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Beim letzten Vollmond schlecht geschlafen? Oft machen Menschen den Erdtrabanten für den schlechten Schlaf verantwortlich. Ob es dafür wissenschaftliche Evidenz gibt, hat Mr Science unter die Lupe genommen:

In diesem Artikel wollen wir mehr im Detail auf ein paar Hypothesen eingehen, wie der Mond uns Menschen beeinflussen könnte.

Sehen wir einmal von der in esoterischen Kreisen propagierten ominösen Mondenergie ab, gibt es zwei hauptsächliche physikalische Größen, mit denen der Erdbegleiter auf uns wirken könnte. Das ist einerseits die Gravitation, die er aufgrund seiner Masse ausübt. Und es ist andererseits das Licht, das er von der Sonne reflektiert und auf uns zurückstrahlt. Beide Größen ändern sich in gewissem Rhythmus.

Die Gravitation wirkt auf der zum Mond gerichteten Seite der Erde stärker als aus auf der ihm abgewandten. Im Zusammenspiel mit der Sonne bewirkt das Ebbe und Flut. Sein Schein wiederum ändert sich mit der Position von Erde, Sonne und Mond zueinander. Das sehen wir im Laufe eins Monats. Denn dann nimmt unser Begleiter zu bis zu seiner vollen Pracht und anschließend wieder ab.

Auf die Tier- und Pflanzenwelt hat das tatsächlich Einfluss. So manche Meeresbewohner haben ihr Fortpflanzungsverhalten an die Phasen des Mondes angepasst. Einige Insekten wiederum durchlaufen ihre verschiedenen Entwicklungsstadien nach dem Mond.

Warum, so lautet die große Frage, soll da der Mond nicht auch beim Menschen etwas ausrichten? Hieb und stichfeste wissenschaftliche Belege gibt es dazu bisher nicht. Doch außerhalb der Fachwelt kursieren allerhand Vermutungen. Schauen wir uns am besten mal einige der Hypothesen an.

Hypothese 1: Die circalunare Rhythmik

Es gibt wissenschaftliche Evidenz, dass die Sonne unseren Tagesrhythmus beeinflusst. Warum sollte das nicht auch der Mond tun?

Bei der Sonne wissen wir's. Die circadiane Rhythmik ist tatsächlich Forschungsfeld der Chronobiologen. Oder anders ausgedrückt: Forscher, die sich den Rhythmus biologischer Prozesse anschauen, haben dabei auch die verschiedenen Tageszeiten im Blick. Denn im Verlaufe von Tag und Nacht ändern sich die Bedingungen für ein Lebewesen dramatisch. Von hell und warm zu dunkel und kalt und wieder zurück. Darauf reagieren Bakterien genauso wie Pilze, Pflanzen oder Tiere.

Und der Mond? Tatsächlich gibt es auch eine circalunare Rhythmik. Mit den eingangs beschriebenen Auswirkungen auf die Fortpflanzung und Entwicklung verschiedener Tiere. Die Ursache(n) dieser beobachteten Zusammenhänge sind zur Zeit noch nicht klar und werden noch erforscht. Bei Meerestieren vermutet man z. B., dass die unterschiedlichen Wasserstände der Gezeiten eine Rolle spielen. Bei Landtieren wird u. a. der Einflusss unterschiedlicher Lichtintensitäten auf die Produktion von Hormonen untersucht.

Und bei uns Menschen? Hier kann man durchaus annehmen, dass eine Vollmondnacht zu viel mehr Aktivitäten führt als eine Neumondnacht. Und vielleicht hat uns das auch lange Zeit unsere Entwicklung geprägt. Ob dieses Erbe seine Spuren in uns hinterlassen hat und heute noch wirkt, konnte allerdings bisher nicht eindeutig nachgewiesen werden. Hier müssen die Forscher also noch mal ran. Dass wir heute längst die Nacht zum Tage machen und unsere Großstädte vierzig bis hundertzwanzigmal stärker leuchten als der prachtvollste Vollmond (10 bis 30 Lux vs. 0,25 Lux), macht ihre Aufgabe aber nicht gerade leichter.

Hypothese 2: Die Gravitationskraft

Wir bestehen zu zwei Drittel aus Wasser. Die Gravitationskraft des Mondes ist für Ebbe und Flut verantwortlich. Wenn der Mond solche Wassermassen versetzen kann, warum soll er denn keinen Einfluss auf den Menschen haben?

Das ist ein Argument, dem man auf vielen Esoterik- und Lebenshilfeseiten im Netz begegnet. Auch hier sollte man die Größenordnungen im Blick haben.

Richtig ist: Die Gravitation des Mondes zieht jeden Körper, jede Zelle, jedes Molekül an. Und zwar umso stärker, je näher er sich befindet. Stehen wir auf der Erdhalbkugel, die dem Mond gerade zugewandt ist, zerrt er stärker an uns. Stehen wir auf der mondabgewandten Seite, ist sein gravitativer Einfluss schwächer.

