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Forscher des Luxembourg Institute of Health (LIH) wollen die Reaktion der Patienten auf die Behandlung vorhersehen, um diese besser anzupassen.

Gegen Allergien, die krankhafte Überreaktionen des Immunsystems darstellen, kommt eine Behandlung namens Immuntherapie zum Einsatz, um die Patienten zu „desensibilisieren“. Dies trifft insbesondere auf Pollen- und Insektenstichallergien zu. Die Immuntherapie macht das Immunsystem der Patienten tolerant gegenüber den krankmachenden Auslösern der Allergie, den Allergenen. Das Problem: Die Wirksamkeit dieser Therapie ist aber je nach Patient stark unterschiedlich, und kann vom behandelnden Arzt nicht vorhergesagt werden.

Das „Department of Infection and Immunity“ des LIH startet in Kooperation mit nationalen Partnern ein neues Forschungsprojekt, das eine bessere Vorhersage der Reaktion unseres Immunsystems auf eine Immuntherapie gegen Allergien ermöglichen soll, und das noch vor Beginn der Therapie.

Was die Studie untersucht

„Wir wollen die biologischen Marker im Blut der Patienten identifizieren, die eine Vorhersage der Reaktion des Immunsystems auf eine antiallergische Behandlung noch vor deren Beginn ermöglichen. Unser Projekt könnte eine erhebliche Auswirkung auf die klinische Praxis haben. Mit einer simplen Blutprobe könnten die Mediziner Art, Dosierung und Dauer der Behandlung spezifisch an den einzelnen Patienten anpassen“, erläutert Projektleiter Prof. Markus Ollert, selbst Spezialist für Dermatologie und Allergologe und Direktor des „Department of Infection and Immunity“ am LIH.

Dr. Martine Morisset, Fachärztin für Allergologie und leitende klinische Forscherin für das Projekt am Centre Hospitalier (CHL) fügt hinzu: „Das gesamte Team hofft, dass die Studie hilft, die frühzeitigen Marker für die Reaktion auf die Behandlung zu identifizieren. Immerhin dauert eine Desensibilisierung 3 bis 5 Jahre bei einer Pollenallergie und mindestens 5 Jahre bei einer Bienengiftallergie.“

Eine echte Hoffnung somit, und die Perspektive eines wesentlichen Fortschritts im Bereich der individualisierten Medizin.

Die Studienteilnehmer: Allergiker, für die eine Immuntherapie vorgesehen ist

Nach einer Vorbereitungsphase, in der die Versuchsprotokolle aufgestellt und die Zustimmung der relevanten nationalen Behörden für das Einhalten der Ethik- und Datenschutzvorschriften erhalten wurde, haben die Mediziner der Abteilung für Immunologie und Allergologie des CHL begonnen, die ersten freiwilligen Patienten für das Projekt SYS-T-Act zu rekrutieren.

Es handelt sich zunächst um die Teilnahme von 15 Patienten mit einer Pollenallergie und weitere 15 Patienten mit einer Bienen- oder Wespengiftallergie, für die eine Immuntherapie vorgesehen ist. Zu verschiedenen Zeitpunkten vor und während der Immuntherapie wird Blut entnommen.

Später sollen über 100 Patienten an einem größeren Folgeprojekt teilnehmen, um repräsentativere Ergebnisse zu erhalten. Die Studie wird ebenfalls auf Erdnuss- und Nussallergien ausgeweitet.

Ein Kooperationsprojekt, an dem Forscher und Kliniker beteiligt sind

Das Forschungsprojekt wurde vom „Department of Infection and Immunity des LIH initiiert und wird in Zusammenarbeit mit der Luxemburger Biobank IBBL (Integrated BioBank of Luxembourg), der Abteilung für Immunologie und Allergologie des „Centre Hospitalier de Luxembourg“ (CHL) und dem „Luxembourg Centre for Systems Biomedicine“ (LCSB) der Universität Luxemburg ausgeführt.

Das LIH wird sein Wissen in der Immunologie und computergestützten Biologie in das Projekt einbringen.

Die Abteilung für Immunologie und Allergologie des CHL behandelt regelmäßig Patienten mit Pollen- und Bienen- bzw. Wespengiftallergie durch Immuntherapie. Die Abteilung ist daher der ideale klinische Partner zur Probensammlung für dieses Projekt.

Die Biobank IBBL, die auf die Gewinnung und Aufbewahrung von biologischen Proben spezialisiert ist, spielt ebenfalls eine wichtige Rolle im Projekt. In enger Zusammenarbeit mit den Klinikärzten organisiert die Biobank das Sammeln der Blut- und Stuhlproben, welche die am Projekt teilnehmenden Patienten freiwillig spenden. Nach dem Transport der Proben zur Biobank isolieren die Labortechniker verschiedene Komponenten der Proben, insbesondere die Immunzellen und die DNA. Anschließend bereiten sie die Proben für die endgültige Verwendung durch die Forscher vor, indem sie erste Analysen vornehmen und eine langfristige Konservierung gewährleisten.

Das LCSB bringt sein Wissen in der Systembiologie ein und analysiert systematisch die Funktion der an allergischen Reaktionen beteiligten Immunzellen. Die Analyse umfasst nicht nur die T-Lymphozyten, sondern auch andere Immunzellarten (B-Lymphozyten, Mastzellen usw.), um die Systematik ihrer Wechselwirkung im Prozess zu definieren.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Prof. Markus Ollert
Direktor des „Department of Infection and Immunity“
Luxembourg Institute of Health
E-Mail: markus.ollert@lih.lu

Dr. Sebastian Bode
Klinscher Forscher
Luxembourg Institute of Health
Department of Infection and Immunity
E-Mail: sebastian.bode@lih.lu

Kontakt beim CHL für die Studie

Sec.Immuno@chl.lu
+352 4411-2219

Autor: LIH
Photo: shotshop.com

Infobox

Wie funktioniert Immuntherapie für Allergiker?

In der Praxis des Allergologen besteht die Immuntherapie aus einer zunehmenden Steigerung der Gabe von Allergenen, das heißt den Molekülen, auf die der Patient allergisch ist. Zum Desensibilisieren des Körpers wird die verabreichte Dosis schrittweise erhöht bis zum Erreichen der sogenannten Erhaltungsdosis, das heißt der Dosis, die eine langfristige Toleranz gegenüber dem Allergen ermöglicht.  Eine Desensibilisierung dauert 3 bis 5 Jahre bei einer Pollenallergie und mindestens 5 Jahre bei einer Bienengiftallergie.

Finanzierung durch das „Personalised Medicine Consortium“

Das Projekt SYS-T-Act wird durch einen „Pump Prime Fund“ des „Personalised Medicine Consortium“ (PMC) finanziert. Dieses Konsortium, bestehend aus nationalen Instituten, die in der Biomedizinforschung tätig sind (LCSB, LIH, IBBL und LNS), soll neue Synergien zwischen Klinikern und Forschern in Luxemburg schaffen und innovative Projekte anstoßen. Es fördert ausschließlich Projekte in der translationalen Forschung, das heißt Projekte, deren im Labor gewonnene Ergebnisse direkt in die klinische Praxis zum Wohle der Patienten übertragen werden können. Zusätzlich wird das Projekt durch ein Langzeitstipendium der Europäischen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie EAACI für Dr. Sebastian Bode finanziert.

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