie feststellen. Auch die Lebensqualität der Probanden besserte sich nach drei Wochen durch die verbesserte Mobilität bereits leicht.

Aktuelle klinische Studie überprüft neue Methode gegen Gangblockaden – Das CHL beteiligt sich

Eine neue Multizentrumstudie, an der bekannte Parkinsonforschungszentren unter anderem aus Tübingen, München, Hamburg, Leipzig, Regensburg, sowie Luxemburg Hand in Hand zusammenarbeiten, soll nun unter anderem die Ergebnisse der Pilot-Studie überprüfen.

Professor Dr. med. Rejko Krüger, Neurologe am Centre Hospitalier de Luxembourg (CHL) und Forschungsgruppenleiter am Luxembourg Centre for Systems Biomedicine (LCSB) der Universität Luxemburg, erklärt weitere Schwerpunkte dieser neuen Therapiemöglichkeit: “Bislang konnten wir an einer kleinen Patienten-Gruppe zeigen, dass diese signifikant von der neuen Therapiemöglichkeit profitiert. Damit dies Eingang in die allgemeinen Therapie-Empfehlungen finden kann, müssen wir im nächsten Schritt nachweisen, dass dieses erfolgsversprechende Ergebnis bei einer großen Anzahl von Patienten an verschiedenen Orten in Deutschland und Luxembourg bestätigt werden kann.“

In die aktuelle Studie werden daher insgesamt 54 Parkinson-Patienten mit Gangblockaden eingeschlossen. Das parallele Gruppendesign sieht vor, dass bei der einen Hälfte der Probanden die Therapie der kombinierten Hirnstimulation eingesetzt wird, während die anderen mit der bestmöglichen klassischen Therapieform behandelt werden. Hiermit soll wissenschaftlich die erwartete Überlegenheit der neuen Therapieform bewiesen werden.

Studie wegweisend für die zukünftige Behandlung von Parkinson Patienten mit Gangblockaden

“Die Ergebnisse dieser Studie sind für uns von sehr großer Bedeutung. Sie sind wegweisend für die zukünftige Behandlung von Parkinson-Patienten mit Gangblockaden mittels Tiefer Hirnstimulation, für die wir zurzeit noch nicht über zufriedenstellende Therapieformen verfügen“, erklärt Dr. Frank Hertel, Neurochirurg am CHL und Leiter des Zentrum für Tiefe Hirnstimulation Luxemburg, zur aktuellen Studie: “Obwohl die THS schon lange eine gut wirksame Therapieform ist, sehen wir Potential zur weiteren Verbesserung für unsere Patienten.“ Daher forschen die beiden Ärzte in Zusammenarbeit mit dem LCSB und der Fachhochschule Trier darüberhinaus an weiteren Optimierungen, um unseren Patienten die bestmögliche Therapie auf neuestem Forschungsstand anbieten zu können. Diese neuen Forschungsansätzen gilt es in den kommenden Jahren nachzugehen.

Wichtig für Luxemburg und seine Patienten

Laut Krüger habe sich das nationale Exzellenzzentrum für Parkinsonforschung „NCER-PD“ mittlerweile international einen vortrefflichen Ruf erworben, wodurch Luxemburger Parkinson-Forscher immer häufiger in hochrangige internationale Studien mit eingebunden werden. “Dies ist ein ganz zentrales Ziel unserer Arbeit, da die Patienten in Luxembourg möglichst unmittelbar von den Forschungsinitiativen profitieren sollen. Als Beispiel, in die aktuelle randomisierte klinische Studie werden sieben luxemburgische Patienten mit eingeschlossen“, unterstreicht Professor Dr. med. Rejko Krüger die Bedeutung für Luxemburg: “Somit können wir die Ergebnisse dieser Studien anhand neuer Therapiekonzepte schnellstmöglich unseren anderen Patienten zu Gute kommen lassen“.

Autor: NCER-PD
Photo: 
NCER-PD

Auch in dieser Rubrik

Lymphatische Leukämie: Erfolgreicher Angriff auf die Krebszellen

15.05.18 Mit einer präklinischen Studie konnten Wissenschaftler des Luxembourg Institute of Health neue Erkenntnisse über die Behandlung von Leukämie gewinnen. > Ganzen Artikel lesen

Start am US-Forschungsinstitut: Zwischen Neugierde und Distanziertheit

10.05.18 Rudi Balling, Direktor des Luxembourg Centre for Systems Biomedicine, berichtet von seinem 6-monatigen Forschungsaufenthalt am Scripps-Institut in Kaliforni...> Ganzen Artikel lesen

Schmerzforschung: Wer ist schmerzempfindlicher - Männer oder Frauen?

03.05.18 Es heißt oft, Männer könnten schon allein deshalb keine Kinder zur Welt bringen, weil sie dafür viel zu wehleidig seien. Doch stimmt das wirklich? > Ganzen Artikel lesen

Forschungsaufenthalt in den USA: Super-size in San Diego

25.04.18 Rudi Balling, Direktor des Luxembourg Centre for Systems Biomedicine, berichtet von seinem 6-monatigen Forschungsaufenthalt am Scripps-Institut in Kaliforni...> Ganzen Artikel lesen

Von der Forschungsidee zum Medikament: Am LIH werden abwehranregende Wirkstoffe gegen Krebs entwickelt

24.04.18 Innovative Moleküle, die von körpereigenen Immunstoffen abgeleitet erzeugt wurden, können sich selektiv an Krebszellen binden und deren Zerstörung veranlass...> Ganzen Artikel lesen

Verwandte Themen