Kunstmarkt: "Die spekulative Blase ist geplatzt"

07.06.17

Université du Luxembourg
Luxembourg School of Finance
Diesen Artikel drucken

Die Prognose eines Professors der Luxembourg School of Finance wurde bestätigt.

Der weltweit umfangreichste Preisindex für den Kunstmarkt, der von Prof. Dr. Roman Kräussl an der Luxembourg School of Finance der Universität Luxemburg entwickelt wurde, zeigt, dass die Preise für Nachkriegs- und Gegenwartskunst 2016 um 21 Prozent gefallen sind – seine Warnung vor einer Überhitzung des Kunstmarktes wird damit bestätigt.

Umsätze bei Kunstauktionen fielen 2016 um 29 Prozent

„Die spekulative Blase ist geplatzt“, so Prof. Dr. Kräussl, Experte für alternative Investments. Von 2009 bis 2015 hatten sich die Preise für Nachkriegs- und Gegenwartskunst mehr als verdoppelt und waren weit über ihren langfristigen Trendwert geklettert. In einer früheren, von Prof. Dr. Kräussl veröffentlichten Forschungsarbeit wurde davor gewarnt, dass der Kunstmarkt Anzeichen einer Überhitzung zeigt. Durch die Analyse von mehr als einer Million Daten aus Auktionen der letzten 36 Jahre, die die sechs wesentlichen Kunststilen umfasst, identifizierten Prof. Dr. Kräussl und sein Team einen Trend, der denen früherer spekulativer Blasen in den 1990ern und 2008/09 ähnelte.

Der neue Kunstmarktindex, den Prof. Dr. Kräussl für die deutsche Zeitschrift „manager magazin“ erstellt hat, scheint Prof. Dr. Kräussls frühere Warnungen zu bestätigen. Obwohl eine größere Anzahl an Gemälden verkauft wurde als im Vorjahr, fielen die Umsätze bei Kunstauktionen 2016 um 29 Prozent. Der durchschnittliche Preis pro versteigertem Werk stürzte von 160.000 auf 108.000 US-Dollar. Selbst die Werke von Nachkriegsstars wie Francis Bacon, Mark Rothko und Roy Lichtenstein verbilligten sich um 20 Prozent. Die Preise in anderen Kunstmarktsegmenten, von den Impressionisten und der Moderne bis zu den Alten Meistern, sanken ebenfalls deutlich.

Wird der Kunstmarkt sich 2017 erholen? 

„2016 war das Jahr des Kunst-Crashs“, resümiert Prof. Dr. Kräussl. „Preise in der Nähe des langfristigen Trendwerts sprechen dafür, dass sich der Kunstmarkt 2017 erholen wird“, fügt Kräussl jedoch hinzu. In der Tat wurde Jean-Michel Basquiats Gemälde „Untitled“ (1982) im Mai bei Sotheby’s in New York für 110,5 Millionen US-Dollar versteigert. Der vorherige Auktionsrekord des Künstlers lag bei 57,3 Millionen US-Dollar. 

Medienberichte von steigenden Kunstmärkten seinen aber verfrüht, so Prof. Dr. Kräussl. „Mehrere hochpreisige Kunstwerke wurden kurz vor ihrer Auktion zurückgezogen, da das Risiko bestand, dass sie sich nicht verkaufen werden“, erklärt der Forscher. Eine Erholung nach der tiefgreifenden Korrektur im Kunstmarkt letztes Jahr zeichnet sich zwar aber, aber Renditen werden zunächst flach bleiben. „Man sollte einen Basquiat kaufen, wenn er einem gefällt,“ sagt Prof. Dr. Kräussl, „aber nicht ausschließlich zur Vermögensbildung.“

Daten von über fünf Millionen Verkäufen von mehr als 700 Aktionshäusern

Als Grundlage des manager magazin-Preisindex für den Kunstmarkt dienen die Daten von über fünf Millionen Verkäufen von mehr als 700 Auktionshäusern. Der häufig zitierte Sotheby’s Mei Moses Kunstindex erfasst im Vergleich gerade einmal gut 45 000 Daten. Andere Kunstmarktreports enthalten kaum Preisangaben und beruhen teils auf nicht überprüfbaren Umfragedaten von Galeristen. In dem Kunstmarktbericht der TEFAF wurde beispielsweise ein Preisrückgang von 8,6 Prozent für den gesamten Kunstmarkt im Jahr 2016, aber ein Preisanstieg von 4 Prozent bei Nachkriegs- und Gegenwartskunst angegeben. Dies widerspricht dem bei öffentlich verfügbaren Auktionspreisen zu beobachtenden Rückgang.

Das Berechnungsverfahren für den mm-Kunstindex wurde in führenden wissenschaftlichen Zeitschriften wie der Review of Financial Studies und dem Journal of Empirical Finance veröffentlicht.

Antrittsvorlesung "The True Value of Art" am 15. Juni 2017

Prof. Dr. Kräussl wird am 15. Juni 2017 um 18h00 seine Antrittsvorlesung zum Thema „The True Value of Art“ halten, zusammen mit Luxembourg School of Finance Professor Ulf von Lilienfeld-Toal, der zum Thema „What finance research can do for society? Real estate and evidence-based policy advice“ sprechen wird. Die Vorlesungen finden im Weicker Gebäude (Raum B001), der Universität Luxemburg, 4 rue Alphonse Weicker, Luxemburg-Kirchberg statt. Um Anmeldung per E-Mail an lsf-events@uni.lu bis zum 13. Juni wird gebeten.

Autor: Universität Luxemburg
Redakteur: Michèle Weber (FNR)
Foto: shotshop.com

 

Diaporama

Auch in dieser Rubrik

Innovationen für den Finanzsektor: Portrait einer Forscherin an der Luxembourg School of Finance

17.08.17 Soll man sich in schlechten Zeiten aus dem Markt zurückziehen oder sich weiter international diversifizieren? Eine Frage, die nicht nur viele Investoren und...> Ganzen Artikel lesen

Meet the Scientists: Olga Kiuila, Economist

08.08.17 Mit mathematischen Modellen die Wirtschaftsentwicklung voraussagen: Wie erstellt man statistische Wirtschaftsmodelle? Und wie viel Detail sollte sein? > Ganzen Artikel lesen

Erst-, Zweit- oder doch Fremdsprache – Als was wird Deutsch an den Luxemburger Schulen eigentlich unterrichtet?

20.07.17 Bereits bei der Alphabetisierung werden luxemburgische Schüler mit Deutsch konfrontiert. Erstsprache ist es deshalb aber nicht. Oder vielleicht doch? > Ganzen Artikel lesen

Stress & Health: How a stressful childhood can cause disease

20.07.17 The fact that stress can cause psychological problems is well-known. Much less known, however, is that stressful experiences in childhood can have a lifelon...> Ganzen Artikel lesen

Attachment between parents and children: From the cradle to… parenthood

20.07.17 The attachment bond between parents and their children plays a major role in the socio-emotional development in infancy and has a major impact on future rel...> Ganzen Artikel lesen

Verwandte Themen