Vom Herd zur Laborbank: Wie ein amerikanischer Student über Australien nach Luxemburg kam

16.06.16

LCSB
University of Luxembourg
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Wer war in seinem Leben schon Koch, Biologe, Übersetzer, Unternehmer, Fotomodell und Forscher? Einblicke in das abenteuerliche Leben von Sean Sapcariu, Doktorand an der Universität Luxemburg. 

„My life has been crazy“ – Mein Leben war bisher verrückt: Mit diesen Worten eröffnet der gebürtige Amerikaner Sean Sapcariu das Interview. Und das ist keine amerikanische Übertreibung. Seit fast vier Jahren ist Sean an der Universität Luxemburg, zunächst als Masterstudent in der Biomedizin und nun als Doktorand am „Luxembourg Centre for Systems Biomedicine“ (LCSB) auf Campus Belval. Doch zu Beginn des Masters war er schon 27 Jahre alt. Und vorher? Koch… unter anderem.

Meeresbiologe, Koch, Manager, Schilehrer...

Nach seinem Bachelor in Meeresbiologie in Boston wollte der Nun-wieder-Forscher vor allem reisen – und kochen, seine Leidenschaft bis heute. „Ich habe alles ausprobiert“, lacht er, „ich war sowohl Küchenhilfe und Koch als auch Chef und Manager.“ Und zwar in Asia-Restaurants und Tapas-Buden wie in Edelküchen und sogar in der molekularen „Cuisine“.

Zwischendurch brachte Sean Kindern das Skifahren bei oder hütete Babies bei einem späteren Nobelpreisträger. Schließlich eröffnete er mit einem Freund bei Washington sein eigenes Restaurant mit einer bunt gemischten Karte seiner Erfahrungen. „Eine fantastische Zeit!“, erinnert sich Sean.

Kritischer Querdenker 

In Australien lernte er eine Luxemburgerin kennen - ihretwegen buchte der Küchenchef und Manager ein „One way ticket“ nach Europa, wo er ihr zunächst nach Heidelberg und dann nach Luxemburg folgte. „Gerne hätte ich in Deutschland ein Lokal geöffnet. Aber ohne offizielle Ausbildung war das unmöglich“, musste er enttäuscht feststellen. So entschied er sich, wieder zu studieren, und stieß auf den attraktiven Master der Universität Luxemburg. 

„Mit 30 zu studieren ist anders“, so seine erste Bilanz. Das hätten bestimmt auch seine Professoren bemerkt, amüsiert sich der Doktorand, der nicht zögert, Verbesserungsvorschläge zu äußern oder diese gleich selbst durchzuführen. Weil er schon während seines Masters beweisen konnte, dass ihm als kritischer Querdenker das Forschen besonders gut liegt, durfte er anschließend promovieren.

Doktorarbeit: Wie Zellen unter Stress "essen"

In seiner Doktorarbeit untersucht er nun, wie Zellen unter Stress „essen“ und dies in Energie umwandeln. Seine kulinarischen Erfahrungen entpuppten sich sogar als hilfreich: „Wenn du in der Küche ein Rezept umsetzen kannst, dann kannst du im Labor auch einem Protokoll folgen – nur  dass man das Ergebnis nicht essen kann.“

Auch hier in Luxemburg bescheren ihm Engagement, Neugier und Motivation einen besonders vollen Tag - mit Theatergruppe, Science Slam, Sport, Übersetzungen, Mithilfe bei Filmfestivals, Lehrtätigkeit oder Experimenten für Kinder... Alles sei „fun“ oder „very cool“, erzählt er voller Begeisterung.

Und was wird der Abenteurer nach der Promotion machen? „In meinen Leben habe ich noch nie so weit im Voraus geplant“, so der kreative Wissenschaftler. „Aber ich wäre bereit, in Luxemburg endlich sesshaft zu werden!“ 

Autor: Sophie Kolb im Auftrag der Uni Luxemburg
Photo: Uni Luxemburg

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