Nachtcafés für Demenz-Patienten

21.09.15

Uni LuxembourgDiesen Artikel drucken

Wie kann der Umgang mit der Krankheit Demenz verbessert werden? Anja Leist empfiehlt: Tanz- und Singkurse, Skype-Coach und ein weltweites Symbol.

„In New York gibt es vielerorts Nachtcafés für Menschen mit Demenz. Die Patienten werden von Bussen zur Nachtpflege abgeholt und können dort zum Beispiel an Tanz- oder Singkursen teilnehmen“, berichtet Anja Leist, eine junge Psychologin an der Uni Luxemburg, die einer Gruppe junger Demenz-Forscher namens „Young Leaders Dementia“ angehört.

Die Nachtcafés stellen eine große Entlastung für pflegende Angehörigen dar, die neben der Betreuung tagsüber oft auch noch die Nachtschicht übernehmen müssten, um aufzupassen, dass die Betroffenen bedingt durch ihren verschobenen Tag-Nacht-Rhythmus das Haus nachts nicht verlassen würden.  

Coach hilft bei Skypen

Eine weitere Empfehlung der „Young Leaders Dementia“ lautet, den Umgang mit mobilen Technologien für Menschen mit Demenz zu verbessern. „Darunter verstehen wir die einfache Bedienmöglichkeit von Medien, wie zum Beispiel Tablet-PCs. Man könnte sich also vorstellen, dass eine spezielle Software es möglich macht, dass den Betroffenen ein virtueller Coach zur Seite steht, wenn sie skypen wollen“, erklärt Leist.

Weltweites Symbol für demenzfreundliche Produkte und Dienstleistungen

Anja Leist ist eine der sechs ausgewählten „Young Leaders Dementia“, die an der WHO-Ministerkonferenz teilnehmen durften, die unter dem Titel „Global Action Against Dementia“ am 16. und 17. März 2015 in Genf stattfand und bei der die weltweit steigende Zahl von Demenzbetroffenen im Fokus stand.

Nach wie vor ist die fehlende Akzeptanz ein Problem für Menschen, die an Demenz leiden. „Auch wenn die meisten wissen, was Demenz ist, werden Betroffene stigmatisiert und nicht selten zum Beispiel aus ihrem Beruf herausgedrängt“, erklärt Leist. U.a. daher sprachen die jungen Forscher auch die Empfehlung aus, ein weltweites Symbol für demenzfreundliche Produkte und Dienstleistungen einzuführen.

„Das Symbol soll für Produkte oder Dienstleistungen stehen, die von der Bemühung getragen sind, Menschen mit Demenz das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten“, erklärt die 34-Jährige, die dem Netzwerk angehört. In Bezug auf Produkte könne das Symbol zum Beispiel bedeuten, dass eine spezielle Beschilderung für die Betroffenen vorhanden sei. In Bezug auf Dienstleistungen könne sich das Symbol zum Beispiel auf die spezielle Schulung des Personals des öffentlichen Personen-/Nahverkehrs beziehen, was zu tun sei, wenn Demenzkranke die Orientierung verloren hätten.

Globale Handlung für eine steigende Anzahl Betroffene

Weltweit sind 47,5 Millionen Menschen von Demenz betroffen. Schätzungen zufolge wird sich die Zahl bis 2030 auf 75,6 Millionen und bis 2050 auf 135,5 Millionen erhöhen.

Laut Gesundheitsministerium sind in Luxemburg zur Zeit zirka 6000 Menschen von Demenz betroffen. Man geht davon aus, dass diese Zahl bis 2025 auf rund 8500 steigen wird. Die „Association Luxembourg Alzheimer“ (ala) schätzt die aktuelle Zahl sogar auf etwa 7000 Betroffene.

Autor: Martina Folscheid
Foto © Martina Folscheid

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Infobox

Demenz

Bei Demenz handelt es sich um ein Syndrom, das eine Beeinträchtigung der kognitiven, sprich: der geistigen Funktionen zur Folge hat. Es betrifft unter anderem das Erinnerungsvermögen, den Vorgang des Denkens, die Fähigkeit, sich zu orientieren und die Urteilskompetenz. Demenz wird durch verschiedene Krankheiten und Verletzungen verursacht, die das Gehirn betreffen, wie beispielsweise Alzheimer oder ein Hirnschlag. Demenz tritt in den meisten Fällen erst in höherem Alter auf und ist bisher nicht heilbar.

Anja Leist erforscht Gesundheit im Alter

Global Action Against Dementia

Young Leaders Dementia

 

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