Pexels; Flickr; Pixabay
Resistente Stärke: ein unerwarteter Verbündeter gegen Parkinson-Symptome
Universität Luxemburg (LCSB)
Neurodegenerative Erkrankungen / Ernährung / Gesundheit
Ein Team des LCSB zeigte, dass eine Ernährung, die reich an resistenter Stärke ist, bestimmte Symptome der Parkinson-Krankheit verbessern kann. Resistente Stärke kommt in Lebensmitteln vor, die gekocht und dann abgekühlt wurden, wie Kartoffeln, Reis oder Pasta, und wirkt direkt auf das Darmmikrobiom. Bei Parkinson ist der Darm bereits sehr früh betroffen, lange bevor die motorischen Störungen auftreten.
In einer Pilotstudie mit 74 Patienten beobachteten die Forscher, dass eine solche Ernährung die Zusammensetzung des Darmmikrobioms schnell verändert, indem sie nützliche Bakterien fördert und Entzündungen reduziert. Bei längerer Anwendung wurden Verbesserungen der Lebensqualität sowie der motorischen Symptome (Zittern, verlangsamte Bewegungen) und der nicht-motorischen Symptome (Schlaf-, Stimmungs- oder Gedächtnisprobleme) festgestellt.
Diese Ergebnisse bestätigen die Idee, dass Ernährung ein gut verträgliches, ergänzendes Werkzeug zur Begleitung von Parkinson-Patienten sein kann und unterstreichen die zentrale Rolle der Darm-Hirn-Achse bei neurodegenerativen Erkrankungen.
Zur Pressemitteilung / Zur Publikation
Umweltverschmutzung: Neue Studie zeigt Zusammenhang mit Stoffwechselstörungen
Luxembourg Institute of Health (LIH)
Schadstoffe / Stoffwechselstörungen / Gesundheit
Eine Studie des LIH zeigt einen Zusammenhang zwischen der Exposition gegenüber Mischungen von Umweltverschmutzungen und einem erhöhten Risiko für Stoffwechselstörungen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die kombinierte Exposition gegenüber diesen Substanzen das Risiko für das metabolische Syndrom (Übergewicht, hoher Zucker- und Fettspiegel im Blut) und Bluthochdruck erhöht.
Basierend auf den Daten der Europäischen Gesundheitsstudie in Luxemburg (EHES-LUX) von 2013–2015 analysierte die Studie über 600 Erwachsene im Alter von 25 bis 64 Jahren. Die Teilnehmer gaben Auskunft über ihre Gesundheit und ihren Lebensstil, unterzogen sich klinischen Untersuchungen und stellten Haarproben bereit. Über 150 chemische Substanzen, darunter Pestizide, Herbizide, Kunststoffe und Flammschutzmittel, wurden gemessen. Die Analysen zeigen, dass die kombinierte Exposition das Risiko fast aller Stoffwechselstörungen erhöht, was auf kumulative oder synergistische Effekte hindeutet.
Die Studie betont die Bedeutung der Betrachtung von Schadstoffmischungen und plädiert für die Reduzierung des Pestizideinsatzes und entsprechende Vorschriften für Mehrfachexpositionen.
Zur Pressemitteilung / Zur Publikation
Biodiversität in Gefahr: 30 % der Vogelarten bedroht und nur 15 % gesunde Bäume in Luxemburg
STATEC
Biodiversität / Ökosysteme / Umwelt
Erstmals veröffentlicht das STATEC ein umfassendes Dashboard zur Biodiversität in Luxemburg: „Biodiversität in Zahlen“. Diese Veröffentlichung liefert verlässliche Orientierungspunkte zur Entwicklung der Ökosysteme.
Die Daten sind besorgniserregend. Sie zeigen eine starke Verschlechterung des Gesundheitszustands der Wälder: 1984 waren 79,1 % der Bäume unbeschädigt, 2024 nur noch 15,1 %. Außerdem fehlen oberirdische Gewässer in gutem ökologischen Zustand, während die Zahl der bedrohten Arten steigt (30 % der Vögel, 26 % der Schmetterlinge, 35 % der Gefäßpflanzen). Positiv ist, dass die Ausgaben zum Schutz der Biodiversität ebenfalls steigen.
Je artenreicher ein Ökosystem ist, desto nachhaltiger und widerstandsfähiger ist es; die Überwachung der Biodiversität wird angesichts des Klimawandels zu einer zentralen Herausforderung.
Zur Pressemitteilung / Zur Publikation
Obdachlosigkeit und Armut in Europa: Anhaltende Herausforderungen
Luxembourg Institute of Socio-Economic Research (LISER)
Armut / Obdachlosigkeit / Gesellschaft
Mehrere Herausforderungen bestehen weiterhin im Kampf gegen Armut in Europa. Zu den drängendsten Problemen zählen Wohnungsknappheit, regionale Unterschiede und finanzielle oder organisatorische Beschränkungen. Dies sind die Ergebnisse des Berichts „Tackling Homelessness and Poverty in the EU“, erstellt vom Forschungsnetzwerk ESPAN (European Social Policy Analysis Network, dem LISER angehört) für die Europäische Kommission.
