Im Umweltbereich gibt es so viele schlechte Nachrichten: Klimakatastrophe, Biodiversitätsverlust, Umweltverschmutzung … Hat denn überhaupt noch irgendetwas einen Wert? 

Aber Moment mal, es gibt auch ermutigende Beispiele, wo Wissenschaft, Gesellschaft und Politik gemeinsam etwas erreicht haben. In unserer neusten Folge von „Ziel mir keng!“ zeigen wir fünf positive Nachrichten aus dem Umweltschutz auf.

„Ziel mir keng!“ wird nach dem „Wëssensmagazin Pisa“ auf RTL Tëlee ausgestrahlt. Du kannst Dir die Folgen aber auch auf RTL Play und auf dem YouTube-Kanal science.lu ansehen.

1. Der Europäische Biber ist wieder in Luxemburg heimisch!

Lange Zeit war der Europäische Biber in Europa weit verbreitet, doch gegen Mitte des 19. Jahrhunderts wurde er fast vollständig ausgerottet, hauptsächlich weil er intensiv gejagt wurde. 

Eine bedauerliche Entwicklung, denn der Biber spielt eine wichtige Rolle im Ökosystem. Er baut Dämme, gräbt Kanäle und fällt Bäume. Dadurch schafft er zahlreiche neue Lebensräume, unter anderem für Amphibien, Insekten oder Vögel. Außerdem trägt er dazu bei, Wasser besser in der Landschaft zurückzuhalten und Überschwemmungen vorzubeugen. Letztlich profitiert also auch der Mensch davon. 

1979 wurde der Biber durch die Berner Konvention in Europa unter Schutz gestellt. Danach ergriffen mehrere Länder weitere Maßnahmen. Unter anderem wurde der Biber mancherorts erfolgreich wieder angesiedelt.   So konnte sich der Europäische Biber in Europa wieder ausbreiten. 

Anfang der 2000er-Jahre tauchte er dann auch wieder in Luxemburg auf.  Laut einer Veröffentlichung der Naturverwaltung und des Naturmusée gab es im Winter 2022 bereits wieder 80 Biberpopulationen in Luxemburg. Und seit 2009 zählt er in Luxemburg als geschützte Art. 

Abbilldung 1: Präsenz des Europäischen Bibers in Luxemburg – Winter 2022.
Copyright: ANF/MNHN; Quelle: Europäische Biber in Luxemburg, 2022

Seine Rückkehr zeigt, dass sich lokal ausgestorbene Arten unter den richtigen Bedingungen wieder ansiedeln können. 

Ein weiteres interessantes Beispiel für ein Tier, das nach Luxemburg zurückgekehrt ist, ist der Wolf!

Kommen wir zur zweiten guten Nachricht: 

2. Der saure Regen, einst in den 70er- und 80er-Jahren ein großes Thema, ist heute kaum noch ein Problem.

Der sogenannte saure Regen wird vor allem durch Schwefeldioxid- und Stickoxidemissionen aus Industrie, Kraftwerken und Verkehr verursacht. Diese verbreiten sich über die Atmosphäre, werden dort bei Kontakt mit Wasser zu Säuren und gelangen anschließend in Form von Regen – genauer gesagt als „saurer Regen“ – wieder auf den Boden.

Der saure Regen belastet Wälder, Gewässer und Böden und schwächt ganze Ökosysteme, unter anderem weil er Pflanzen und Böden Nährstoffe entzieht. 

Doch glücklicherweise wurde gehandelt. Ab den 1980er-Jahren wurden in Europa schrittweise strengere Emissionsgrenzen eingeführt. Hinzu kamen technische Innovationen wie die Entschwefelung von Abgasen in Kraftwerken. Dadurch konnten zahlreiche Länder ihre Schwefeldioxid- und Stickoxidemissionen erheblich reduzieren. 

