Esch 2022

Für Luxemburg ist Belval der wichtigste Forschungsstandort des Landes. Doch für die meisten Luxemburger ist Belval vor allem Sitz der Rockhal und damit der Ort, an dem man die größten Konzerte erleben kann. Das ehemalige Industrie-Areal ist also für Wissenschaft und Musik gleichermaßen von Bedeutung. Und mit Esch 2022 bietet sich nun eine ganz besondere Gelegenheit, diese beiden Welten miteinander zu verbinden. 

Aus diesem Grund haben der Fonds National de la Recherche (FNR), die Rockhal, das Luxembourg Institute of Science and Technology (LIST) und die Universität Luxemburg (mit ihren Forschungseinrichtungen FSTM, C2DH, SnT) eine Zusammenarbeit gestartet, um der Bevölkerung die vielfältigen Beziehungen zwischen Wissenschaft und Musik näherzubringen. Entstanden ist daraus das Projekt „The Sound of Data – science meets music“, bei dem es konkret um die Sonifikation von Daten geht.

science.lu ist mit an Bord bei diesem Projekt. Wir werden über das nächste Jahr regelmässig über das Projekt informieren, bzw die Wissenschaft hinter dem Projekt zugänglich machen. 

Wie läuft das Projekt konkret ab?

In Phase 1 sammeln Wissenschaftler der Universität Luxemburg und vom LIST Daten (detailliertere Infos am Schluss der Pressemitteilung)

  • Verkehrsdaten (FSTM der Universität Luxemburg zusammen mit dem LIST)
  • Historische Daten (C2DH der Universität Luxemburg)
  • Body Scan Data (SnT der Universität Luxemburg)
  • Crowd Sourcing Art Data (FSTM der Universität Luxemburg)

In Phase 2 werden die Daten dann von Valery Vermeulen in Musikbausteine umgewandelt. Der Belgier ist Musiker, Musikproduzent, Mathematiker, Gastprofessor an der KASK-Conservatory-School of Arts in Gent und Forscher an der Abteilung für Mathematik und Informatik an der Universität Antwerpen und gilt als einer der Pioniere auf dem Gebiet der Datensonifikation.

In Phase 3 geht es schließlich darum, aus diesen Musikbausteinen Musikstücke zu komponieren. Im Rahmen von Workshops sowie über einen Aufruf können sich Musiker aus Luxemburg und der Großregion anmelden um im Rocklab von Vermeulen und weiteren Experten aus dem Bereich der elektronischen Klangerzeugung im Umgang mit der Datensonifikation geschult zu werden – und um anschließend dann in den Räumlichkeiten vom Rocklab ihre Tracks  zu komponieren und zu proben.

In Phase 4 werden dann die Ergebnisse dieses gesamten Prozesses der Öffentlichkeit während eines Musikfestivals in der Rockhal präsentiert. Zudem sind noch weitere Events geplant, um dem Publikum die interessanten Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Musik, sowie das Konzept der Datensonifikation näher zu bringen.

Welche konkreten Events sind geplant?

Offizieller Startschuss von The Sound of Data ist am 27. März 2022 in der Rockhal. Auf dem Programm stehen interaktive Workshops zum Thema „Science meets music“ für die ganze Familie, ein Tech-Corner und Networking Cocktail für Musik- und Wissenschaftsbegeisterte und nicht zuletzt eine Live-Performance von Valery Vermeulen, der das Publikum in die Datensonifikation einführen wird.

Von April bis Oktober geht es dann weiter mit Workshops, gefolgt von einem Runden Tisch - in Zusammenarbeit mit dem STATEC - zum Thema Kommunikation wissenschaftlicher und statistischer Daten im November.

Die Artistenresidenz im Rocklab findet im Sommer/Herbst 2022 statt.

Beim Abschluss-Event am 3. Dezember werden dann die regionalen Künstler ihre Kompositionen auf Grundlage der Datensonifikation dem breiten Publikum präsentieren. Bei dem Musikfestival auf der Bühne stehen wird dabei auch ein zweites Mal Valery Vermeulen und als Headliner der in der Szene sehr bekannte elektronische Musiker und Gen-Wissenschaftler Max Cooper der, zusätzlich zu seiner Performance, ebenfalls einen Einblick in seine Arbeits- und Kompositionsweise im Rahmen eines Vortrages geben wird.

Weshalb das Thema Daten?

Weil Daten sowohl für die Gesellschaft als auch für die Wissenschaft an Bedeutung gewinnen, Stichwort: Big Data. Neue Herangehensweisen werden deshalb immer wichtiger, um große Datensätze zu analysieren und zu vermitteln. Die Sonifikation von Daten ist ein kreativer, innovativer und experimenteller Ansatz, dies zu tun. Außerdem ergeben sich hier für Forscher und Musiker viele Möglichkeiten, sich kreativ zu begegnen und voneinander zu lernen.

