(C) Uwe Hentschel

Eine Geschwindigkeit, zwei Werte: Das Navi zeigt 115 km/h, der Tacho 120.

Damit wir im Auto nicht schneller unterwegs sind als erlaubt, sollten wir immer den Tacho im Auge haben. Oder das Navi. Nur wem können wir eher vertrauen?

Ob wir jetzt mit 93 oder aber mit 94 km/h unterwegs sind, nehmen wir beim Autofahren nicht war. Es sei denn, wir werden durch ein kurzes Aufblitzen daran erinnert, dass es sehr wohl einen Unterschied gibt. Denn bei den neuen Geschwindigkeitsmessanlagen in Luxemburg gilt ein Toleranzwert von drei km/h. Wenn also Tempo 90 vorgegeben ist und die Einhaltung dieser Vorgabe durch eines der Lasergeräte überwacht wird, dann wird ab 94 km/h geblitzt.

Die Geschwindigkeitsmessungen der neuen Blitzer sind recht zuverlässig. Was man von der Geschwindigkeitsanzeige im Auto nicht unbedingt behaupten kann. Denn wer ein Navi mit Geschwindigkeitsanzeige besitzt und beim Fahren den dort angezeigten Wert mit dem des Fahrzeugtachos vergleicht, wird in den meisten Fällen feststellen, dass beide Geräte unterschiedliche Werte anzeigen. Eine der beiden Anzeigen muss also definitiv falsch sein. Oder sind es vielleicht sogar beide?

Tachoanzeige von mehreren Reifen-Faktoren abhängig

„In den meisten Fällen sollte die GPS-Geschwindigkeitsangabe des Navis präziser sein“, sagt Thierry Derrmann, Doktorand am Interdisciplinary Centre for Security, Reliability and Trust (SnT) der Uni Luxemburg. Der Grund: Die Tachoanzeige sei abhängig vom Reifendurchmesser,  der Reifentemperatur, also dem Druck, und schließlich der Reifenabnutzung, erklärt Dermann.

„Bei der Abschätzung der Geschwindigkeit für den Tacho zählt zusätzlich noch die Präzision der Drehzahlmessung, die bei Beschleunigung durch Radschlupf und je nach eingelegtem Gang variieren kann“, so der Verkehrsforscher. Daraus ergäben sich also bereits mehrere Fehlerquellen.

Tacho absichtlich ungenau

„Im Allgemeinen werden die Tachos aus rechtlichen Gründen von den Herstellern zum Überschätzen der Fahrzeuggeschwindigkeit kalibriert“, sagt Dermann. So seien in den meisten  Gesetzgebungen bis zu zehn Prozent Abweichung erlaubt, damit Fahrer nicht unbeabsichtigt zu schnell fahren, wenn sie sich laut Tacho ans Limit halten.

Beim mit GPS arbeitenden Navigationsgerät hingegen zähle einzig die Ortungsungenauigkeit, die gerätespezifisch sei und in den meisten Geräten um die drei Meter betrage. „Je länger die Distanz, über die die Geschwindigkeit gemessen wird, und je häufiger die Position abgetastet wird, umso geringer fällt dabei der Fehler aus“, erklärt er.  Das heißt: Die prozentuale Abweichung wird geringer, je schneller man fährt.

„Prinzipiell ist also die GPS-Geschwindigkeitsangabe genauer“ so das Fazit des Forschers. Aber um sicher zu gehen, nicht geblitzt zu werden, ist es vielleicht doch ratsamer, sich an den Tacho zu halten. Denn der ist der tatsächlichen Geschwindigkeit zwar immer ein Stück voraus, doch kann dieser Vorsprung bei einem Blitzer entscheidend sein.

Autor: Uwe Hentschel
Foto: Uwe Hentschel

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