Abbildung 2: Schwefeldioxid-Emissionen in Deutschland nach Quellkategorien.
Copyright: FNR/science.lu/SKIN; Quelle: Umweltbundesamt Deutschland

Ein gutes Beispiel also dafür, was gemeinsames Handeln von Wissenschaft und Politik in vielen Ländern Positives bewirken kann. Heute spielt saurer Regen kaum noch eine negative Rolle für unsere Wälder. 

Mehr dazu in unserem Video über den Zustand unserer Wälder. 

Dennoch haben unsere Ökosysteme weiterhin mit einer Reihe von Problemen zu kämpfen, insbesondere mit dem Klimawandel. 

Wir befinden uns in einer regelrechten Klimakrise.

Um den Klimawandel einzudämmen, müssten wir sehr schnell deutlich weniger Kohlenstoffdioxid ausstoßen. Leider passiert jedoch genau das Gegenteil. Die Kohlenstoffdioxid-Emissionen steigen weltweit von Jahr zu Jahr,  vor allem in Asien, und hier insbesondere in China und Indien. 

Abbildung 3: Globale CO2-Emissionen in verschiedenen Regionen der Welt bis 2024.
Copyright: FNR/science.lu/SKIN; Quelle: Our World in Data. Datenquelle: Global Carbon Budget (2025) 

 

Dies liegt unter anderem daran, dass immer mehr Menschen auf unserem Planeten leben. Hier sieht man die Entwicklung der Weltbevölkerung und der weltweiten Kohlenstoffdioxid-Emissionen:

Abbildung 4: Entwicklung der globalen CO2-Emissionen (in Millionen Tonnen) und Bevölkerung (in Millionen).
Copyright: FNR/science.lu/SKIN; Quelle: Asad Ali Khan et al, 2023

Ein weiterer Grund ist der steigende Wohlstand. Hier sieht man die Entwicklung des weltweiten Wirtschaftswachstums im Vergleich zu den Kohlenstoffdioxid-Emissionen.  Je wohlhabender die Menschen sind, desto mehr konsumieren sie, desto höher ist ihr Energieverbrauch und desto mehr reisen sie.

Abbildung 5: Entwicklung der globalen CO2-Emissionen (in %) und des Bruttoinlandproduktes (BIP, in %) von 1990-2024.
Copyright: FNR/science.lu/SKIN; Quelle: UN Trade and Development Data, 2025. Basierend auf World Bank, 2025 und Global Carbon Budget, 2024

Ein echtes Dilemma! Der Kampf gegen die Armut ist eines der großen Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen. Eigentlich möchten wir ja, dass es den Menschen besser geht und dass zum Beispiel auch in Afrika noch mehr Menschen den Weg aus der Armut finden. 

Aber wenn Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum zu immer mehr Energieverbrauch und Kohlenstoffdioxid-Ausstoß führen, dann haben wir ein echtes Problem!  

 Doch auch hier gibt es Hoffnung …

3. In der Europäischen Union sanken die Kohlenstoffdioxid-Emissionen zwischen 1990 und 2023 um 35 %, obwohl Bevölkerung und Wirtschaft gewachsen sind.

In dieser Zeit stieg die Bevölkerung der EU von etwa 420 Millionen auf rund 448 Millionen Einwohner. 

Abbildung 6 : EU-Bevölkerung 1990-2025. Copyright: FNR/science.lu/SKIN; Quelle: Eurostat

 

Die Wirtschaft verzeichnete ein Wachstum von etwa 70 %. Dennoch sank der Kohlenstoffdioxid-Ausstoß. 

In der gesamten EU lag der Rückgang, wie erwähnt, bei 35 %. Dieser lässt sich in nahezu allen Ländern Europas beobachten. Selbst in den USA ist der Kohlenstoffdioxid-Ausstoß trotz eines starken Wirtschaftswachstums zumindest nicht gestiegen. 

Abbildung 7: Entwicklung der CO2 Emissionen (blau), konsumbasierten CO2-Emissionen (rot) und des BIP (grün) in der EU (unten rechts) und anderen Ländern. Copyright: FNR/science.lu/SKIN; Quelle: Our World in Data (2025). Datenquellen: Eurostat, OECD, IMF, and World Bank (2026); Global Carbon Budget (2025) 

Wie lässt sich das erklären? 