Was genau ist „Data Sonification“?

Bei der Sonifikation werden Daten in Klänge umgewandelt.  Das Grundprinzip ist ähnlich wie bei der Visualisierung. Doch während bei der Visualisierung Elemente wie Linien, Formen und Farben verwendet werden, stützt sich die Sonifikation auf Klangeigenschaften wie Lautstärke, Tonhöhe und Rhythmus. Sonifikation ist also gewissermaßen eine Visualisierung für die Ohren. Man nimmt einen Datensatz, eine Art von Information, und erzeugt daraus Klänge. Anwendungen findet Data Sonification bereits heute in unserem Alltag, etwa wenn unser Auto beim Rückwärtsfahren piept oder wenn Geigerzähler genutzt werden, um Radioaktivität zu messen.

Die Umwandlung von Daten in Ton und Musik kann ein leistungsfähiges Instrument sein, um ein Publikum auf eine neue Art und Weise für eine Geschichte zu begeistern und sogar ganz neue Zielgruppen zu erreichen.

Im Rahmen des Projektes wurde ein Video erstellt, das erklärt, was genau Datensonifikation ist:

Ziel des Projekts

Ziel von The Sound of Data ist es, nachhaltige Synergien zu schaffen und das Netzwerk zwischen den verschiedenen Institutionen und den beteiligten Künstlern enger zu knüpfen sowie neue Wege zu entwickeln, Musik und Kunst zu schaffen, zu spielen und zu erleben. Und zwar indem Daten für die breite Öffentlichkeit verständlicher gemacht werden. Die Daten, die bei The Sound of Data in unterschiedlichen Formen zum Einsatz kommen, stammen von der Bevölkerung selbst. Das Projekt wird Daten benutzen die zum Teil im Vorfeld erhoben wurden und zum Teil im Laufe des Kulturhauptstadtjahres 2022 gesammelt werden. Die Bevölkerung war und ist also am Prozess der Entstehung maßgeblich beteiligt. 

Mehr Infos zum Projekt in diesem Video von Esch2022:

Infobox

Mehr Details zur ersten Phase des Projekts

Phase 1: Sammeln von wissenschaftlichen Daten

Verkehrsdaten: Das LIST wird zusammen mit der Universität (FSTC) Verkehrsdaten mit Sensoren "aufzeichnen", die aus piezoelektrischen Materialien gebaut sind und entlang einer Autobahn platziert werden. Die dadurch erzeugten Töne (die Piezos funktionieren wie Mikrofone), werden durch Verkehrsdaten (CITA) ergänzt (Frequenzen, sich ändernde Amplituden, ...).

Historical Data: Das C2DH wird eine Analyse der luxemburgischen Zeitungen (von 1900 bis heute) durchführen, um eine Datenbank zu sammeln, die Beziehungen zwischen dem Wort "Belval" und anderen Wörtern wie z.B. "Recreation", "Steel" und "Science" enthält.

Body Data: Das SnT wird seinen Body-Scanner verwenden, um Scans von Besucher zu erstellen. Diese Daten werden benutzt, um Musik zu erstellen, die später verwendet wird, um einen Avatar zu trainieren, der zu dieser Musik zu tanzen wird. Die Erhebung dieser Daten wird von der Wissenschaftskommunikation (public outreach) der SnT-Forscher begleitet, die den Teilnehmern das Projekt erläutern.

Crowdsourcing Art Data: Die Mathematikabteilung (DMATH/FSTM) der Universität hat eine Software entwickelt, mit der Besucher anhand geometrischer Strukturen ihr eigenes Kunstwerk erschaffen können. Dazu werden über mehrere Monate und an verschiedenen Ortschaften frei zugängliche I-Pad Säulen aufgestellt. Die Datensätze, die sich aus den einzelnen Werken ergeben, werden dann anschließend „sonifiziert“.  Diese einzelnen Kunststücke werden anschließend aber auch nach einem mathematischen Modell zusammengesetzt, um ein Gemeinschaftswerk zu schaffen. Dieses kollektive Werk und seine Entwicklung werden als visuelles Element bei der abschließenden Show verwendet werden.

Ansprechpartner:

  • Patrizia Luchetta (FNR)
    Project Coordinator for the Esch2022 project “The Sound of Data – Science meets Music”
    patrizia.luchetta@fnr.lu
     
  • Jean-Paul Bertemes (FNR)
    Head of Science in Society
    Project leader for the Esch2022 project “The Sound of Data – Science meets Music”
    jean-paul.bertemes@fnr.lu

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