Luxembourg United: eine nationale Roboter-Fussballmannschaft

01.07.16

Université du Luxembourg
SnT
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Könnte ein Roboterteam 2050 gegen den amtierenden Fussballweltmeister gewinnen?

Während die EM 2016 in Frankreich in die Viertelfinalrunde geht beginnt in Leipzip eine Fussballmeisterschaft der besonderen Art: die Spieler sind knapp 60 cm gross und bewegen sich sehr langsam, aber sind umso niedlicher.

Beim RoboCup 2016, der Fussballweltmeisterschaft der Roboter, treten Teams von 6 humanoïden NAO-Robotern gegeneinander an, genauso wie im menschlichen Wettkampf. Es handelt sich um ein globales Forschungsprojekt, das sich als Ziel gesetzt hat, bis 2050 ein selbstständiges Fussballroboterteam auf die Beine zu stellen, das den amtierenden Fussballweltmeister in einem Spiel schlägt.

Patrice Caire, Computerwissenschaftlerin an der Uni Luxemburg und Expertin in Artificial Intelligence (AI) und Robtotik arbeitet fieberhaft an einer zukünftigen luxemburgischeTeilnahme. Gestern stellte sie ihr Projekt beim Innovationsforum Mind & Market in der Maison du Savoir in Esch-Belval vor, denn das Forschungsprojekt braucht noch finanzielle Unterstützung und Fachkräfte. Wer Interesse hat, Sponsor der nationalen Fussballrobotermannschaft zu werden Patrice Caire hier kontaktieren.

Patrice Caire, Woher stammt die Idee, das Luxembourg United Roboter-Fussballteam zu starten?

In erster Linie bietet das Projekt eine Möglichkeit, Artificial Intelligence(AI)-Techniken bei Robotern auf spielerische Art und Weise anzuwenden.

Zweitens basiert das Projekt auf Kooperation zwischen Robotern, und zwischen Robotern und Menschen. Das ist ein wichtiges Forschungsthema mit vielen Andwendungen und ausserdem das Hauptinteresse meiner Arbeitsgruppe, dem Social Robots Lab. Ich hoffe mit diesem Projekt Computerwissenschaften für Studenten attraktiver zu machen, denn wir brauchen in Zukunft unbedingt mehr ausgebildete Arbeitskräfte in diesem Bereich.

Und zu guter Letzt stellt der RoboCup eine der grossen Herausforderungen in Robotik und AI dar. Da wollen wir unseren Beitrag leisten!

Ist das Ziel des RoboCup realistisch?

Absolut. 50 Jahre ist eine lange Zeit. ENIAC, der erste Computer, wurde in den 40er Jahren entwickelt und 1996 hat der damalige Schachweltmeister Garry Kasparov gegen den Schachcomputer Deep Blue den Kürzeren gezogen. Ich bin überzeugt, dass wir bis 2050 Roboter haben werden, die so flexibel und intelligent sind, dass sie gegen den menschlichen Fussballweltmeister gewinnen können. Und es wird immer mehr Roboter in unserem Alltag geben. Roboter sind die Smartphones von morgen!

Das wäre in der Tat beeindruckend. Wie könnten solche Roboter uns in unserem täglichen Leben dienen?

Es gibt zahlreiche Anwendungen, z.B. Roboter, die Leute in Banken oder Museen in Empfang nehmen, oder Vermittler zwischen Patienten und Ärzten, die älteren Menschen zu Hause helfen, oder Roboter, die Bergungs- und Rettungsaktionen ausführen. Um all diese Funktionen zu erfüllen, müssen die Roboter untereinander und mit uns kooperieren können.

Wie sieht denn Ihr aktuelles Roboterteam aus und was kann es bereits?

Unser Team ist bereit! Es besteht aus 4 Spielern, einem Torwart und einem Coach. Es handelt sich hierbeit um 58 cm kleine humanoïde Nao-Roboter, die sehr interaktiv und liebenswert sind! Beim Wettkampf sind innerhalb einer Liga alle Roboter vom gleichen Typ, aber jede Forschungsgruppe benutzt ihre eigene Software und Algorithmen.

Unsere Spieler sind so programmiert, dass sie einander wahrnehmen können und wissen wo sie sich befinden. Sie können den Ball und das Tor erkennen und können berechnen wo der Ball hinfliegt wenn sie ihn treten. Nur der Coach sitzt am Seitenrand und ist der einzige, der einen Gesamtüberblick über das Feld und die Spieler hat und strategische Entscheidungen kommunizieren kann.

Kommunizieren – heisst dass er gibt lauthals Befehle wie ein menschlicher Fussballcoach? 

Nein, die Roboter "sprechen" nicht miteinander. Sie kommunizieren über das WiFi-Netz. Und für die Wahrnehmung und Erkennung verarbeiten sie visuelle Signale, die über zwei Kameras aufgenommen werden – eine zwischen den Augen und eine auf Höhe des Mundes.

Was die Software betrifft, so haben wir bereits damit begonnen unsere Programme zu verändern und bereits existierende Module (öffentlich zugänglich als Open Source) einzubauen.  Wir benutzen ebenfall unsere eigene Software aus anderen Forschungsprojekten und entwickeln auch neue Algorithmen.

Und wie geht es jetzt weiter?

Wir hoffen Partner zu finden, die uns eine Finanzspritze geben können. Wir brauchen weitere Roboter als „Ersatzspieler“, Platz zum Trainieren, und Doktoranden, die helfen die Roboter zu programmieren und ihre Kooperation zu verbessern. Unser Ziel ist es 2017 beim RoboCup teilzunehmen!

Viel Glück!

Das Interview führte Michele Weber (FNR)
Photo: Michèle Weber (FNR)

 

 

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Infobox

Zur Person

Dr. Patrice Caire ist Dimplomierte in Artificial Intelligence (AI) der Unis New York City und Luxemburg. Sie arbeitet seit 10 Jahren am Interdisciplinary Centre for Security, Reliability and Trust (SnT) der Uni Luxemburg mit Robotern und AI. Zuvor hat sie an der Uni Stanford in den USA geforscht. Im Januar 2016 hat sie an der Uni Luxemburg das Social Robotics Lab gegründet. Ihre Forschung beschäftigt sich mit der Kooperation zwischen Menschen und autonomen Robotern, d.h. Roboter die selbständig Entscheidungen treffen können. 2015 leitete sie das Projekt CoRobots@MUDAM, wo es darum ging Roboter als Museumsführer zu testen. Mehr Informationen auf ihrer persönlichen Homepage

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