Das hängt unter anderem mit steigender Energieeffizienz zusammen, also mit besserer Technologie. In der Europäischen Union ist der Endenergieverbrauch seit 2006 trotz Wirtschafts- und Bevölkerungswachstums zurückgegangen

Abbildung 8: Endenergieverbrauch in der EU in Petajoule (PJ). Copyright: FNR/science.lu/SKIN; Quelle: Eurostat (2025)

Außerdem steigt der Anteil erneuerbarer Energien an der Energieproduktion kontinuierlich. Energie kann also mit immer geringerem Kohlenstoffdioxid-Ausstoß erzeugt werden.  In Europa stammten 2024 beispielsweise ganze 46,9 % des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen

Wirtschaftswachstum galt tatsächlich lange als Ursache für einen höheren Kohlenstoffdioxid-Ausstoß. In einigen wohlhabenden und technisch fortschrittlichen Ländern scheint dieser Zusammenhang inzwischen jedoch dank neuer Technologien nicht mehr zu bestehen.  

Dieses Beispiel zeigt, dass es noch Grund zur Hoffnung gibt. Der Kampf gegen den Klimawandel bleibt trotzdem eine gewaltige Herausforderung. 

Kommen wir zur nächsten positiven Nachricht!

4. Die Luft in Europa ist im Vergleich zu den 1970er- und 1980er-Jahren im Durchschnitt sauberer geworden.

Das liegt an eingeführten Grenzwerten und an technischen Entwicklungen wie Katalysatoren, Partikelfilter, sauberere Kraftstoffe und Filtersysteme in der Industrie. Für die Gesundheit ist das wichtig, weil Feinstaub und andere Schadstoffe sich direkt auf die Atmung und das Herz-Kreislauf-System auswirken. Zwar gibt es weiterhin Probleme, insbesondere an stark befahrenen Straßen, doch insgesamt geht der Trend in die richtige Richtung: Viele klassische Luftschadstoffe sind in Europa und in Luxemburg deutlich zurückgegangen.abb

Abbildung 9: Entwicklung der Konzentration von fünf Schadstoffen in der Luft in Luxemburg zwischen 1990 und 2024 (1990 = 100%).
Copyright: FNR/science.lu/SKIN; Quelle: Antwort auf eine parlamentarische Anfrage (2026)

Kommen wir zu unserer letzten guten Nachricht: 

5. Das Ozonloch schrumpft weiter und könnte bei uns bis 2040 wieder den Zustand von 1980 erreichen.  

Die Erholung der Ozonschicht ist wohl einer der klarsten Beweise dafür, dass sich Umweltprobleme wieder beheben lassen. 

Aber zunächst einmal: Warum ist die Ozonschicht überhaupt wichtig? Sie funktioniert wie ein Schutzschild und absorbiert einen großen Teil der gefährlichen ultravioletten Strahlung der Sonne. Wird diese Schicht dünner, steigt das Risiko für Hautkrebs und Augenerkrankungen. Auch Ökosysteme und Ernten leiden unter zu hoher UV-Strahlung.

Die Ursachen des Ozonlochs reichen Jahrzehnte zurück. Seit den 1970er-Jahren gelangten industrielle Chemikalien wie Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) in die Atmosphäre. Unter UV-Licht setzen sie Chlor frei – eine Substanz, die Ozonmoleküle zerstört. 1985 entdeckten Forscher schließlich das massive Ozonloch über der Antarktis.

Glücklicherweise war die Reaktion darauf beispielhaft. Politik, Wissenschaft und Gesellschaft wurden gemeinsam aktiv. 1987 wurde das Montrealer Protokoll verabschiedet,  ein weltweites Abkommen zum Verbot ozonschädigender Stoffe. Inzwischen wurden mehr als 99 % dieser Substanzen verboten.

