In Sachsen-Anhalt sind erstmals Spuren von Lagern römischer Legionäre aus dem dritten Jahrhundert nach Christus nachgewiesen worden. Es handelt sich um die bislang nordöstlichsten römischen Lager im freien Germanien, wie das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie am Donnerstag in Halle an der Saale mitteilte. Das Amt sprach von einer "archäologischen Sensation".
Aus historischen Quellen sind mehrere Vorstöße römischer Legionen bis an die Elbe zur Abwehr der Bedrohung durch germanische Stämme ab dem dritten Jahrhundert nach Christus bekannt. Bislang fehlten vom Gebiet Sachsen-Anhalts jedoch Zeugnisse für diese Feldzüge, insbesondere Marschlager, die das römische Militär täglich nach Erreichen des Marschziels anlegte.
Römische Lager waren hochstandardisierte Anlagen. Die übliche rechteckige Lagerumwehrung besaß abgerundete Ecken. Von den Toren führten die rechtwinklig angelegten Lagerhauptstraßen ins Innere der Anlage. Am Kreuzungspunkt dieser Straßen lag das Stabsgebäude, die Principia. Ein charakteristisches Merkmal der Marschlager war außerdem ein den Tordurchlässen vorgelagertes Grabensegment mit Wall.
Anhand von Satellitenbildern und Luftbildern entdeckten Bodendenkmalpfleger in Sachsen-Anhalt seit 2020 vier potenzielle Marschlager - zwei in Aken im Landkreis Anhalt-Bitterfeld, eines in Deerheim im Landkreis Harz und ein weiteres bei Trabitz im Salzlandkreis. Geophysikalische Messungen und Ausgrabungen bestätigten die Funde.
Die Lager weisen demnach die typischen Grabenlinien auf. Metalldetektoren förderten mehr als 1500 Einzelobjekte zumeist aus Eisen zutage, wobei die Experten den Anteil an "modernem Material" als verhältnismäßig gering einschätzen. Unter den Fundstücken war eine hohe Zahl von Nägeln und Bolzen, auch Münzen wurden geborgen.
Die neu entdeckten römischen Marschlager versprechen nach Einschätzung des Landesamts "vollkommen neue Erkenntnisse zur Präsenz römischer Truppen im Mittelelbe-Saale-Gebiet".