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Video über die Preisträger

Das Opioidsystem in unserem Körper reguliert Schmerzen durch natürliche Opioide wie z. B. Endorphine, die mit Opioidrezeptoren auf Zellen im Gehirn und im Körper interagieren. Wenn ein Opioid an den Rezeptor bindet, hemmt es die Übertragung von Schmerzsignalen.

Bisher waren vier Opioid-Rezeptoren bekannt. Der wichtigste, der "Mu"-Rezeptor, wird bei der Schmerzlinderung in der klinischen Praxis durch Medikamente wie Morphin, Oxycodon und Fentanyl angesprochen. Diese Medikamente imitieren die natürlichen Opioide/Endorphine und hemmen so die Übertragung von Schmerzsignalen. Sie machen aber leider stark süchtig.

Ein Team um Gruppenleiter Andy Chevigné und Martyna Spakowska am Luxembourg Institute of Health (LIH) hat einen fünften Opioid-Rezeptor entdeckt, der die Verfügbarkeit natürlicher Opioide reguliert. Dieser Rezeptor hat allerdings eine andere Funktionsweise als die anderen vier: er dezimiert unseren Vorrat an natürlichen Opioiden und blockiert so die Schmerzlinderung.

Das Forscherteam vom LIH hat ein Mittel gefunden, dass diesen Rezeptor blockiert und so den natürlichen Opioidspiegel wiederherstellt. Dies führt zu einer stärkeren bzw. besseren Schmerzlinderung. Das Team hat ebenfalls ein neues, patentiertes Molekül entwickelt, dass ein Gerüst für eine neue Generation von Medikamenten zur Schmerzlinderung sein könnte.

Warum die Jury dieses Projekt ausgewählt hat

„Ich würde diese Entdeckungen sehr hoch einstufen, da wir in letzter Zeit nicht viele Fortschritte auf diesem Gebiet gesehen haben.“

„Die Antragsteller haben eine Entdeckung gemacht, die meines Erachtens für den Bereich der Schmerzbehandlung von entscheidender Bedeutung sein könnte.“

„Die große Zahl der Co-Autoren deutet darauf hin, dass die Ergebnisse dieser Gruppe disziplinenübergreifend sind, was die Relevanz für andere Studienergebnisse und Forschungsideen erhöht.“

„Es ist wahrscheinlich, dass diese Arbeit in naher Zukunft in zahlreichen Studien zitiert werden wird, an denen die jetzigen Autoren nicht beteiligt sind, was eine hohe wissenschaftliche Leistung bedeutet.“

Aussagen der Gutachter

Über die Gewinner

Andy Chevigné und Martyna Spakowska leiten gemeinsam die Forschungsgruppe Immuno-Pharmacology and Interactomics am LIH. Ihre Forschungsarbeit an dem atypische Opioid-Rezeptor begann bereits vor 10 Jahren, mit Martyna’s Doktorarbeit in der Forschungsgruppe. Danach arbeiteten zwei weitere Doktoranden im Team an dem Projekt, Max Meyrath und Christie Palmer. Neben Andy und Martyna sind die beiden ebenfalls Preisträger dieses FNR Awards. Mehr Infos über die Arbeit des Forschungsteams auf der Internetseite des LIH.

Die Shortlist

Zwei weitere Projekte waren ebenfalls in dieser FNR Award-Kategorie nominiert:

  • Ein Team um Arno Gutleb vom Luxembourg Institute of Science and Technology (LIST). Die Forscher haben dreidimensionale Labortests entwickelt, mit denen sich vorhersagen lässt, wie giftig inhalierbare Chemikalien und Materialien sind. Diese Tests können der Industrie helfen, potenzielle Probleme mit ihren Produkten sehr früh in der Entwicklungsphase zu erkennen.
  • Ein Team um Frédéric Clavert von der Universität Luxemburg, das das Journal of Digital History ins Leben gerufen hat. In dieser wissenschaftlichen Zeitschrift können Autoren traditionelle Artikel veröffentlichen, aber auch ihre Methoden, Datensätze und den Code, den sie zur Analyse geschrieben haben - und die Leser haben freien Zugang zu all dem. Die Fachzeitschrift ist zu einer Referenz für andere Zeitschriften geworden, die innovativ sein wollen.

Hier ein Zusammenschnitt der FNR Awards-Preisverleihung vom 19. Oktober 2023:

Text: Michèle Weber (FNR)
Video des Preisträgers und der Preisverleihung: MOAST Creative Studio
Shortlist-Videos: Super8

Infobox

Über die FNR Awards

Jedes Jahr zeichnet der Fonds National de la Recherche (FNR) mit seinen FNR Awards Wissenschaftler für ihre überragende Arbeit aus, honoriert aber auch Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren für ihre überragende Förderung und Vermittlung der Wissenschaft in der Gesellschaft. Und seit diesem Jahr werden in einer neuen Kategorie auch herausragende Mentoren ausgezeichnet, die von ihren Kollegen für diesen Award nominiert werden können. Die Gewinner erhalten nicht nur eine einzigarte Trophäe sowie ein Zertifikat, sondern auch ein Preisgeld in Höhe von 5.000€.

Jedes Jahr können Bewerbungen in folgenden Kategorien eingereicht werden:

  • Outstanding Phd Thesis
  • Outstanding Scientific Achievement
  • Outstanding Mentorship
  • Outstanding Promotion of Science to the Public

Bei den diesjährigen FNR Awards gab es sechs Preise in den vier Kategorien. Entdecke alle Gewinner auf der Internetseite des FNR.

Bewerbungen für die FNR Awards 2024 können ab Ende Dezember 2023 und bis zum 12. Februar 2024 14:00 Uhr CET eingereicht werden. Mehr Infos ebenfalls auf der Internetseite des FNR.

 

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