Bluthochdruck in der luxemburgischen Bevölkerung: Unterschiede zwischen Norden und Süden

22.08.16

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Ein Drittel der Einwohner Luxemburgs haben hohen Blutdruck - ein Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen. Die Hälfte davon wissen nicht von ihrem Zustand.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die Haupttodesursache in Luxemburg, und Bluthochdruck ist einer der Risikofaktoren, die geändert werden können. Dr. Maria Ruiz-Castell der Epidemiology and Public Health Research Unit am Luxembourg Institute of Health (LIH) hat eine Studie über die Belastung durch Bluthochdruck in der luxemburgischen Bevölerung durchgeführt, und dabei geografische Unterschiede festgestellt.

Bluthochdruck am häufigsten im Südwesten des Landes beobachtet

Bemerkenswerterweise zeigt die Studie eine klaren Unterschied im Vorkommen von Bluthochdruck in den einzelnen Kantonen und Gemeinden des Landes. Am häufigsten wurde Bluthochdruck bei Leuten beobachtet, die im Südwesten des Landes wohnen, einer der am stärksten industrialisierten Gegenden Luxemburgs. 

Individuelle Risikofaktoren könnten diesem geografischen Muster zugrunde liegen. Höchstwahrscheinlich spielen sozio-ökonomische, demografische und kulturelle Unterschiede auch eine Rolle, sowie Umwelteinflüsse. Luftverschmutzung und Lärm z.B. wurden in vorherigen Studien mit einem Risiko für Bluthochdruck in Verbindung gebracht.

Bewusstsein und Kontrolle im Grossherzogtum nicht ausreichend

Im Rahmen der Studie wurden Daten von 1508 Einwohnern zwischen 25 und 64 aus Luxemburg analysiert. Die Daten stammen aus dem European Health Examination Survey, der zwischen 2013 und 2015 in Luxemburg durchgeführt wurde (EHES-Lux). Die Probe ist repräsentativ für die luxemburgische Bevölkerung in Bezug auf Geschlecht, Alter und Wohngebiet. Als Bluthochdruck wurde ein systolischer/diastolischer Blutdruck von ≥140/90 mmHg (14/9) definiert. 

Dr. Ruiz-Castell und ihre Kollegen stellten fest, dass 31% der Einwohner Luxemburgs hohen Blutdruck haben. Die Hälfte davon waren sich ihres Zustandes nicht bewusst, und unter denen, die davon wussten, wurde fast die Hälfte ungenügend überwacht. Die Studie zeigt somit, dass das Bewusstsein und die Kontrolle von Bluthochdruck in Luxemburg bei weitem nicht ausreichend ist. 

Finalistin für Preis bei internationaler Konferenz

Mit dieser Studie kam Dr Ruiz-Castell ins Finale für den Preis der jungen Wissenschaftler bei der internationalen EPI/Lifestyle Konferenz 2016 der American Heart Association (1.-4. März 2016 in Phoenix, Arizona, US). Dr Ruiz-Castell und vier weitere junge Forscher wurden für den “Sandra Daugherty Award for Excellence in Cardiovascular Disease or Hypertension Epidemiology” nominiert.

“Es ist eine Ehre dass unsere Arbeit in die engere Auswahl für diesen angesehenen Award kam. Es ist eine Anerkennung für die Arbeit, die das EHES-Lux Team geleistet hat“, sagt Dr Ruiz-Castell. Es sei hervorzuheben, dass Prof Saverio Stranges, Scientific Director der Abteilung Population Health des LIH, während der gleichen Konferenz zum International Fellow der American Heart Association ernannt wurde.

Autor: LIH
Bild: LIH  (Angezeigt wird zum einen das Restrisiko für Bluthochdruck in Kantonen (A) und Gemeinden (B): von gelb (kein Risiko) über grün (niedriges Risiko) bis rot (hohes Risiko); A1.1. und B1.1. = Männer und A1.2 und B1.2. = Frauen;  

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