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Société Luxembourgeoise de Statistique

Entwicklung der täglichen Wachstumsrate von Covid-19-Patienten in Luxemburg

In diesen von COVID-19 dominierten Zeiten werden wir alle von einer Flut von Informationen aus verschiedenen Quellen überwältigt. Jeden Tag lesen/hören wir neue Entwicklungen über die Anzahl der positiv getesteten Personen, die Anzahl der Krankenhausaufenthalte und die Anzahl der Verstorbenen. Es ist deshalb oft schwierig, aus diesem Dschungel von Zahlen, die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen.

Ein Beispiel: Die Medien berichten häufig über die Anzahl der infizierten Personen, indem sie offizielle Regierungszahlen verbreiten. Tatsächlich ist es jedoch die Anzahl der positiv getesteten Personen! Dies ist ein großer Unterschied, der zu falschen Schlussfolgerungen führen kann. Denn in Wirklichkeit sind mehr Menschen infiziert als positiv getestet. Und wir wissen nicht, wie die Verbindung zwischen der Anzahl der positiv getesteten Personen und der tatsächlichen Anzahl der infizierten Personen ist. Die Variation der Anzahl der positiv getesteten Personen kann also auch mit Änderungen in der Testpraxis in Verbindung gebracht werden - und ist nicht unbedingt ein Hinweis dafür, dass die Anzahl der infizierten Personen tatsächlich auf die gleiche Weise variiert hat. Dies ist zwar natürlich eine wichtige Information, aber wir sollten darauf achten im öffentlichen Diskurs die richtigen Begriffe zu verwenden.

Um das Lesen und Interpretieren der täglich veröffentlichten Zahlen ein wenig klarer zu machen, hat die “Société Luxembourgeoise de Statistique” (SLS) einen Text verfasst, den wir hier auf science.lu veröffentlichen.

Artikel der “Société Luxembourgeoise de Statistique” (SLS):

Die “Société Luxembourgeoise de Statistique” (SLS) hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Öffentlichkeit mit Statistiken vertraut zu machen und deren Verständnis, wie auch deren richtige Interpretation, zu erleichtern.

Mit dem folgenden Text möchten wir dazu beitragen, dass Zahlen besser verstanden werden, Aktualisierungen besser ausgelesen werden und somit insgesamt die Situation, in der wir uns befinden, besser beurteilt werden kann.

Wie lese und interpretiere ich die täglichen Rohzahlen?

Eine Zunahme von 180 Covid-19-Patienten vom 30. bis 31. März mag schockierend erscheinen und den Eindruck erwecken, dass die Ausgangsbeschränkung nicht zu vielen Ergebnissen führt, insbesondere wenn man bedenkt, dass die Gesamtzahl vor 14 Tagen noch unter 200 lag. Diese Art, die Zahlen zu lesen, ist jedoch falsch und gibt eine schlechte Vorstellung von der aktuellen Situation.

Bei einer Situation von 1998 positiv getesteten Personen, entsprechen 180 Neuinfektionen einem Wachstum von 9% ((2 178-1 998) / 1998). Als wir vor 14 Tagen von 140 auf 203 positiv getestete Personen gestiegen sind, entsprach dies einem viel höheren Wachstum, nämlich 45% ((203-140) / 140). Anstatt die Gesamtzahl zu betrachten (die für die Planung des Krankenhausmanagements natürlich wichtig ist), ist es daher wichtig, die Wachstumsraten zu betrachten, da sie viel informativer sind.

Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung dieser Wachstumsrate, und wir können deutlich sehen, wie sie in den letzten Tagen abgenommen hat, was zeigt, dass die Eindämmung tatsächlich funktioniert! Je näher wir an 0 kommen, also Null Wachstum, desto besser!

Grafik 1 - Entwicklung der täglichen Wachstumsrate von Covid-19-Patienten

growth rate of cases tested positive

Zu beachten ist, dass diese Wachstumsrate in den kommenden Tagen steigen könnte, wenn die Anzahl der durchgeführten Tests erheblich zunehmen würde. Dies sollte nicht als alarmierendes Zeichen verstanden werden, sondern als direkte Folge der Anzahl der durchgeführten Tests.

Neben den offiziellen Zahlen gibt es natürlich auch wissenschaftliche Veröffentlichungen, die nur Experten lesen und verstehen können. Auf dieser Ebene möchten wir eine aktuelle wissenschaftliche Studie vom 30. März erwähnen: Hier wurde geschätzt, dass dank der für insgesamt 11 europäische Länder kürzlich ergriffenen Maßnahmen, die bis mindestens Ende März andauern, 59.000 Todesfälle vermieden werden konnten (bis zum 31. März). Ein starkes Zeichen für die Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen.

Spiegeln offizielle Statistiken die gesamte Realität wider?

Offizielle Statistiken werden mit sehr viel Sorgfalt zusammengestellt, können jedoch nicht die gesamte Realität widerspiegeln. Einige könnten daher kritisieren, dass die obige Grafik nur auf offiziellen Zahlen basiert und die Grauzone nicht gemeldeter oder nicht getesteter infizierter Personen ignoriert.

Ihre Kritik ist berechtigt, aber im Moment können die offiziellen Zahlen nur auf den durchgeführten Tests basieren. Um die Grauzone in ihrem Ausmaß und ihrer Entwicklung abzuschätzen, müssten Mittel vorhanden sein, um ausreichend große Stichproben zu testen, welche wir in Luxemburg derzeit nicht besitzen.

In ihrer oben erwähnten Veröffentlichung haben die Wissenschaftler anhand ihrer Analysen eine Schätzung der Grauzone vorgenommen: "Wir schätzen, dass in den 11 Ländern bis zum 28. März zwischen 7 und 43 Millionen Menschen mit SARS-CoV-2 infiziert wurden, was 1,88% bis 11,43% der Bevölkerung entspricht."

Und der internationale Vergleich?

Aus statistischer Sicht muss man zugegeben, dass es derzeit sehr schwierig ist, verlässliche Zahlen zu erhalten, wenn wir verschiedene Länder vergleichen wollen. Dies ist auf die unterschiedlichen Arten der Registrierung von Covid-19-Patienten und Verstorbenen zurückzuführen, sowie natürlich auf die unterschiedlichen Teststrategien.

In einigen Ländern werden Menschen mit leichten Symptomen oder ab einem bestimmten Alter getestet, in anderen nur diejenigen, die stark von Covid-19 betroffen sind. Dies impliziert nicht nur eine nicht vergleichbare Anzahl von Patienten, sondern macht es auch nahezu unmöglich, die Sterblichkeitsraten zu vergleichen, da diejenigen, die viel testen, einen niedrigeren Prozentsatz haben als Länder, die nicht viel testen und nur die schweren Fälle berücksichtigen.

Und dann befinden sich auch die verschiedenen Länder in unterschiedlichen Stadien der Epidemieentwicklung und haben zu unterschiedlichen Zeiten restriktive Maßnahmen eingeführt. Diese Faktoren müssen ebenfalls berücksichtigt werden, wie auch die Forschungsgruppe in der oben genannten Veröffentlichung hervorhebt.

Autor: Société Luxembourgeoise de Statistique
Editor: Michèle Weber (FNR), Jean-Paul Bertemes (FNR)
Grafik: Société Luxembourgeoise de Statistique

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