Bei der Konferenz „Research meets Politics“ stellten Forschende des LIST, des MNHN und der Universität Luxemburg ihren Bericht über die Auswirkungen der Landwirtschaft auf die Umwelt vor.

Die Hauptaufgabe der Landwirtschaft besteht darin, Menschen und Tiere zu ernähren. Hinzu kommt der Anbau von Zierpflanzen sowie die Herstellung von Textilfasern oder auch Biogas. Die Landwirtschaft spielt aber auch eine entscheidende Rolle für die Bewahrung von Ökosystemen und den Schutz der Biodiversität. Landwirte tragen ebenfalls zum Erhalt zahlreicher Ökosystemleistungen bei. Das sind natürliche Prozesse, die den Menschen nutzen, wie etwa Bestäubung, Wasserreinigung, Hochwasserschutz oder die Pflege von Erholungs- und Freizeiträumen.

Eine dreifache Umweltkrise setzt die Landwirtschaft unter Druck: der Klimawandel, der massive Rückgang der Biodiversität und die Boden- und Wasserverschmutzung. Gleichzeitig trägt der Sektor selbst durch seine Treibhausgasemissionen, den Anbau von Monokulturen und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu dieser Krise bei.

Ein neuer Bericht, der für den Wissenschaftlichen Dienst der Abgeordnetenkammer erstellt wurde, untersucht die Folgen von landwirtschaftlicher Tätigkeit auf die Umwelt und beschreibt die Herausforderungen einer Umstellung auf nachhaltige Landwirtschaft. Er umreißt Strategien für ein Gleichgewicht zwischen Wirtschaftswachstum und Umweltschutz und analysiert die Wirksamkeit bestehender Maßnahmen. Der Bericht unterstreicht, dass eine nachhaltigere Landwirtschaft unabdingbar für den Schutz der Umwelt, die Verlangsamung des Klimawandels, die Sicherung der Nahrungsmittelproduktion und den Erhalt der Existenzgrundlage von Landwirten ist. In diesem Artikel werden einige wichtige Punkte des Berichtes erläutert.

Der Bericht wurde von den Forschern Gitanjali Thakur (LIST), Axel Hochkirsch (MNHN), Phillip Dale (Universität Luxemburg) sowie den Mitgliedern des Wissenschaftlichen Dienstes Maude Pauly und Christian Penny erstellt. Er wurde der Öffentlichkeit und den Abgeordneten am 24. März im Rahmen der vom FNR und der Abgeordnetenkammer organisierten Konferenz „Research meets Politics“ vorgestellt.

Initiativen für eine nachhaltige Landwirtschaft

Etwa die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten in Europa braucht die landwirtschaftlich genutzten Räume. Intensive Landwirtschaft, Monokulturen, aber auch die potentielle Schließung eines landwirtschaftlichen Betriebs bedrohen also diese Tier- und Pflanzenarten. Die Landwirtschaft hat mit großem Abstand den höchsten Wasserbedarf und trägt durch den Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden zur Verschmutzung von Grundwasser und Oberflächengewässern bei.

Diese negativen Folgen können durch verschiedene Ansätze abgeschwächt werden. Luxemburg hat verschiedene Initiativen zur Förderung nachhaltiger Landwirtschaft ins Leben gerufen. Hierzu zählen Anbaudiversifizierung und Kulturfolgen, die Einrichtung von Pufferzonen, oder auch die Einschränkung der klimaschädlichen Rinderzucht.

Wenn man die Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen bewerten möchte, braucht man verlässliche Daten zur Entwicklung der Biodiversität und zum Einsatz von Produktionsmitteln (also Pestiziden, Dünger, Antibiotika oder auch Handelssaatgut). Jedoch bedeutet die Erstellung von Statistiken eine zusätzliche Verwaltungslast für die Landwirte. Ein wichtiger Punkt ist der Erhalt der wirtschaftlichen Tragfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe. Hierzu müssen kurze Vertriebswege und lokaler Konsum gefördert werden, oder Betriebe, die Maßnahmen für mehr Biodiversität treffen, subventioniert werden.

Der Bericht hebt hervor, dass die in Luxemburg und im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU getroffenen Maßnahmen bereits zur Abschwächung der negativen Folgen auf Klima, Biodiversität und Wasserqualität beigetragen haben, jedoch die messbaren Fortschritte aktuell noch nicht ausreichen.

Verbindung von Nahrungsmittelproduktion und Energieerzeugung

Landwirtschaftliche Betriebe können auch zur Energieversorgung des Landes beitragen, indem sie aus Abfällen Biogas herstellen. Dieses Verfahren hat den Vorteil, dass so weniger Methan freigesetzt wird, dessen Auswirkungen auf das Klima etwa 25-mal stärker sind als die Klimafolgen von CO2, das beim Verbrennen von Biogas entsteht. Ein neuer Weg ist die Agri-Photovoltaik, d. h. die Installation von Solarmodulen auf Gewächshäusern oder über Anbauflächen. Die Beschattung durch die Module kann den landwirtschaftlichen Ertrag verringern, in manchen Fällen erstaunlicherweise aber auch leicht steigern. Dieser Ansatz bietet eine zweite Einkommensquelle für den landwirtschaftlichen Betrieb bzw. kann die Energiekosten des Betriebs senken. Auf nationaler Ebene kann diese Technik zu einer größeren Unabhängigkeit in der Energieversorgung beitragen.

Technologische Innovationen könnten eine Präzisionslandwirtschaft ermöglichen, beispielsweise indem Roboter Unkraut entfernen oder auf andere Betriebsformen wie Aquaponik oder vertikale Landwirtschaft umgestellt wird.

Eine gemeinsame Anstrengung

Der Einsatz solcher Innovationen erfordert eine enge Zusammenarbeit mit den Landwirten, die eine entscheidende Rolle für die Bewahrung von Ökosystemen und Biodiversität spielen. Ebenso müssen alle anderen Akteure eingebunden werden, wie Lebensmittelhandel, Regierung und Zivilgesellschaft. Auch die Verbraucher spielen eine zentrale Rolle. Sie können sich für Lebensmittel entscheiden, deren Herstellung weniger Energie, Wasser und landwirtschaftliche Fläche benötigt und weniger Treibhausgase freisetzt.

Möchtest Du den ganzen Bericht lesen? Hier ist er: Impact of agriculture on the environment and biodiversity in the context of Luxembourg – possible improvements for an economically viable and sustainable future, von P. Dale, A. Hochkirch, M. Pauly, C. Penny, G. Thakur, Luxemburg, für den Wissenschaftlichen Dienst der Abgeordnetenkammer, 24. März 2025.

Auteur: Daniel SaragaAutor: Daniel Saraga
Redaktion: Jean-Paul Bertemes (FNR)
Artikel auf Grundlage des Berichts des Wissenschaftlichen Dienstes
Übersetzung: Nadia Taouil (www.t9n.lu)

Editeur: Jean-Paul Bertemes (FNR)

Article basé sur le rapport de la cellule scientifique.

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