Der Bericht analysiert die Situation von Obdachlosigkeit und Armut in den 27 Mitgliedstaaten. Basierend auf nationalen Berichten untersucht er Definitionen von Obdachlosigkeit, nationale Strategiepläne, Maßnahmen zur Armutsbekämpfung sowie Zugang zu sozialen und gesundheitlichen Dienstleistungen und Mindestsicherungssystemen.
Die Autoren betonen die Bedeutung koordinierter Ansätze zur wirksamen Verringerung von Obdachlosigkeit, Armut und sozialer Ausgrenzung. Der Bericht endet mit Empfehlungen zur Stärkung der Politik auf nationaler und europäischer Ebene, die auch auf Luxemburg anwendbar sind.
Zur Pressemitteilung / Zur Publikation
Staatsbürgerschaft als Motor der Integration von Migranten
Luxembourg Institute of Socio-Economic Research (LISER)
Staatsbürgerschaft / Migration / Gesellschaft
Eine aktuelle Veröffentlichung von The Economist hebt die Forschung von Christina Gathmann, Direktorin von LISER, über die Rolle der Staatsbürgerschaft bei der Integration von Migranten hervor. Die Studie zeigt langfristig positive sozioökonomische Effekte, insbesondere bei Migrantinnen. Sie basiert auf deutschen Reformen, die den Zugang zur Staatsbürgerschaft erweiterten.
Zu den positiven Effekten zählen höhere Einkommen, späteres Heiratsalter, stärkere Investition in Fähigkeiten und Karriere sowie größere Stabilität auf dem Arbeitsmarkt. Die Forscher betonen, dass Staatsbürgerschaft zwei wesentliche Signale sendet: Sicherheit für Migranten und Vertrauen für Arbeitgeber, was individuelle und wirtschaftliche Investitionen fördert.
Im Gegensatz zu temporären oder unsicheren Status ermöglicht eine stabile Staatsbürgerschaft Migranten, ihre Zukunft zu planen und aktiv zur Aufnahmegesellschaft beizutragen.
Zur Pressemitteilung / Zur Publikation
Das Schicksal der Juden Luxemburgs während der Shoah
Universität Luxemburg (C2DH)
Shoah / Biografien / Geschichte
Warum und wie haben sich jüdische Familien in Luxemburg niedergelassen, und welches Schicksal ereilte sie während der nationalsozialistischen Besatzung? Das Buch "Parcours de vie – Les Juifs du Luxembourg et la Shoah" gibt Antworten auf diese Fragen durch einen mikrohistorischen Ansatz, basierend auf gründlicher wissenschaftlicher Forschung.
Zwanzig Autoren zeichnen die Lebenswege von Männern und Frauen nach, die entweder seit langem in Luxemburg lebten oder als Migranten vor Pogromen geflohen waren, deren Leben durch die Anwendung der nationalsozialistischen Rassengesetze nach 1940 dramatisch verändert wurden. Besonders hervorgehoben wird der Weg von Alfred Oppenheimer, Präsident des israelitischen Konsistoriums, der von der Gestapo gezwungen wurde, an der Organisation der Deportationen mitzuwirken, dabei aber teilweise durch Verhandlungen Leben retten konnte. 1943 wurde er zusammen mit seiner Familie deportiert und verkörpert die tragische Komplexität dieser Zeit.
Ursprünglich für ein digitales Shoah-Memorial konzipiert, dienen diese Biografien heute als wesentliches Instrument zur Weitergabe, Forschung und Lehre für zukünftige Generationen.
Ein Darmbakterium, das das Fortschreiten von Darmkrebs fördert
Universität Luxemburg (FSTM)
Darmkrebs / Bakterien / Gesundheit
Das Darmbakterium Fusobacterium nucleatum wird seit mehreren Jahren mit Darmkrebs in Verbindung gebracht. Neue Forschungen eines Teams der Universität Luxemburg zeigen einen bisher unbekannten Mechanismus: Das Bakterium interagiert nicht nur mit Krebs- und Immunzellen, sondern auch mit Fibroblasten – Zellen, die im Tumor-Umfeld eine Schlüsselrolle spielen. Fibroblasten produzieren normalerweise Kollagen und andere Fasern, die Gewebe stützen, reparieren und erhalten.
Die Forscher zeigten, dass Fusobacterium nucleatum diese Fibroblasten infizieren und so umprogrammieren kann, dass sie entzündungsfördernde Moleküle produzieren. Dieses proinflammatorische Milieu macht Krebszellen invasiver und fördert das Fortschreiten der Erkrankung. Die Ergebnisse wurden durch klinische Proben aus umfangreichen Biobanken luxemburgischer Darmkrebspatienten bestätigt.
