Die Zahl der Demenzkranken könnte sich in Luxemburg bis 2070 verdreifachen

Luxembourg Institute of Socio-Economic Research (LISER)

Neurodegenerative Erkrankungen / Alterung / Gesellschaft

Die Alterung der Luxemburger Bevölkerung wird in den kommenden Jahrzehnten zu einem starken Anstieg der Demenzfälle führen, warnt ein Policy Brief des LISER. Bis 2070 werden mehr als die Hälfte der Einwohner über 50 Jahre alt sein, gegenüber derzeit 35%. Hauptgrund dafür ist die wachsende Zahl der Menschen im Alter von 80 Jahren und älter.

Der Bericht unterstreicht die entscheidende Rolle pflegender Angehöriger und familiärer Netzwerke bei der täglichen Betreuung von Demenzkranken. Mehr als 80% der allein lebenden Demenzpatienten erhalten regelmäßig informelle Unterstützung, häufig von ihren Kindern oder Nachbarn.

Die Autoren plädieren für eine nationale Strategie, die Prävention, Früherkennung, psychologische Unterstützung und die Bekämpfung sozialer Isolation stärkt. Letztere gilt als ein Faktor, der den kognitiven Abbau zusätzlich beschleunigen kann.

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Weltweit ist jede fünfte bodenabhängige Art vom Aussterben bedroht

Musée national d'histoire naturelle du Luxembourg (MNHNL)

Biodiversität / Böden / Naturschutz

Eine Studie der International Union for Conservation of Nature (IUCN), die gemeinsam mit dem MNHNL durchgeführt wurde, zeichnet ein besorgniserregendes Bild der Bodenbiodiversität. Laut der Roten Liste der IUCN ist etwa jede fünfte bodenabhängige Art vom Aussterben bedroht. Zu diesen Arten zählen Wirbellose (Würmer, Insekten, Spinnentiere), Pilze, Mikroorganismen und andere Lebewesen, deren Überleben von unterirdischen Ökosystemen abhängt. Insgesamt gelten mehr als 40 % der weltweit bewerteten 8.500 Arten entweder als bedroht oder als unzureichend erforscht.

Dabei spielt der Boden eine zentrale Rolle: Er trägt zu 95 % der weltweiten Nahrungsmittelproduktion bei und kann bis zu 27% des Kohlenstoffs speichern, der zur Begrenzung der Erderwärmung notwendig ist. Dennoch sind die Organismen, die seine Fruchtbarkeit sichern, bislang nur unzureichend untersucht.

Die Studie verdeutlicht die große Lücke zwischen der ökologischen Bedeutung des Bodens – der Lebensraum für rund 59 % aller Arten auf der Erde ist – und dem vorhandenen Wissen darüber. Dieser Informationsmangel stellt eine direkte Bedrohung für Ernährungssicherheit und Ökosysteme dar.

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In Luxemburg arbeiten zwei von drei Beschäftigten unter „atypischen“ Bedingungen

STATEC

Arbeit / Ungleichheit / Gesellschaft

Nach Angaben von STATEC sind zwei Drittel der Beschäftigten im Großherzogtum von mindestens einer Form atypischer Arbeit betroffen: Teilzeitarbeit, versetzte Arbeitszeiten, Nachtarbeit oder Arbeit am Wochenende.

Teilzeitarbeit bleibt stark weiblich geprägt: 29,1 % der Frauen arbeiten in Teilzeit, gegenüber lediglich 9 % der Männer. Besonders betroffen von Nacht- und Abendarbeit sind die Bereiche Transport und Verwaltungsdienstleistungen. Rund 29 % der Einwohner arbeiten zudem samstags und 21 % sonntags. Die Studie macht auch anhaltende familiäre Ungleichheiten sichtbar: Von den Personen mit Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen geben 61 % der Frauen an, ihre berufliche Laufbahn aus familiären Gründen angepasst zu haben, gegenüber 45 % der Männer. Gleichzeitig hat sich das Homeoffice dauerhaft etabliert: 36 % der Erwerbstätigen arbeiten inzwischen zumindest gelegentlich von zu Hause aus.

Ende 2025 zählte Luxemburg knapp 494.000 Beschäftigte, davon 47 % Grenzgänger. Luxemburger Staatsangehörige stellen lediglich ein Viertel aller Arbeitnehmer.

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Die Fertilitätsrate in Luxemburg fällt auf einen historischen Tiefstand von 1,23 Kindern pro Frau

STATEC

Geburtenrate / Demografie / Gesellschaft

Die demografische Dynamik Luxemburgs hat sich 2025 weiter abgeschwächt. Ursache sind sowohl rückläufige Wanderungsbewegungen als auch eine historisch niedrige Fertilitätsrate. Diese misst die durchschnittliche Zahl der Kinder pro Frau in einer gegebenen Population.

