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Denn, so das Resultat des Ende 2013 abgeschlossenen Forschungsprojekts MOEBIUS (siehe Infobox): Nur wenn die Wege kurz sind und Menschen z.B. in der Nähe des Arbeitsplatzes bzw. von Freizeit- und Einkaufsmöglichkeiten leben, steigt auch ihre Bereitschaft, auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen oder sich gar aus eigener (Muskel)kraft fortzubewegen. Das kann dann zu Fuß erfolgen, aber auch auf dem Fahrrad bzw. sogar per Tretroller oder Kickboard, so die Ergebnisse der CEPS-Forscher.

Wie sieht es 2030 in Luxemburg aus wenn alles so bleibt wie es ist?

Mit Simulationen haben Forscher verschiedene Szenarien getestet: Wenn sich die Stadt weiterhin entwickelt wie bisher – also mit vielen Pendlern, die im Umland leben und in der Stadt arbeiten – werden 2030 laut der Studie ca. 77 % der Anwohner auf das Auto zurückgreifen, maximal 7 % auf Muskelkraft sowie 17 % auf Bus (und Tram). Ähnlich sieht es aus beim „Laissez-Faire“-Ansatz, also bei einer Stadtentwicklung ohne nennenswertes planerisches Eingreifen.

Wenn jedoch die Stadt kompakter wird, werden den Simulationen zufolge nur noch 66 % der Anwohner auf das Auto zurückgreifen, also 11 % weniger. Hingegen würden mehr Bewohner auf Fortbewegungsmittel ohne Motor setzen, nämlich ganze 16 % - und weitere 20 % auf öffentlichen Nahverkehr. Die Voraussetzung hierfür: Die kompakte Stadt (der Zukunft) ist entsprechend konzipiert, will meinen: klar und effizient strukturiert.

Wie müsste eine kompakte Stadt Luxemburg aussehen?

Innerhalb eines Grüngürtels, der die Stadt begrenzt, werden Bauflächen maximal genutzt, um neben Büro- und Geschäftsvierteln auch umfassend Wohnraum zu schaffen. Die Nutzer finden also „alles auf einem Fleck“, auch weil zum Bespiel mehr in die Höhe als in die Breite gebaut wird. Ziel dieses Konzeptes ist es, möglichst viele Menschen dort anzusiedeln, wo sie arbeiten und somit ein umweltfreundliches Mobilitätsverhalten zu inspirieren.

Simulationssystem LUTI hilft Fehler der Vergangenheit zu vermeiden

Ziel des CEPS-Teams aus Geografen, Psychologen und Informatiker war es, zu simulieren – sprich: vorherzusehen –, welche Folgen das jeweilige Szenario für die Fortbewegung der Mensch im Jahr 2030 hat.

Um ein möglichst realitätsnahes Bild der Situation im Jahr 2030 zu erhalten, wurde bei allen Szenarien außer auf Erfahrungswerte auf verhaltenspsychologische Aspekte sowie auf ein geografisches Informationssystem zurückgegriffen. Entstanden ist so der Prototyp eines Simulationssystems für Raumplanung in Luxemburg als Zentrum der Großregion, genannt LUTI (Land Use Transport Interaction). LUTI hilft Städteplanern, die Auswirkungen Ihrer Planungen vorherzusehen – und die Fehler der Vergangenheit zu vermeiden.

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