Das Wasser der Weltmeere kann der Mond auf diese Weise in Bewegung setzen. Denn das ist eine ganze Menge, verteilt auf große Gebiete. Je kleiner das Gewässer, umso geringer wirkt die Gravitationskraft des Mondes. Das sieht man zum Beispiel am Mittelmeer oder der Ostsee, wo ein Tidenhub stellenweise kaum bemerkbar ist. Im Baggersee um die Ecke ist der Effekt nicht mehr nachweisbar.

Und bei uns Menschen? Bei einem erwachsenen, schlanken Mann machen Körperflüssigkeiten 60-70% seines Körpergewichts aus - etwa 42 Liter. Deutlich weniger als ein Baggersee, und verteilt auf einer sehr viel kleineren Fläche. Die Chancen, hier einen messbaren Effekt zu finden, stehen also nicht besonders gut.

Außerdem: Gezeiten gibt es – wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß – bei Voll-, Halb- und Neumond. Der Mond übt seine Gravitationskraft also auch aus, wenn er gerade nicht von der Sonne angestrahlt wird. Weil noch andere Faktoren die Gezeiten beeinflussen, wie die Anziehungskräfte zwischen Erde und Sonne, die Neigung der Erdachse, die Erdumlaufbahn des Mondes und die Geografie.

Hypothese 3: Die selektive Wahrnehmung

Schlafen wir bei Vollmond mal schlecht, merken wir uns das besonders gut.

Unser Gehirn speichert die Dinge nicht objektiv, sondern subjektiv. Das heißt, was uns besonders auffällt wird auch prominenter abgelegt. Schlafen wir also mal schlecht, vergessen wir das im Alltagsstress mitunter wieder. Scheint uns dabei aber der fahle Vollmond ins Gesicht, dann merken wir uns das schon eher. Auch andere Erlebnisse können wir auf diese Weise mit dem Mond verbinden. Wir zählen also nur die schlaflosen Vollmondnächte und lassen die anderen unter den Tisch fallen. Damit messen wir dem Mond eine besondere Bedeutung bei, die er objektiv gesehen gar nicht hat. Aber genau diese Objektivität kann eine gute wissenschaftliche Studie garantieren.

Hypothese 4: Die selbsterfüllende Prophezeiung

Wenn man erwartet, bei Vollmond schlechter zu schlafen, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass es auch eintritt.

Beim letzten Vollmond habe ich schlecht geschlafen. Das wird heute bestimmt wieder passieren. Und prompt passiert's. Selbsterfüllende Prophezeiung nennt sich das. Wir reden uns etwas ein und allein dadurch wird es schon real. Das geschieht, weil wir unser Verhalten bewusst oder unbewusst so einpassen, dass unsere Erwartung eintritt. Das funktioniert nicht nur beim Mond. Der Placebo-Effekt, den wir bei wirkstofflosen Medikamenten beobachten können, ist eine selbsterfüllende Prophezeiung. Wenn wir fest daran glauben, dass es wirkt, dann wirkt es mitunter tatsächlich. Die Angst, bei einem Test zu versagen, gehört ebenfalls in diese Kategorie. Genauso wie die Sache mit den Horoskopen.

Fazit

Wir sehen also, manche der Hypothesen sind durchaus plausibel. Andere doch weiter hergeholt. Und wieder andere sind recht schwer nachzuweisen. Doch was sind eigentlich die großen Herausforderungen, vor denen Forscher bei ihren Studien zum Einfluss des Mondes stehen?

Die wohl größte Herausforderung liegt in der Kombination vor Stichprobengröße und Versuchsbedingungen. Vereinfacht gesagt: Je größer die Gruppe von Probanden, bei denen sich ein Effekt signifikant hervorhebt, umso belastbarer ist die Aussage. Also besser eine Gruppe von hunderttausend untersuchen als eine von zehn. Und je kontrolliert die Versuche ablaufen, umso wertvoller sind die Daten. Also besser alle ins Schlaflabor bitten als Fragebögen auszuteilen. Hier sieht man dann auch schon das Problem. Zehn Probanden kann man im Labor betreuen. Fünfzig vielleicht auch noch. Aber hundert, tausend oder gar zehntausend? Wohl eher nicht. Gut, man könnte nun auf die Daten vieler solcher Versuche zurückgreifen, die überall auf der Welt einmal gemacht wurden. Doch auch hier liegt der Teufel im Detail. Denn wenn der Versuchsaufbau nicht auf die Fragestellung abgestimmt ist, können immer noch unerwartete Nebeneffekte in den Daten verborgen sein und das Ergebnis verfälschen.

Autor: scienceRELATIONS/Kai Dürfeld
Redaktion: Michèle Weber (FNR)

 

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