Heute ist der Erfolg sichtbar. Laut aktuellen Berichten der Weltorganisation für Meteorologie lässt sich die Erholung der Ozonschicht klar messen und verläuft wie geplant. 

Für die meisten Regionen der Welt erwartet man bis etwa 2040, dass die Ozonschicht wieder den Zustand von vor den 1980er-Jahren erreicht. Über der Antarktis könnte es allerdings noch bis etwa 2066 dauern – vorausgesetzt natürlich, dass weiterhin keine neuen FCKW in die Atmosphäre gelangen.  

Abbildung 10: Zeitreihe des globalen Gesamt-Ozons (obere Grafik) und des Gesamt-Ozons über der Antarktis im Oktober (untere Grafik). Copyright: FNR/science.lu/SKIN; Quelle: Scientific Assessment of Ozone Depletion 2022: Executive Summary

Abbildung 11: Diese Episode wurde von Jean-Paul Bertemes und Michèle Weber präsentiert, Science Communicator im science.lu-Team des Luxembourg National Research Fund (FNR). 

Fazit

Die Welt ist nicht perfekt, und es gibt viele Herausforderungen. Doch einiges läuft auch in die richtige Richtung.  Wenn Wissenschaft, Gesellschaft und Politik zusammenarbeiten, Probleme erkannt und Lösungen regional oder global umgesetzt werden, ist Fortschritt möglich. Trotz aller negativer Schlagzeilen und Herausforderungen lohnt es sich also, auch einmal den Blick auf das zu richten, was gut funktioniert. 
 

Autor: Jean-Paul Bertemes (FNR)
Lektorat: Michèle Weber (FNR)
Übersetzung: Nadia Taouil (www.t9n.lu)

Video Regie & Schnitt: Dominique Weber (SKIN)
Kamera: Constantino Danopoulos (SKIN)
Teleprompter : Max Stoltz (SKIN)
Grafik : George Dos Santos, Noémie Brück, Anton Stepine (SKIN)

Infobox

Quellen

Naturverwaltung (ANF) & Nationalmuseum für Naturgeschichte (MNHN). Europäische Biber in Luxemburg. 2. Auflage, Luxemburg, 2022.  ISBN 978-2-9199474-8-5  https://environnement.public.lu/dam-assets/fr/conserv_nature/publications/2022/anf-europaische-biber-web.pdf

Schwefeldioxid-Emissionen nach Quellkategorien https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltzustand-trends/luft/luftschadstoff-emissionen-in-deutschland/schwefeldioxid-emissionen#erfllungsstand-der-emissionsminderungsbeschlsse (abgerufen am 04.06.2026)

GHG emissions in the EU - Statistics & Facts | Statista (2025)

Annual CO2-Emissions by world region:  https://ourworldindata.org/grapher/annual-co-emissions-by-region?time=1861..latest

Entwicklung der globalen CO2-Emissionen und Bevölkerung https://www.researchgate.net/figure/Population-growth-and-rising-CO-emissions-Source_fig1_378205783GDP and CO2 emissions: Record temperatures heighten urgency to break the link | UN Trade and Development (UNCTAD) (2025)

Change in CO₂ emissions and GDP. Our World in Data (2025)

Energy statistics - an overview - Statistics Explained - Eurostat (Datenauszug: Mai 2025)

Electricity from renewable sources reaches 47% in 2024 - Nachrichtenartikel - Eurostat (2025)Antwort von Umweltminister Serge Wilmes auf eine parlamentarische Frage zu Schadstoffemissionen (2026) https://wdocs-pub.chd.lu/docs/exped/2026/03/QP_62777_1774949038243.pdf

Scientific Assessment of Ozone Depletion 2022: Executive SummaryFacts and figures on ozone protection | Ozone Secretariat (UNEP, 2022)

WMO Bulletin shows successful recovery of ozone layer, driven by science (2025)

WMO Ozone and UV Bulletin No. 3 – September 2025

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