Zum 1. Januar 2026 zählte das Großherzogtum 690.959 Einwohner, was einem Bevölkerungswachstum von 1,3 % entspricht. Das liegt deutlich unter den Werten des vergangenen Jahrzehnts, als die Zuwächse häufig über 2 % lagen. Das Bevölkerungswachstum beruht weiterhin hauptsächlich auf Zuwanderung, doch auch diese nimmt ab. Gleichzeitig sinkt die Geburtenrate weiter. Die Fertilitätsrate liegt inzwischen bei nur noch 1,23 Kindern pro Frau – ein historischer Tiefstand. Bei Luxemburgerinnen beträgt sie sogar lediglich 1,16 Kinder pro Frau.

Trotz dieser Entwicklung bleibt die Lebenserwartung hoch: Sie liegt bei 85,2 Jahren für Frauen und 81,1 Jahren für Männer.

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Fake News: Klassischer Faktencheck verschärft mitunter Spannungen zwischen Internet-Nutzern

Universität Luxemburg (FDEF)

Desinformation / Soziale Netzwerke / Gesellschaft

Desinformation verbreitet sich in sozialen Netzwerken oft schneller als Fakten, da sie stärker von Emotionen als von sachlichen Informationen getragen wird. Ein Forschungsteam der Universität Luxemburg untersucht seit vier Jahren die Mechanismen der Verbreitung von Falschinformationen und mögliche Gegenmaßnahmen.

Die Wissenschaftler analysierten mehrere bedeutende Fälle, darunter die COVID-19-Pandemie, die US-Präsidentschaftswahl und Debatten zum Klimawandel. Das Projekt REMEDIS zeigte, dass klassisches Fact-Checking – also die Überprüfung von Informationen durch Journalisten, Experten oder spezialisierte Organisationen – Spannungen mitunter sogar verstärken kann. Viele Nutzer empfinden solche Überprüfungen als politisch voreingenommen, was ihr Misstrauen zusätzlich fördert. Alternativen wie die „Community Notes“ auf X, bei denen Nutzer irreführende Beiträge gemeinschaftlich kommentieren und korrigieren, zeigen vielversprechende Ergebnisse, greifen jedoch oft erst sehr spät.

Um kritisches Denken zu fördern, entwickelten die Forscher das Lernspiel „Debunked“, das auf dem Prinzip der „kognitiven Impfung“ basiert. Dabei werden Nutzer gezielt kleinen Mengen an Desinformation ausgesetzt, um ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber späteren Manipulationsversuchen zu stärken.

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Eine längere Blockade der Straße von Hormus könnte Luxemburg bereits 2026 in die Rezession führen

STATEC

Straße von Hormus / Wirtschaft / Gesellschaft

Das STATEC warnt vor erheblichen wirtschaftlichen Folgen einer längeren Blockade der Straße von Hormus, einer Schlüsselroute des weltweiten Erdölhandels. Der Konflikt rund um den Iran könnte zu einem starken Inflationsschub, dauerhaft höheren Energiepreisen und einer deutlichen Abschwächung der Luxemburger Wirtschaft führen.

Untersucht wurden zwei Szenarien: eine kurze Blockade bis Ende Mai 2026 und ein schwerwiegenderes Szenario mit einer sechsmonatigen Schließung der Meerenge. Im zweiten Fall könnten die Kraftstoffpreise im Sommer 2026 die Marke von zwei Euro pro Liter überschreiten, während die Inflation in Luxemburg auf nahezu 6 % steigen könnte. Zudem erwartet STATEC einen Anstieg der Arbeitslosigkeit und sogar eine mögliche Rezession im Jahr 2026. Weltweite Lieferketten würden gestört, Transportkosten und Rohstoffpreise deutlich steigen.

Die Auswirkungen auf die Strompreise wären jedoch voraussichtlich geringer als während der Energiekrise 2022–2023.

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Die Pandemie hat die Grenzen in Europa trotz jahrzehntelanger Integration zurückgebracht

Universität Luxemburg (FHSE)

COVID-19 / Europa / Gesellschaft

Die COVID-19-Pandemie hat europäische Grenzregionen tiefgreifend erschüttert, obwohl diese über Jahrzehnte durch Integration und Freizügigkeit geprägt wurden. Eine neue Studie untersucht das Phänomen des „Covidfencing“, also die plötzliche Wiedereinführung von Binnengrenzen während der Gesundheitskrise, anhand von drei bedeutenden Regionen: dem Genfer Becken, der Großregion und der Öresund-Region zwischen Dänemark und Schweden.