Obwohl die Arbeiten noch präklinisch sind, eröffnen sie vielversprechende Perspektiven: das Bakterium gezielt angreifen, seine Interaktion mit Fibroblasten blockieren oder seine Präsenz als Biomarker nutzen.
Zur Pressemitteilung / Zur Publikation
Neuer therapeutischer Rahmen für die Bekämpfung von Glioblastomen
Luxembourg Institute of Health (LIH)
Glioblastom / Immunologie / Onkologie
Forscher des NORLUX-Labors am LIH erklären, warum Immuntherapien, die bei anderen Krebsarten wirksam sind, beim Glioblastom (ein hochaggressiver bösartiger Hirntumor) weitgehend versagen. Ihre Analyse zeigt, dass das Glioblastom eine außergewöhnliche Fähigkeit besitzt, das Immunsystem umzubauen. Sie schlagen einen neuen konzeptuellen Rahmen vor, der auf dem richtigen Timing der Behandlung basiert.
Der Tumor erzeugt ein stark immunsuppressives Umfeld, arm an aktiven T-Lymphozyten und dominiert von Makrophagen, die zur Tumorwachstumsförderung umprogrammiert sind. Diese Immunzellen sind in verschiedene Nischen organisiert, beeinflusst von Sauerstoff, Blutgefäßen und Therapien, was ihr Verhalten steuert. Zudem verändern Strahlen- und Chemotherapie dieses Umfeld dauerhaft und machen Rückfälle noch resistenter gegen Immuntherapien.
Der Ansatz der LIH-Forscher könnte den Weg zu effektiveren und nachhaltigeren Immuntherapiestrategien gegen Glioblastome ebnen.
Zur Pressemitteilung / Zur Publikation
Therapeutisches Potenzial des Probiotikums Akkermansia muciniphila: Chancen und Grenzen
Luxembourg Institute of Health (LIH)
Probiotika / Immunität / Gesundheit
Die Gruppe „Nutrition, Microbiome & Immunity“ des LIH untersucht die komplexe Rolle von Akkermansia muciniphila, einem Darmbakterium mit vielversprechendem Nutzen für die menschliche Gesundheit.
Etwa 40 % der Menschen tragen dieses Bakterium in sich; es ernährt sich von der Darmschleimhaut und beeinflusst Stoffwechsel, Blutzucker und Appetitregulation, was großes Interesse als neuartiges Probiotikum weckt. Seine Wirkungen sind jedoch stark variabel und hängen von Ernährung, Genetik, Zusammensetzung des Mikrobioms und individueller Gesundheit ab. Die Vielfalt der Stämme spielt ebenfalls eine Schlüsselrolle, da manche das Immunsystem oder die Darmbarriere modulieren. A. muciniphila zeigt somit sowohl ein großes therapeutisches Potenzial als auch die Komplexität eines kontextabhängigen Mikrobioms.
Die Forscher betonen, dass klinische und biotechnologische Anwendungen – vom metabolischen Syndrom über Krebsversuche bis hin zur Herstellung von universellem Blut – eine vorsichtige, evidenzbasierte Herangehensweise erfordern, um Sicherheit und Wirksamkeit zu gewährleisten.
Zur Pressemitteilung / Zur Publikation
Hochwertige Versorgung bei Brustkrebs in Luxemburg
Luxembourg Institute of Health (LIH), Nationales Krebsregister (RNC)
Onkologie / Ungleichheiten / Gesellschaft
Das Nationale Krebsregister Luxemburg (RNC) beteiligte sich an einer internationalen Studie zur Versorgung von Brust-, Gebärmutterhals- und Eierstockkrebs bei über 250.000 Frauen in 39 Ländern.
Die Ergebnisse zeigen deutliche Ungleichheiten: In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen werden weniger Patientinnen früh diagnostiziert und erhalten weniger Behandlung nach Leitlinien. Die Zeitspanne zwischen Diagnose und Behandlung kann mehrere Monate betragen, während sie in wohlhabenden Ländern kurz bleibt. Auch das Alter beeinflusst den Zugang zu Versorgung. Die Studie im Rahmen des Projekts VENUSCANCER konzentrierte sich auf Diagnose-Stadium, Behandlung und Biomarker, um globale Unterschiede in der Versorgung zu verstehen.
Der luxemburgische Beitrag zeigt die Qualität der Daten und Versorgung im Land und unterstreicht die Bedeutung von Krebsregistern zur Steuerung von Gesundheitspolitik und Reduzierung globaler Ungleichheiten.
Zur Pressemitteilung / Zur Publikation
Autorin: Diane Bertel
Editorin: Lucie Zeches (FNR)