Von den Alpen bis zum Polarkreis: Wie sich Pflanzen an den Klimawandel anpassen und warum ich 15.000 km dafür fahren musste

07.07.16

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2 Monate mit Camper und Auto durch Europa, auf der Suche nach Wundklee: Laura Daco über harte Forscherarbeit, abgelegene Natur, Zweifel und Erleichterung.

Mein Name ist Laura Daco und ich bin Doktorandin am Nationalen Naturhistorischen Museum in Luxemburg. Der Sommer 2015 war für mich ein ganz Besonderer. Auf der Suche nach Pflanzen für meine Doktorarbeit war ich von Juli bis September unterwegs. Meine abenteuerliche Reise hat mich durch acht Länder geführt, von den Alpen bis zum Polarkreis, auf der Jagd nach Anthyllis vulneraria, auch Wundklee genannt.

Wie man den Klimawandel nachahmen kann

Das Klima spielt eine ausschlaggebende Rolle in der Verteilung der Pflanzen auf der Erde. Meine Studie über den Wundklee soll mir eine Antwort geben auf die wichtige Frage ob Pflanzen in den veränderten Bedingungen des Klimawandels überleben und sich anpassen können.
Wie ich das tue? Ich sammelte letzten Sommer Samen von Wundklee-Pflanzen von Mitteleuropa bis nach Skandinavien und in den Alpen von unten in den Tälern nach oben bis auf eine Höhe von 2500 m.  Später lasse ich diese Samen keimen und die jungen Pflanzen kommen in einen Garten in Luxemburg. Das luxemburgische Klima repräsentiert also - im Vergleich zu den klimatischen Bedingungen der alpinen oder nördlichen Populationen - ein wärmeres Klima, das den vorgesehenen Klimawandel nachahmt.

Auf der Suche nach dem Wundklee: Versteckspiel in den Alpen

Im Juli führte mich meine Reise zuerst in die Alpen nach Frankreich, Österreich und in die Schweiz um Pflanzen aus unterschiedlichen Höhenlagen zu sammeln. Manchmal konnte ich mit dem Auto ziemlich nah an einen Standort gelangen, manchmal musste ich zuerst durch die Berge wandern in der Hoffnung Wundklee zu erblicken. Eine Hitzewelle hatte Europa fest im Griff und es war ganz schön anstrengend bei 40°C nach einer Pflanze zu suchen, die sonnige und trockene Rasen bevorzugt. Oft kamen mir Zweifel, ob die harte Arbeit sich lohnen würde und ich genügend Pflanzenstandorte finden würde. Desto größer war meine Freude und Erleichterung, wenn ich nach stundenlangem Herumsuchen Wundklee in einer Wiese entdeckte.

Nach einem Monat in den Alpen und nach den ersten 6500 gefahrenen Kilometern, hatte ich meine Pflanzen aus den unterschiedlichen Höhenlagen eingesammelt und konnte mich für die nächste große Fahrt vorbereiten.

  

Mit dem Camper durch Skandinavien: Begegnung mit einem Elch

Im August startete meine Expedition zum Polarkreis. Um Wundkleepflanzen von unterschiedlichen Breitengraden zu sammeln fuhr ich mit einem Camper von Luxemburg quer durch Deutschland nach Dänemark, Schweden bis in den hohen Norden von Norwegen.
Meine Reise führte mich zu ungewöhnlichen und abgelegenen Orten, wo man als Tourist normalerweise nicht hinkommt. Ich reiste mit Fähren über die weitesten Fjorde, entlang idyllischer Seen und an einsame Strände, weit entfernt von der Zivilisation. Mein persönliches Highlight war eine Begegnung mit einem Elch auf einer endlosen Straße quer durch die Wälder Lapplands.

Die Endstation der Reise war Tromsø im Norden Norwegens. Die Erleichterung war groß als ich dort ankam und alles gut geklappt hatte. Ich hatte den Kofferraum voller Wundklee und das Notizbuch voll mit Daten. Nach insgesamt 15000 gefahrenen Kilometern, war ich endlich zurück in Luxemburg und konnte meine Proben auspacken. Ich hatte es geschafft, die Grundlage für meine Doktorarbeit zu legen und außerdem ein unglaubliches Abenteuer erlebt.

Klimawandel und Nachkommen

Gibt es in den gesammelten Populationen bereits Pflanzen, die an höhere Temperaturen angepasst sind? Werden sie sich nach dem Umzug nach Luxemburg anpassen können? Werden auch die nördlichsten Pflanzen im Garten überleben? Wird sich ihre Wuchsform ändern? Werden alpine und skandinavische Pflanzen unterschiedlich auf ihre neue Umgebung reagieren? Die Pflanzen im Luxemburger Garten werden uns 2017 die Antworten auf all diese Fragen liefern. Dann werde ich mich wieder hier auf science.lu melden. Bis dann,  Ihre Laura.

Autor: Laura Daco (MNHN)
Fotos: Laura Daco (MNHN)

 

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