(C) Tom Grill/Corbis

Keuchhusten, Diphterie, Hepatitis, Mumps, Masern, Röteln, Kinderlähmung Tetanus... Mit Schutzimpfungen wird heute vielen Krankheiten erfolgreich vorgebeugt, die durch Bakterien oder Viren ausgelöst werden. Kann so eine Impfung auch gegen andere Krankheitsarten schützen, z.B. Krebs?

Mit dieser Frage beschäftigen sich die Forscher um Prof. Dr. Muller am Luxemburgischen Institut für Immunologie. Zusammen mit Partnern arbeitet die Gruppe an der Entwicklung von Impfungen gegen krebserregende Stoffe.

Die besondere Aufmerksamkeit gilt dabei Benzo[a]pyren (B[a]P), einem Stoff, der heute allgegenwärtig unsere Luft verpestet. Kann man eine Art Impfung für B[a]P entwickeln, kann das Modell in Zukunft auch auf andere Stoffe übertragen werden.

Unser natürliches Abwehrsystem „merkt“ sich Eindringlinge...

Dringen Viren (oder Bakterien) in unseren Körper ein, wird ein natürliches Abwehrsystem aktiviert. Dabei werden nicht nur die Krankheitserreger und erkrankte Zellen zerstört, sondern auch an jeden Erreger angepasste „Antikörper“ produziert.

Diese setzen sich am Virus fest: Diese Markierung leitet die Zerstörung des Virus ein. Außerdem „merken“ die Antikörper  sich den Krankheitserreger: Bei der nächsten Ansteckung kann der Körper schneller reagieren und oft eine Erkrankung verhindern.

Eine herkömmliche Impfung ist eigentlich nichts anderes als das „Züchten“ von Antikörpern durch eine kontrollierte Ansteckung.

...doch manchmal muss nachgeholfen werden

Bereits da gab es bei B[a]P das erste Problem: Unser Abwehrsystem reagiert nicht auf pures B[a]P! Die Forscher bedienten sich daraufhin eines cleveren Tricks, um an die benötigten Antikörper zu kommen.

Sie entwickelten ein Konjugat-Vakzin (siehe Infobox), das die Abwehrzellen sozusagen mit der Nase auf B[a]P stoßen sollte – mit Erfolg. Einige der spezialisierten Zellen produzierten nun Antikörper, die sich an B[a]P festsetzten und es zur Zerstörung markierten.

Doch  auch sonst ist bei B[a]P  nicht alles so, wie es bei der herkömmlichen Abwehr gegen ein Virus wäre. Wird ein Virus in seine Einzelteile zerlegt, wird es zerstört. B[a]P wird eben dadurch erst gefährlich, denn es sind einige seiner Abbaustoffe, die krebserregend sein können.

Eine vielversprechende Impfmethode

Haben die Forscher etwa ihr Ziel verfehlt? Nein - das Konjugat-Vakzin ist trotzdem sehr vielversprechend. Denn so lange B[a]P an Antikörper gebunden ist, kann es nicht in die Körperzellen gelangen.

„Anstelle einer kurzen Spitzenkonzentration erreicht es das Zellinnere also langsamer – dadurch sind dort an jedem gegebenem Zeitpunkt auch weniger krebserregende Stoffe vorhanden,“ so Muller.

„Außerdem verteilen die Antikörper die Karzinogene im Körper: Ein weiterer positiver Effekt, denn die meisten Gewebe sind relativ unempfindlich auf B[a]P, nur einige wenige, wie z.B. die Lungen, sind hochgefährdet.“

Dass die Technik funktioniert, können die Forscher also bereits nachweisen. Bis so eine Impfung allerdings am Menschen eingesetzt werden kann, gibt es aber noch viele weitere Tests und Messungen zu überstehen.

Autor: Liza Glesener
Foto: ©Tom Grill/Corbis

Infobox

Was ist ein Konjugatvakzin?

Traditionell besteht ein solches Vakzin (oder Impfstoff) aus einem Protein-Träger, auf den das Immunsystem stark anspringt und aus aufgepfropften kleineren Molekülen, die - allein - nur eine kleine oder gar keine Reaktion auslösen. Gemeinsam sind sie stark: Ist das Immunsystem erst mal durch das Trägerprotein angekurbelt, reagiert es auch auf die kleineren Moleküle (wie z.B. B[a]P).

 

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