Die Forscher zeigen, dass die Staaten trotz enger wirtschaftlicher und sozialer Verflechtungen einseitige Grenzschließungen beschlossen haben, ohne regionale Strukturen einzubeziehen. Die Krise hat zudem bestehende Ungleichheiten verschärft, insbesondere durch Homeoffice-Arbeit. Während einige Grenzgänger von mehr Flexibilität profitierten, blieben andere auf tägliche Pendelwege angewiesen.

Gleichzeitig sind neue steuerliche und soziale Regelungen entstanden, um dieser Situation Rechnung zu tragen. Die Studie hebt außerdem hervor, dass zahlreiche regionale Akteure innovative Kooperationsformen entwickelt haben, die auch bei künftigen Krisen hilfreich sein könnten.

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Luxemburger gehören zu den reisefreudigsten Europäern

STATEC

COVID-19 / Tourismus / Gesellschaft

Nach dem Reiseboom der post-Pandemie Jahren hat sich das Reiseverhalten der Luxemburger Bevölkerung stabilisiert. Laut einer Infografik von STATEC unternahmen die Einwohner des Großherzogtums im Jahr 2024 rund 3,2 Millionen touristische Reisen. Sie verbrachten insgesamt 22 Millionen Übernachtungen außerhalb ihres Wohnortes. Verglichen mit 2019 entspricht dies einem Anstieg von 40 % bei den Reisen und 26 % bei den Übernachtungen.

Luxemburger zählen damit zu den reisefreudigsten Europäern – direkt hinter den Schweden. STATEC führt dies auf das hohe Einkommensniveau, die Nähe zu einem internationalen Flughafen und die Migrationsgeschichte des Landes zurück. 92 % aller Reisen finden innerhalb Europas statt, insbesondere nach Frankreich, Deutschland und Spanien.

Die Studie macht jedoch deutliche soziale Unterschiede sichtbar: Haushalte mit finanziellen Schwierigkeiten reisen seltener und verbringen weniger Urlaubstage.

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SUN2CN: Vielversprechender Durchbruch bei der Herstellung nachhaltiger Moleküle mithilfe von Sonnenenergie

Luxembourg Institute of Science and Technology (LIST)

Solarenergie / Chemie / Nachhaltigkeit

Sechs Monate nach seinem Start meldet das vom LIST koordinierte europäische Projekt SUN2CN ein erstes wissenschaftliches Ergebnis, das als äußerst vielversprechend gilt. Dem Forschungsteam gelang die Entwicklung eines Elektrokatalysators – eines Materials, das eine chemische Reaktion unter Einsatz von Elektrizität beschleunigt –, der Nitrate und Wasser mithilfe von Sonnenenergie mit hoher Effizienz in Ammoniak umwandeln kann.

Dieser Schritt stellt einen wichtigen Fortschritt auf dem Weg zum Hauptziel des Projekts dar: Moleküle aus Abfallstoffen wie CO₂, Nitraten und Wasser in hochwertige chemische Verbindungen umzuwandeln. Langfristig soll ein System entstehen, das allein mit Sonnenlicht und lokalen Abfallstoffen nützliche Moleküle für Landwirtschaft und Pharmaindustrie produziert.

Als nächster Schritt soll CO₂ in den Prozess integriert werden, um komplexere und nachhaltigere chemische Verbindungen herzustellen und gleichzeitig die Emissionen der chemischen Industrie zu verringern.

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Luxemburg muss die berufliche Integration von Flüchtlingen beschleunigen

Luxembourg Institute of Socio-Economic Research (LISER)

Migration / Integration / Beschäftigung

Ein Policy Brief des LISER kommt zu dem Schluss, dass die derzeitigen Reformen nicht ausreichen, um das wirtschaftliche Potenzial von Flüchtlingen vollständig auszuschöpfen.

Derzeit leben in Luxemburg rund 17.000 Flüchtlinge oder Schutzsuchende, was etwa 2,5 % der Bevölkerung entspricht. Dennoch bleibt ihre Beschäftigungsquote niedrig: Einer aktuellen Erhebung zufolge hatten nur 28 % der Flüchtlinge nach 10 bis 18 Monaten im Land eine Arbeit, oft mit einem Einkommen von weniger als 2.000 Euro pro Monat. Die Forscher nennen mehrere Hindernisse: bürokratische Hürden, Sprachprobleme, die Anerkennung ausländischer Abschlüsse sowie fehlende berufliche Netzwerke. Sie empfehlen daher eine kohärentere Strategie mit intensivem Sprachunterricht, schneller Kompetenzbewertung, individueller Begleitung und direkten Kontakten zu Arbeitgebern.

Als Vorbild wird Deutschland genannt, wo aktivere Integrationsmaßnahmen dazu geführt haben, dass nach zehn Jahren 65 bis 70 % der Flüchtlinge erwerbstätig sind.

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Autorin: Diane Bertel
Editorin: Lucie Zeches (FNR)

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