LIH

Antikörper (grün) spielen eine wichtige Rolle beim Schutz gegen Viren (orange).

Der Schutz vor viralen Infektionen, ist ein wesentlicher Bestandteil der Immunreaktion unseres Körpers. Eine besondere Rolle spielen dabei "Antikörper“. Diese können sich an Viren anheften und diese im besten Fall neutralisieren, d.h. unschädlich machen. Darüber hinaus markieren Antikörper eindringende Viren, damit sie von Immunzellen erkannt werden können. 

"Die Bedeutung von Antikörpern ist im Zuge der SARS-CoV2-Pandemie in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Wie wir diese verbessern und welche molekularen Prozesse zur Bildung von Antikörpern beitragen ist Gegenstand von intensiver Forschung", erklärt Prof. Dirk Brenner, Deputy Head des Department of Infection and Immunity (DII) am Luxembourg Institute of Health (LIH) und Professor für Immunologie und Genetik an der Universität Luxemburg, bei der Vorstellung der neuesten Studienergebnisse seines Teams.

Was die Forscher herausgefunden haben

Antikörper werden von speziellen weißen Blutkörperchen produziert, den "B-Zellen". Es ist zwar schon viel über die B-Zellen bekannt, die unsere Antikörperantworten koordinieren, aber es gibt noch große Lücken über die damit verbundenen molekularen Abläufe. Die Studie der LIH-Wissenschaftler versucht, hier etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

"Unsere Forschung zeigt B-Zell-spezifische Veränderungen auf, die neue Einblicke in das Verständnis der Regulation der B-Zell-Funktionen bei viralen Infektionen erhöht", fasst Dr. Franchina, Erstautor der Studie aus dem Team von Prof. Brenner, zusammen. Konkret konnten die Forscher zeigen, dass in Abwesenheit eines bestimmten Antioxidants die Immunabwehr gegen virale Infektionen in einem Mausmodell nicht mehr richtig funktionierte. Der Stoffwechsel einer Sorte B-Zellen wurde dadurch so gestört, dass sie nicht mehr genug Energie hatten, um Antikörper herzustellen, und eine andere Sorte B-Zellen konnte sich nicht mehr richtig entwickeln.

Es wichtig, die Reaktionen unseres Körpers auf ein krankheitsverursachendes Virus zu verstehen, wodurch dann ganz spezifisch in diese Prozesse eingegriffen werden kann um die Immunität in der Bevölkerung zu stärken. Letztendlich hoffen die Forscher, dass das Wissen über diese entscheidenden Schaltstellen für die Entwicklung für die Entwicklung neuartiger Behandlungsstrategien für Viruserkrankungen wie SARS-CoV2 genutzt werden kann.

Was die Wissenschaftler genau untersucht haben

Die Wissenschaftler haben zwei verschiedene B-Zell Unterarten untersucht, die Follikuläre B-Zellen und die Marginal Zonen B-Zellen (MZB). Follikuläre B-Zellen befinden sich in der Regel in kleinen Ansammlungen zusammen mit anderen Immunzellen an Orten wie der Milz und den Lymphknoten, während B-Zellen aus der "Randzone" (MZB) nur etwa 5-10 % der B-Zellen in der Milz ausmachen. Dadurch können sie schnell auf Viruspartikel im Blut und eindringende Bakterien reagieren.

Die Autoren konzentrierten sich hierbei auf Unterschiede im Stoffwechsel zwischen den beiden B-Zell-Untergruppen. Das heißt, sie wollten sehen, wie sie sich bei der Energiegewinnung, aber auch beim Energieverbrauch unterscheiden. Dies ist wichtig da viel Energie für die Bildung von funktionellen Antikörpern benötigt wird.

Von besonderem Interesse war für die Forscher das Schlüsselmolekül Glutathion. Normalerweise wirkt Glutathion als Antioxidant in den Zellen und trägt dazu bei, das empfindliche Gleichgewicht von Stoffwechselreaktionen aufrechtzuerhalten. Indem die Forscher dieses Gleichgewicht veränderten, konnten sie Unterschiede aufzeigen, die für jeden Zelltyp einzigartig waren.

Wurde die Glutathionproduktion in den Marginal Zonen B-Zellen von Mäusen gehemmt, so wirkte sich dies stärker auf die normale Zellentwicklung und -erhaltung aus.

Die Follikuläre B-Zellen verhielten sich anpassungsfähiger und programmierten ihren normalen Stoffwechselweg um. Die Forscher konnten zeigen, dass Glutathion in Follikuläre B-Zellen für die Funktion der Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen, wichtig ist. Ohne Glutathion produzierten die Mitochondrien nicht mehr genug Energie und die Follikuläre B-Zellen stellten keine Antikörper mehr her. Damit verloren diese Zellen ihre Funktion und konnten nicht mehr vor einer viralen Infektion schützen.

Wo die Studie veröffentlicht wurde

Die Studie wurde am 4 April 2022 in Nature Communications, einer multidisziplinären Zeitschrift der renommierten Nature Research Group, unter dem vollständigen Titel "Glutathione-dependent redox balance characterizes the distinct metabolic properties of follicular and marginal zone B cells" veröffentlicht (DOI: DOI: 10.1038/s41467-022-29426-x).

Autor: LIH
Editor: Michèle Weber (FNR)

Infobox

Finanzierung und Kooperation

Diese Studie wurde durch das Programm INTER-CORE [(C18/BM/12691266)] des FNR unterstützt. Die Arbeit wurde auch teilweise durch eine interne Finanzierung des LIH durch das luxemburgische Ministerium für Hochschulbildung und Forschung (MESR) gefördert.

Kontakt

Wissenschaftlicher Kontakt

Prof Dr Dirk Brenner Deputy Head LIH-DII
Experimental and Molecular Immunology
Department of Infection and Immunity Luxembourg Institute of Health
E-mail: Dirk.Brenner@lih.lu

Pressekontakt

Arnaud D’Agostini Head of Marketing and Communication
Luxembourg Institute of Health
Tel: +352 26970-524
E-mail: arnaud.dagostini@lih.lu

Auch in dieser Rubrik

Corona-Pandemie Wie wird der Corona-Winter? Fragen an die Experten

Wir haben 4 Experten befragt, wie sie die Entwicklung der Pandemie für diesen Herbst und Winter in Luxemburg einschätzen. Hier ihre Antworten.

Nahrungsmittelallergien Wenn Essen krank macht

LIH-Wissenschaftler liefern bahnbrechende Erkenntnisse über bisher schlecht verstandene Fleischallergie

LIH
Hirnkrebs Meister der Tarnung: Neue Taktiken auf der Jagd nach formwandelnden Krebsarten

Glioblastome sind aggressive Hirntumore, die in der Lage ist, ihr Aussehen und ihr Verhalten zu verändern, um sich der Bekämpfung zu entziehen.

Apfel
Ernährungstherapie Ein Apfel pro Tag: Eignet sich die Ernährung zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen?

Forscher des LIH untersuchen, ob durch Ernährung das Darmmikrobiom so verändert werden kann, dass dadurch Autoimmunkrankheiten behandelt oder sogar vorgebeugt werden können.

LIH