Krebsforschung: Durch Strahlentherapie auch Metastasen mit behandeln?

23.09.16

Fondation Cancer
LIH
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Die Interaktion von Strahlentherapie und Immunsystem spielt bei der Behandlung von Krebs eine entscheidende Rolle.

Bei der Behandlung von Krebs mit gezielter Bestrahlung eines Tumors, kann bei einer hohen Strahlendosis pro Sitzung ein faszinierendes Phänomen auftreten: der sogenannte „abskopale Effekt“. Nicht nur der Tumor an der bestrahlten Stelle spricht auf die Behandlung an, sondern auch Tumore an nicht behandelten Stellen, z.B. Metastasen.

Dieses seltene Phänomen zu wiederholen wäre bei Krebs mit Bildung von Metastasen von besonderer Bedeutung: hier haben sich Krebszellen vom ursprünglichen Tumor gelöst und sind in andere Organe gewandert, um dort Mikrometastasen (neue kleine Tumore) zu bilden. Der "Nebeneffekt" der lokalen Bestrahlung könnte die Kontrolle dieser neuen Tumore ermöglichen, sowie eine Rückkehr von Krebs verhindern. Neue Forschungen haben gezeigt, dass dieses Phänomen durch das Immunsystem ausgelöst wird. Zellen des Immunsystems werden durch die Bestrahlung stimuliert und "attackieren" die Krebszellen im ganzen Körper. 

Die Suche nach der optimalen Dosis und Kombinationstherapie

Zahlreiche Fragen über die immununterstützende Wirkung der Strahlentherapie bleiben aber ungelöst: Was ist die optimale Dosis pro Sitzung? Sollten eine oder mehrere Bestrahlungssitzungen durchgeführt werden? Kann dieser abskopale Effekt unabhängig vom Sitz des bestrahlten Tumors erreicht werden?

Seit fünf Jahren erlebt auch die Immuntherapie weltweit einen enormen Aufschwung und erzeugt große Hoffnungen bei der Behandlung von Krebserkrankungen. Hier wird das körpereigene Immunsystem künstlich stimuliert, Krebszellen besser zu erkennen und gezielt zu bekämpfen - also im Prinzip ähnlich wie beim abskopalen Effekt der Strahlentherapie. Auch in diesem Zusammenhang ergeben sich Forschungsfragen: Sollte eine Immuntherapie vor, während oder nach der Bestrahlung verabreicht werden? Gibt es einen Nutzen bei einer Kombination mehrerer Immuntherapien mit der Radiotherapie? Und werden spezifische Nebenwirkungen beider Behandlungen durch eine Kombinationstherapie verstärkt?

Es scheint jedoch, dass die durch die Bestrahlung induzierte Immunantwort in einer zweiten Phase umschlägt und das Immunsystem plötzlich nicht mehr stimuliert sondern unterdrückt wird. Tatsächlich erwähnen Forschungsergebnisse einen Anstieg von sogenannten immunsuppressiven Zellen im Tumor, welche eine hemmende Aktivität besonders auf zytotoxische T-Zellen ausüben. Die zytotoxischen T-Zellen sind spezielle Immunzellen, die eine wichtige Rolle in der Eliminierung von Krebszellen durch das eigene Immunsystem spielen. Die Auswirkungen der Bestrahlung auf die Anti-Tumor-Immunantwort scheinen also zwischen Aktivierung und Hemmung zu schwingen. Weshalb, ist noch nicht gewusst. 

Fondation Cancer unterstützt Radiotherapeuten mit einem Stipendium für Forschung

Genau auf dieser Ebene wird die Forschung des Radiotherapeuten Dr. Jean-Philippe Nesseler ansetzen. Ziel ist es, die Auswirkungen ionisierender Strahlungen auf die oben genannten immunosuppressiven Zellen zu verstehen und deren Rollen in der Reaktion des Tumors und der Entzündung von gesundem Gewebe zu bestimmen. Ausserdem gilt es den Einfluss der Strahlendosis und Strahlenaufteilung zu bewerten und Wege zu erforschen, um diese immunsuppressiven Zellen zu blockieren und somit eine optimale Anti-Tumor-Immunantwort wiederherzustellen.

Dank seines von der Fondation Cancer erhaltenden Stipendiums für Forschungszwecke in Höhe von 122.160 Euro ist es dem jungen Radiotherapeuten möglich, die Interaktion zwischen der Radiotherapie und dem Immunsystem zu erforschen. Die zweijährige Arbeit wird ab Januar 2017 beim Department of Radiation Oncology der Universität von Kalifornien in Los Angeles (UCLA) durchgeführt. Das Projekt wird von Professor William H. McBride, langjähriger Leiter des Labors und internationaler Experte im Bereich der immun-modulierten Radiotherapie, geleitet und in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Radiotherapiezentrum und dem NORLUX Neuro-Oncology Labor des LIH realisiert. Hier wird der Wissenschaftler nach seiner Rückkehr aus den Vereinigten Staaten auch seine Arbeit weiterführen.

Autor: Fondation Cancer 
Photo :
 Dr Jean-Philippe Nesseler © Fondation Cancer

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Fondation Cancer

Gegründet 1994 in Luxemburg, setzt sich die Fondation Cancer seit über 20 Jahren im Kampf gegen den Krebs ein. Neben der Information über Prävention, Früherkennung und Leben mit der Krankheit stellt die Fondation Cancer Betroffenen und ihren Angehörigen mit ihrem psychosozialen Dienst eine wertvolle Hilfe zur Verfügung. Die Unterstützung von Forschungsprojekten rund um Krebs bildet die dritte Säule der Arbeit der Stiftung, die alljährlich das große Solidaritätsevent 'Relais pour la Vie' veranstaltet. Die Missionen der Stiftung werden zu fast 100 Prozent durch Spenden und Vermächtnisse finanziert. www.cancer.lu


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